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Humanitäre Hilfe auf Sumatra Der Kampf gegen die Katastrophe


Hilfsorganisationen befürchten eine humanitäre Katastrophe auf Sumatra, zumal die Helfer kaum vorankommen. Die Nachrichten aus dem Erdbebengebiet fließen nur spärlich. Zufahrtsstraßen sind zerstört, das Telefonnetz ist zusammengebrochen.
Von Manuela Pfohl

Sie hatten keine Chance. Als um 8.52 Uhr morgens ein Erdbeben der Stärke 7,0 Padang erschütterte, standen die Bewohner der indonesischen Hafenstadt noch unter Schock. Erst am Abend zuvor hatte um 17.15 Uhr die Erde gebebt und große Teile der Stadt zerstört. Mindestens 770 Menschen verloren ihr Leben, Tausende wurden vermutlich von den Trümmern ihrer Häuser verschüttet. Wer konnte, war geflohen, alle anderen hatten die Nacht auf den Straßen verbracht. Ein Szenario des Grauens - und nun bebte die Erde schon wieder. "Wir machen uns sehr große Sorgen, was wir aus Padang hören, klingt nicht gut", meint Amelia Merrick von der Hilfsorganisation World Vision in Jakarta.

Schwere Schäden in der Stadt

Tatsächlich haben die beiden Beben schwere Schäden in der Stadt und den umliegenden Dörfern angerichtet. In Padang fielen unzählige Häuser und das Einkaufszentrum wie Streichholzschachteln um, Brücken brachen zusammen, auch das Hotel Ambacang, das etwa 20 Minuten vom Flughafen entfernt stand und in dem ausländische Touristen gern wohnten, wurde nach Angaben von Augenzeugen völlig zerstört. Es wird befürchtet, dass etwa 200 Gäste verschüttet wurden.

Laut Fabian Tritschler von Caritas sind im Zentrum der Stadt Padang 50 Prozent der Gebäude zerstört. Im nördlichen Teil sollen es nach Angaben des Katastrophen-Teams der Erzdiözese Padang sogar 80-100 Prozent sein. Tritschler: "Die Stadt ist flächendeckend zerstört. Das Ausmaß der Zerstörung wird mit jeder Stunde deutlicher." Doch noch gibt es keine umfassenden Informationen.

Die Nachrichten, aus dem Katastrophengebiet sind widersprüchlich und kommen spärlich. Denn auch das Elektrizitäts- und Telefonnetz funktionieren nicht mehr. Die Masten des wichtigsten Kommunikationsanbieters sind zusammengebrochen.

"Um die Kinder machen wir uns Sorgen"

"Was wir jetzt dringend brauchen, ist Hilfe für die Menschen vor Ort. Alles deutet auf eine große humanitäre Katastrophe hin", sagt Manuela Rossbach von der "Aktion Deutschland hilft" (ADH). Vor allem die Kinder müssten schnell betreut werden. "Neben körperlichen Verletzungen haben sie nach solch einer Katastrophe oft auch schwere seelische Probleme zu verarbeiten", weiß Silvia Holten von World Vision. Die Hilfsorganisationen sind überzeugt, dass die Überlebenden der Katastrophe ohne internationale Hilfe keine Chance haben. "In der Regel brauchen die Menschen dringend medizinische Versorgung, Wasser und etwas zu essen. Da viele Häuser zerstört sind, werden außerdem Zelte und Decken benötigt", erklärt Jimmy Nadapdap, World Vision-Direktor für Katastrophenvorsorge. 2750 Nothilfe-Pakete liegen bei der christliche Hilfsorganisation schon zur Verteilung bereit.

Schon unmittelbar nach dem zweiten Beben haben die Organisationen versucht, sich ein Bild vor Ort zu machen und Hilfslieferungen nach Padang zu bringen. Schwierig, wird das jedoch durch den Umstand, dass die wichtigste Verbindungsstraße, der Trans Sumatra Highway, gesperrt ist und viele Landwege durch das Beben zerstört oder von Erdrutschen verschüttet wurden. Nach Angaben von Caritas werden aber viele Opfer der Erdbeben auch im Umland von Padang vermutet. Dennoch sollen am späten Nachmittag die ersten Lieferungen bei den Menschen ankommen.

Ein Caritas-Team von indonesischen Psychologen und Psychiatern ist inzwischen von Jakarta nach Padang aufgebrochen, das den traumatisierten Erdbebenopfern beistehen soll. Das in Trauma-Hilfe ausgebildete Einsatz-Team war nach dem Erdbeben in Yogyakarta im Jahr 2006 gebildet worden.

Es handelt sich in Padang um das dritte schwere Erdbeben, das Indonesien innerhalb eines Monats trifft. Bereits am 2. September waren auf Java bei einem Erdbeben der Stärke 7,2 Dutzende Menschen ums Leben gekommen.


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