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Hintergrund: Spanairs erstes Unglück

20 Jahre lang war alles gut gegangen, doch jetzt hat die Fluglinie Spanair ihren ersten Unglücksfall. Hintergründe und Fakten zur Airline, zum Katastrophenflieger und zum Madrider Flughafen.

Spanair ist eine spanische Fluggesellschaft mit Firmensitz in Palma de Mallorca. Die 1986 gegründete Tochter der SAS Gruppe ist seit 2003 Mitglied des Verbundes Star Alliance, zu dem auch die Lufthansa zählt. Die Airline begann mit Charterflügen von mehr als 100 europäischen Flughäfen in spanische Feriengebiete. Die 1994 begonnenen Linienflüge machen nach Unternehmensangaben inzwischen 17 Prozent des Flugverkehrs aus. In Deutschland werden Frankfurt/Main und München angeflogen.

Durchschnittsalter von 13,5 Jahren

Zur Flotte der Gesellschaft zählen mehr als 20 Airbus A320- und A321-Maschinen sowie 23 Flugzeuge der MD-80-Reihe von McDonnell-Douglas. Das durchschnittliche Flottenalter beträgt 13,5 Jahre. Für das Jahr 2006 wurde das Passagieraufkommen mit 8,3 Millionen Fluggästen angegeben.

In ihrer 20-jährigen Unternehmensgeschichte musste die Spanair bis heute keinen Flugzeug-Totalverlust hinnehmen. Auch gab es bisher kein Todesopfer an Bord infolge eines Unfalles. Es gab lediglich einige minderschwere Zwischenfälle im Flugbetrieb, bei denen jedoch niemand ernsthaft verletzt wurde.

Spanair wollte Stellen streichen

Im vergangenen Monat hatte das in wirtschaftliche Turbulenzen geratene Unternehmen ein Sparprogramm angekündigt. Wegen gestiegener Treibstoffpreise und wachsender Konkurrenz soll fast jede Dritte der insgesamt 3800 Stellen im Unternehmen abgebaut werden. Zudem sei die Streichung mehrerer Strecken aus dem Flugplan vorgesehen.

Spanair ist ein Mitglied der Star Alliance, zu der auch die Lufthansa gehört. Die Fluglinie fliegt auch diverse Routen zu deutschen Flughäfen, teilweise in Kooperation mit Lufthansa. Dabei beherrschen drei Bündnisse von Fluggesellschaften den weltweiten Luftverkehr. Die Star Alliance ist das größte vor Skyteam und Oneworld. Das Netzwerk der Star Alliance wurde 1997 gegründet. Derzeit gehören ihm 24 Fluggesellschaften an, Spanair trat am 1. Mai 2003 bei. Mit nahezu 3300 Flugzeugen bietet der Verbund täglich etwa 18.000 Verbindungen zu 965 Flughäfen in 162 Ländern an. Jährlich werden nahezu 493 Millionen Reisende befördert, darunter jeweils mehr als 60 Millionen von der Lufthansa, United Airlines und US-Airways.

Codesharing ist Luftverkehrs-Alltag

Innerhalb der Luftverkehr-Allianzen ist das sogenannte Codesharing üblich. Dabei werden Anschlussverbindungen von zwei oder mehreren Airlines unter einer gemeinsamen Flugnummer ("code") ausgewiesen. Auf diese Weise können Fluggesellschaften ihr Streckennetz erheblich erweitern. Zudem werden Maschinen besser ausgelastet. Die am Mittwoch in Madrid verunglückte McDonnell Douglas MD-82 war unter den Flugnummern JK 5022 und LH 2554 registriert.

Von der Unglücksmaschine McDonnell Douglas MD-82 wurden insgesamt 1194 Exemplare gefertigt. 24 davon wurden bei Unglücken zerstört. Dabei kamen über 900 Menschen zu Tode. Das letzte Exemplar verließ im Dezember 1999 die Werkshallen in Long Beach, Kalifornien. Die jetzt verunglückten Maschine wurde im November 1993 gebaut und zunächst bei Korean Air flog. Im Juli 1999 erwarb Spanair die Maschine.

Spaniens größter Flughafen

Madrid-Barajas international Airport ist Spaniens größter Flughafen. Das Unglück ereignete sich auf der Startbahn 36L, die 4.350 Meter lang ist und zu den längsten Startbahnen Europas gehört. Insgesamt verfügt Barajas über 4 Start- und Landebahnen. Das letzte grosse Flugzeugunglück ereignete sich 1983 im Madrid, als zwei Maschinen bei Nebel uaf der Startbahn zusammenstiessen. Dabei kamen insgesamt 93 Menschen zu Tode.

ben/DPA / DPA