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Hurrikan "Katrina": New Orleans vor dem Sturm

New Orleans droht die schlimmste Naturkatastrophe seit Jahrzehnten: Hurrikan "Katrina" nähert sich der Stadt mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 257 Stundenkilometern. Aus Furcht vor dem Sturm werden die Einwohner evakuiert, auf den Ausfallstraßen herrscht das Chaos.

Nach schweren Verwüstungen in Südflorida bewegt sich der Hurrikan "Katrina" über den Golf von Mexiko auf den US-Staat Louisiana zu. Dort hat die Flucht vor dem Hurrikan begonnen: Aus Furcht vor "Katrina" ordnete Bürgermeister Ray Nagin am Sonntag die Evakuierung der 485.000-Einwohner-Stadt im US-Staat Louisiana an. "Dies ist ein einzigartiges Ereignis", sagte Nagin. Der Sturm gewann weiter an Kraft und entwickelte sich zu einem der stärksten Hurrikans, die je gemessen wurden.

Nagin warnte, er könnte am Montag mit einer Sturmflut von 8,5 Metern an Land gehen und das Vergnügungsviertel French Quarter überfluten. "Das ist eine Gefahr, der wir nie zuvor ausgesetzt waren," so Nagin. Das Auge des Sturmes könnte nach Computerberechnungen direkt über der Stadt im Bundesstaat Louisiana liegen. New Orleans liegt zu großen Teilen unter dem Meeresspiegel. Der Hurrikan bedroht einen weiten Teil der Küste am Golf von Mexiko. Es wird erwartet, dass er auch die Ölförderanlagen vor der Küste erfasst.

Tausende suchen Sicherheit im Landesinneren

"Die Stadt New Orleans ist noch nie direkt von einem Hurrikan dieser Stärke getroffen worden." Mit Windgeschwindigkeiten bis 282 Kilometern pro Stunde zog der Hurrikan auf Louisiana zu, Zehntausende flüchteten Richtung Norden. Obwohl die Ankunft des Wirbelsturms auf dem Festland erst für Montagabend MESZ erwartet wird, folgten bereits am Samstag tausende Menschen in niedrig gelegenen Küstenabschnitten dem Aufruf von Gouverneurin Kathleen Blanco, sich im Landesinnern in Sicherheit zu bringen. Das US-Fernsehen zeigte viele Kilometer lange Autoschlangen auf den Straßen. An Tankstellen gab es lange Wartezeiten.

Bereits in der Nacht zum Freitag hatte der Hurrikan in Südflorida schwere Überschwemmungen verursacht und neun Todesopfer gefordert. Am Samstag waren eine Million Einwohner noch immer ohne Strom, nachdem "Katrina" zahlreiche Leitungen heruntergerissen hatte.

Am Sonntagmorgen befand sich das Auge des Wirbelsturms etwa 600 Kilometer südöstlich der Mündung des Mississippi und bewegte sich mit elf Kilometern in der Stunde in westlicher Richtung. Der Sturm schwächte sich leicht ab und wurde mit einer Windgeschwindigkeit von 185 Kilometern in der Stunde als Hurrikan der Kategorie 3 eingestuft. Mittlerweile erreichte "Katrina" nach Angaben des Nationalen Hurrikan-Zentrums in Miami die höchste Stufe auf der Saffir-Simpson-Skala für Hurrikane. Ihre Winde erreichten Geschwindigkeiten von bis zu 284 Stundenkilometern. Der Kerndruck - ein Maßstab für die Intensität eines Sturms - schwächte sich auf 906 Millibar ab. Damit ist "Katrina" der zweitstärkste je gemessene Hurrikan.

Horrorszenario: Die Dämme brechen

"Es sieht nicht gut aus für den Südosten von Louisiana", sagte die Gouverneurin des US-Staates, Kathleen Blanco. "Dies ist der Sturm, den New Orleans seit vielen Jahren befürchtet hat", sagte Bürgermeister Ray Nagin. Im schlimmsten Fall könnten die Wellen über die Dämme brechen und die Stadt überfluten. Tausende Einwohner brachten sich am Samstag in Sicherheit und verließen New Orleans in Richtung Norden. Alle Spuren der Autobahnen in Louisiana und Mississippi wurden ausschließlich für den Verkehr in Richtung Norden eingerichtet. An vielen Tankstellen ging bereits am Samstagmittag das Benzin aus. Selbst in Jackson, 240 Kilometer nördlich von New Orleans, wurden die Hotelzimmer knapp. Auf den Ausfallstraßen von New Orleans, die zum Teil nur noch stadtauswärts befahren werden konnten, herrschte dichter Verkehr. Häuser wurden verbarrikadiert. Ladenbesitzer im French Quarter sicherten ihre Läden mit Sandsäcken. Touristen versuchten die wenigen noch verbliebenen Mietwagen zu ergattern.

"Wenn er diese Stärke beibehält, wäre er einer der zwei oder drei stärksten, die jemals dieses Land heimgesucht haben", sagte der Vize-Direktor des Hurrikan-Zentrums, Ed Rappaport. "Darüber hinaus gibt es für das betroffene Gebiet eine besondere Besorgnis: New Orleans liegt unter dem Meeresspiegel." Zuletzt lag "Katrina" knapp 300 Kilometer von der Mündung des Mississippi entfernt und kam mit einer Geschwindigkeit von 21 Stundenkilometern voran. Winde in Hurrikan-Stärke waren bereits in einer Entfernung von rund 170 Kilometern zu spüren.

Notstand für Louisiana

Wo genau "Katrina" auf das Festland treffen wird, lässt sich nach Angaben des Hurrikan-Zentrums aber allenfalls mehrere Stunden vor der Ankunft am Montag voraussagen. So liefen auch in den Küstenabschnitten von Mississippi und Alabama am Samstag die Schutzvorkehrungen auf Hochtouren: Ein nur kleiner östlicher Schwenk des Sturms würde sie zum Ziel machen. Hurrikans der Kategorie 4 können extreme Schäden anrichten und beispielsweise das Wasser bis zu zehn Kilometer ins Inland treiben, bei Stürmen der Kategorie 5 sind die Folgen noch schlimmer.

US-Präsident George W. Bush hat bereits den Notstand für Louisiana ausgerufen. "Wir werden alles tun, um den Menschen und den Gemeinschaften zu helfen, die von diesem Sturm betroffen sind", sagte Bush im texanischen Crawford. "Wir können gar nicht genug auf die Gefahr hinweisen, die von diesem Hurrikan für die Gemeinschaften an der Küste des Golfs ausgeht."

Auswirkungen auf Ölpreis befürchtet

Als "Katrina" über Florida gezogen war, waren Schäden in geschätzter Höhe von 600 Millionen bis zwei Milliarden Dollar entstanden. In den vergangenen Tagen war durch "Katrina" auch die Ölproduktion im Golf von Mexiko beeinträchtigt worden. Am Samstag ging die Förderung US-Ölgesellschaften zufolge um mehr als ein Drittel zurück. Dies dürfte sich kommende Woche auf die ohnehin schon sehr hohen Preise für Rohöl und Erdgas auswirken.

Zuletzt war im Jahr 1969 mit "Camille" ein Hurrikan der Stufe fünf über Alabama und Louisiana hinweggepeitscht. 400 Menschen kamen ums Leben. 1992 fegte "Andrew" ebenfalls mit Stärke fünf über Florida hinweg und hinterließ ein Bild der Verwüstung.

AP/DPA/Reuters / AP / DPA / Reuters