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Unruhen in Minneapolis: Polizist sprüht im Vorbeifahren Pfefferspray auf friedliche Demonstranten

Nach dem Tod des Schwarzen George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz kommen die USA nicht zur Ruhe. In mehreren Städten gab es Proteste und teils schwere Ausschreitungen - und auch die Polizei steht in der Kritik.

Video: Unruhen in den USA: Die Wut bricht sich Bahn

Der Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz hält die USA weiter in Atem. In mehreren US-Städten gingen am Donnerstag (Ortszeit) Menschen auf die Straße, um Polizeigewalt gegen Schwarze anzuprangern. Dabei kam es teils zu schweren Ausschreitungen. In Minneapolis im Bundesstaat Minnesota, wo Floyd am Montag bei seiner Festnahme durch vier weiße Polizeibeamte gestorben war, stürmten Demonstranten in der Nacht zu Freitag eine Polizeiwache und entzündeten dort Feuer.

"In unserer Stadt gibt es im Moment viel Schmerz und Wut. Ich verstehe das, unsere ganze Stadt erkennt das an", sagte Bürgermeister Jacob Frey bei einer Pressekonferenz in der Nacht zum Freitag. Die Plünderungen seien allerdings inakzeptabel.

Kritik an Polizeiaktionen in Minneapolis

Doch auch die Polizei muss sich Vorwürfe wegen ihres Vorgehens anhören. Bilder zeigten am Donnerstag, wie Einsatzkräfte in Minneapolis mit Tränengas, Pfefferspray und Schlagstöcken gegen Demonstranten vorgingen. Eine Kolumnistin der Tageszeitung "Star Tribune" aus Minneapolis, Jennifer Brooks, postete ein Video auf Twitter, das zeigt, wie ein Polizist, der in einer Kolonne von Fahrzeugen im Zentrum der Großstadt unterwegs ist, ohne erkennbaren Grund aus seinem Einsatzwagen heraus offenbar eine Ladung Pfefferspray auf - so weit ersichtlich - völlig friedlich demonstrierende Menschen sprüht.

"Nun, DAS war unangebracht", kommentierte Brooks den Clip. In einem zweiten Tweet schrieb die Journalistin: "Wenn mich jemand braucht, ich werde mir die Lungen aus dem Leib husten."

Einsatzkräfte nehmen CNN-Journalisten fest

Am frühen Freitagmorgen nahm die Polizei in Minneapolis dann ein Fernsehteam des US-Senders CNN fest, während dieses live über die Proteste berichtete. Auf Aufnahmen des Senders ist zu sehen, wie der schwarze CNN-Reporter Omar Jimenez mit Polizisten mit Helmen und Schlagstöcken spricht und dann in Handschellen abgeführt wird.

"Können Sie mir bitte sagen, warum ich festgenommen werde?", fragt Jimenez die Beamten. "Warum werde ich festgenommen, Sir?" Eine Antwort ist nicht zu hören. Zuvor hatte Jimenez den Einsatzkräften mehrfach angeboten, seinen Standort zu wechseln. "Wir können hingehen, wo Sie wollen", sagte er. "Wir sind gerade live."

Nach Angaben von CNN wurden neben Jimenez auch sein Kameramann und sein Produzent in Gewahrsam genommen. Ein weißer Reporter, der auch über die Proteste berichtet habe, sei dagegen nicht festgenommen worden.

Neues Video aufgetaucht: Drei statt nur einem Polizisten knieten auf George Floyd

Nach mehreren Stunden wurde Jimenez am Freitag wieder freigelassen und ging anschließend direkt wieder auf Sendung. CNN kritisierte seine Festnahme als Verstoß gegen die Pressefreiheit. Nach Angaben des Senders hat sich Minnesotas Gouverneur Tim Walz mittlerweile bei CNN entschuldigt.

US-Nationalgarde in Minneapolis eingetroffen

Angesichts der Unruhen haben mittlerweile 500 Angehörige der US-Nationalgarde in Minneapolis Stellung bezogen. Die Lage werde von ihnen sowohl am Boden als auch aus der Luft überwacht, erklärte die Reserveeinheit am Freitag. "Unsere Truppen sind dafür ausgebildet, Leben zu schützen, Eigentum zu bewahren und das Recht der Menschen auf friedliche Demonstrationen zu sichern."

Auslöser für die Proteste und Ausschreitungen in Minneapolis und anderen US-Städten war eine rund zehn Minuten lange Videoaufnahme der Festnahme von George Floyd am Montag. Darauf ist zu sehen, wie der weiße Polizist Derek C. sein Knie mehrere Minuten lang in den Nacken des am Boden liegenden und mit Handschellen gefesselten Afroamerikaners drückt, während dieser wiederholt um Hilfe fleht. "Ich kann nicht atmen", presst Floyd mehrfach hervor und ruft nach seiner Mutter, bevor er das Bewusstsein verliert. Wenig später wurde der 46-Jährige in einem nahen Krankenhaus für tot erklärt.

Fälle von tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze sorgen in den USA immer wieder für Empörung. Dazu trägt auch bei, dass derartige Übergriffe immer häufiger mit Smartphones gefilmt werden und so an die Öffentlichkeit gelangen.

Zuletzt hatte ein Handyvideo aus dem Bundesstaat Georgia für Aufsehen gesorgt. Es zeigt, wie der schwarze Jogger Ahmaud Arbery (25) von weißen Männern offenbar angegriffen und dann erschossen wird. Nach der Tat im Februar hatte es zwei Monate gedauert, bis es in dem Fall erste Festnahmen gab. Erst die Veröffentlichung eines Videos der Tat hatte die Ermittlungen in Gang gebracht.

Ein Mann steht in der Nacht vor einem brennenden Gebäude

Der aktuelle Fall in Minneapolis erinnert an den ebenso auf Video festgehaltenen Tod des Afroamerikaners Eric Garner. Der damals 43-Jährige wurde 2014 von New Yorker Polizisten zu Boden geworfen; sie drückten ihm die Luft ab, später starb er im Krankenhaus. Die letzten Worte, die Garner in seinem Leben von sich gab, waren die gleichen, die auch George Floyd hervorpresste: "I can't breathe" ("Ich kann nicht atmen"). Sie wurden zu einem Slogan der Bewegung "Black Lives Matter". Diese setzt sich für Gleichberechtigung von Schwarzen und Weißen in den USA und gegen Polizeigewalt ein.


mad