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Mysteriöse Krankheit CIA findet natürliche Ursachen für "Havanna-Syndrom" – aber nicht in allen Fällen

Die US-Botschaft in Havanna (Archivbild). 2016 tauchte hier erstmals das "Havanna-Syndrom" bei Diplomaten auf
Die amerikanische Botschaft in Kubas Hauptstadt Havanna (Archivbild). 2016 tauchte hier erstmals das "Havanna-Syndrom" bei US-Diplomaten auf
© Isaac Risco / Picture Alliance
Seit Jahren melden US-Botschaften weltweit mysteriöse Gesundheitsbeschwerden – das sogenannte Havanna-Syndrom. Die CIA untersucht, ob Attacken einer ausländischen Macht dahinterstecken. Nun sind erste Ergebnisse durchgesickert.

Das bei US-Diplomaten aufgetretene sogenannte Havanna-Syndrom lässt sich offenbar in zahlreichen Fällen nicht wie vielfach vermutet auf einen ausländischen Angriff zurückführen. Stattdessen seien in hunderten Fällen "plausible und alternative Erklärungen" gefunden worden, berichten die "New York Times" und der Sender NBC News unter Berufung auf Beamte des US-Auslandsgeheimdienstes CIA. Die Ermittlungen zu einigen ungeklärten Fällen dauerten allerdings noch an.

In etwa zwei Dutzend Fällen könne die Behörde eine ausländische Beteiligung nicht ausschließen, darunter viele der Fälle, die Anfang 2016 in der US-Botschaft in Havanna ihren Ursprung hatten, berichtet NBC. Eine weitere Gruppe von Fällen werde als ungelöst betrachtet. Aber in Hunderten von anderen Fällen mit möglichen Symptomen habe die Behörde den Quellen zufolge plausible alternative Erklärungen gefunden.

"Die Vorstellung, dass die weit verbreiteten Symptome von Hirnverletzungen durch Russland oder eine andere ausländische Macht verursacht wurden, die Amerikaner auf der ganzen Welt ins Visier nimmt, um ihnen zu schaden oder um Informationen zu sammeln, wurde als unbegründet erachtet", schreibt NBC unter Berufung auf sechs mit der Angelegenheit vertraute CIA-Mitarbeiter.

Experten sind nach Angaben des Senders nicht überrascht, dass es für viele der jüngsten Fälle plausible Erklärungen gibt, die nichts mit möglichen feindlichen Handlungen zu tun haben. Als die Regierungsbehörden alle Mitarbeiter, die unter unerklärlichen Kopfschmerzen und Schwindelgefühlen litten, aufforderten, dies zu melden, sei es unvermeidlich gewesen, dass viele der Fälle nicht den Parametern entsprachen, die Ärzte bei den Diplomaten und Agenten, die Gehirnverletzungen erlitten hatten, festgestellt hatten.

Opfer von "Havanna-Syndrom" zeigen sich enttäuscht

Laut den Geheimdienstlern handle es sich um einen Zwischenbericht, der noch keine endgültigen Erkenntnisse liefere, melden die Zeitung und der Sender. "Obwohl wir zu wichtigen Zwischenergebnissen gekommen sind, sind wir noch nicht fertig", zitiert die "New York Times" CIA-Direktor William J. Burns. Betroffene des "Havanna-Syndroms" zeigten sich von dem CIA-Bericht enttäuscht. Eine Opfergruppe sagte dem Blatt, dass die Zwischenergebnisse des Geheimdienstes "nicht das letzte Wort in dieser Angelegenheit sein können und dürfen". Andere Opfer wiesen darauf hin, dass die Ergebnisse der CIA nicht mit anderen Behörden, einschließlich des Verteidigungsministeriums, abgestimmt worden seien. "Die CIA hat sich auf eigene Faust auf den Weg gemacht", zitiert NBC eine mit den Ergebnissen vertraute Person.

Die ersten Fälle des "Havanna-Syndroms" waren 2016 bei Diplomaten in der kubanischen Hauptstadt aufgetaucht. Dutzende kanadische und US-Diplomaten sowie deren Angehörige in Havanna litten unter Gesundheitsproblemen wie Benommenheit, Müdigkeit und Kopfschmerzen sowie Hör- und Sehproblemen. Die Angelegenheit kam erst ein Jahr später ans Licht, als der damalige US-Präsident Donald Trump als Reaktion auf die Vorfälle die meisten US-Diplomaten aus Havanna abberief.

Nach dem ersten Auftreten auf Kuba wurden Fälle aus China, Deutschland, Australien, Russland, Österreich, Kolumbien und sogar in Washington gemeldet. Die Behörden in Kanada und den USA hatten zunächst mysteriöse "Akustik-Attacken" als Ursache vermutet, hinter denen Russland stecken könnte. US-Außenminister Antony Blinken kündigte im November an, "Licht ins Dunkel" zu bringen. Er betraute zwei erfahrene Diplomaten mit dem Fall.

Quellen: NBC News, "New York Times", AFP


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