Die Nordseeinsel Föhr sorgt zum Start der diesjährigen Urlaubssaison für Aufsehen. Allerdings nicht mit den schönen Seiten der „friesischen Karibik“, wie Föhr sonst gern vom dortigen Tourismusgewerbe beworben wird. Sondern mit einer Rattenplage, die in norddeutschen Medien derzeit Schlagzeilen macht.
„Föhr voll mit Ratten“ titelte am Dienstag etwa der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (SHZ), und die niedersächsische „Kreiszeitung“ stellte zwei Tage später fest: „Ratten überrennen Nordseeinsel – Lösung nicht in Sicht“.
Solche Meldungen dürften große Aufmerksamkeit erregen – startet doch schon in diesen Wochen die erste Tourismussaison des Jahres. Die beginnt traditionell um Ostern herum, bevor im Sommer das Hauptgeschäft startet.
Doch es sind nicht die Feriengäste, denen die Ratten den Urlaubsgenuss verderben. Das Problem betrifft die Natur der Insel, denn die Nager vernichten den Nachwuchs einiger Vogelarten, die auf der Insel heimisch sind.
Natur auf Föhr ist schutzlos gegen Ratten
Föhr ist bekannt für seine weite Landschaft – auf den Salzwiesen und anderen natürlichen Grünflächen brütet eine ganze Reihe seltener Vögel. Es sind solche Bodenbrüter, die im Fokus der Rattenplage stehen. Denn gegen die allesfressenden, kräftigen Nagetiere haben ihre Gelege und Jungvögel keine Chance. Auf dem Boden ist der Nachwuchs praktisch ungeschützt.
Der SHZ interviewte in dieser Woche einen Naturschützer, der den Angaben zufolge in der Föhrer Marsch gut 20 Brutpaare von Uferschnepfen betreut. Die Insel sei voll mit Ratten, beklagt er. Dort, wo man nichts gegen die intelligenten Schädlinge unternehme, bliebe nichts übrig von der Brut. Er fange zwar Ratten mit Lebendfallen ein, heißt es weiter. Doch eigentlich bringe es überhaupt nichts, ein paar von ihnen aus der Population herauszunehmen. Sie vermehrten sich trotzdem weiter, und das in großem Stil.
Doch warum eskaliert das Rattenproblem auf Föhr überhaupt? Schließlich gibt es Ratten hierzulande quasi überall, ohne dass Gemeinden gleich Alarm schlagen müssen.
Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens galt Föhr in früheren Zeiten als rattenfrei. Die Natur konnte sich ohne die Bedrohung durch die Nagetiere entwickeln – hat nun aber auch keine Schutzmechanismen dagegen. Vor etwa 20 Jahren erreichten die ersten Wanderratten Föhr – und vermehren sich seit dieser Zeit massiv.
Zudem ist die Bekämpfung schwierig, denn man darf beispielsweise nicht so einfach in großem Stil Gift auslegen, da dieses für viele andere Tierarten eine tödliche Gefahr ist und die Gifte als extrem grausam gelten.
War der Einsatz von Rattengift für Privatpersonen bereits zuvor in Deutschland stark eingeschränkt, wird er seit Anfang 2026 durch eine neue EU-Regel noch weiter begrenzt. Das Ergebnis ist, dass im Grunde nur noch professionelle Schädlingsbekämpfer solche Mittel verwenden dürfen.
Zwar hat das Amt Föhr-Amrum einen Leitfaden für alle Insulaner herausgegeben, der detailliert beschreibt, wie man als Grundstücksbesitzer auf die Anwesenheit von Ratten reagieren soll. Doch das erste Problem besteht demnach schon darin, dass Laien einen Rattenbefall kaum als solchen erkennen, denn die Tiere halten sich meist verborgen.
Spazieren die Nager erst einmal dreist durch die Gegend und werden damit sichtbar, ist die Lage bereits eskaliert. Geraten wird in dem behördlichen Leitfaden unter anderem, sich an Fachbetriebe zu wenden, wenn man Rattenbefall vermutet. Doch wie viele Privatleute einen Kammerjäger konsultieren, wenn sie beispielsweise verdächtige Kothäufchen auf dem Rasen sehen, ist unklar.
Und so lautet der Tenor der aktuellen Berichterstattung, dass sich die Ratten auf Föhr wohl weiter vermehren und die Population seltener Vögel ernsthaft bedrohen werden –, ohne dass etwas dagegen getan wird.
Quellen: SHZ, "Kreiszeitung", Amt Föhr-Amrum, "Foehr.de", "Amrum News"