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Luftverschmutzung: Greenpeace verpasst der Siegessäule eine Atemschutzmaske

Auf der Berliner Siegessäule ragt die Siegesgöttin Victoria. Greenpeace-Aktivisten nutzten sie jetzt zum Protest für bessere Luft in deutschen Städten. Das Bundesumweltamt macht für die Verschmutzung vor allem alte Dieselfahrzeuge verantwortlich.

Greenpeace-Aktivisten nutzen die Statue der Berliner Siegessäule für eine Protestaktion

Greenpeace-Aktivisten nutzen die Statue der Berliner Siegessäule für eine Protestaktion

Die Statue der Berliner Siegessäule trägt ein neues Accessoire. Die weiße Luftschutzmaske ist aber keine schräge Modeerscheinung, sondern Teil einer Protestaktion von Greenpeace. Unter dem Motto "Atemlos durch die Stadt" demonstriert die Umweltorganisation gegen die Luftverschmutzung in deutschen Städten. Aus einem Bericht des Bundesumweltamt (UBA) geht hervor, dass der Anteil an Stickoxid weiterhin viel zu hoch ist. 

Greenpeace fordert Sofortmaßnahmen

Kletterer von Greenpeace haben am Dienstag die "Goldelse" auf der knapp 70 Meter hohen Siegessäule in Berlin Tiergarten erklommen. Gemeinsam mit den Umweltorganisationen BUND und Deutsche Umwelthilfe forderte Greenpeace sofortige Maßnahmen gegen die Stickstoffoxidbelastung. "Auf Bundesebene wie in den Kommunen muss es jetzt darum gehen, die Belastung für Menschen und Umwelt schnellstens zu verringern", erklärte BUND-Experte Jens Hilgenberg. 

Das Bundesumweltamt hat am Dienstag in Dessau die Auswertung vorläufiger amtlicher Messdaten vorgestellt. An mehr als der Hälfte aller verkehrsnahen Messstellen sei der Grenzwert für Stickstoffdioxid im vorigen Jahr im Mittel überschritten worden, hieß es dabei. Die Verbindung sei "weiter Schadstoff Nummer eins", die Belastung seit 2010 nur leicht zurückgegangen, teilte die Behörde mit.

Dieselfahrzeuge sind Umweltsünder

Stickstoffdioxid gefährde die Gesundheit der Menschen schon seit Jahrzehnten, erklärte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Kommunen müssten endlich Möglichkeiten erhalten, Autos mit hohem Ausstoß aus den besonders belasteten Innenstädten zu verbannen. Schuld an der Misere seien "vor allem alte Dieselautos". Es gehe um den Schutz der Bürger. Auch der BUND-Experte Hilgenberg mahnte, dass die sogenannte Blaue Plakette jetzt "nicht länger tabuisiert werden" dürfte.

Die Einführung der Plakette war im vergangenen Sommer vom Bundesumweltministerium auf Eis gelegt worden. Sie soll Autos mit besonders geringem Ausstoß von Abgasen wie etwa Stickoxid kennzeichnen. Die Plakette würde Kommunen eine Grundlage dafür verschaffen, nur diese in bestimmte Bereiche fahren zu lassen - und etwa ältere Diesel auszusperren.

Feinstaubbelastung zurückgegangen 

In der EU gilt für die Stickoxidbelastung laut UBA ein verbindlicher Grenzwert von 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft, der im Laufe eines Jahres nicht überschritten werden darf. Um Stickoxide geht es auch beim VW-Skandal. Der Autobauer hatte zugegeben, deren Ausstoß bei Millionen Dieseln bei Testläufen per Software künstlich gesenkt zu haben.

Fortschritte zeigte der UBA-Bericht beim Feinstaub. Die Belastung war 2016 so niedrig wie nie seit 2000. Dennoch würden die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Grenzwerte auch hier weiter klar überschritten.

fri / AFP