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Orkantief "Emma": Mehrere Tote und Millionenschäden

Mindestens acht Tote, viele Verletzte und Millionenschäden - das ist die Bilanz des Orkans "Emma". Feuerwehren und Polizei waren im Dauereinsatz: Der Sturm deckte Häuser ab, riss Bauzäune heraus, entwurzelte Bäume und führte zu Stromausfällen.

Mindestens zwei Menschen fielen dem Orkan in Deutschland zum Opfer, vier in Österreich. Ein 58 Jahre alter Mann wurde von einer über 30 Meter hohen Fichte in einem Auto bei Wissen im Westerwald erschlagen. Bei Oberpfaffenhofen in Bayern wurde ein Motorrollerfahrer von einer Böe erfasst und auf die Gegenfahrbahn gedrückt. Dort prallte er mit einem Lastwagen zusammen und starb. In Tschechien starben zwei Menschen durch den Sturm. Ein elfjähriges Mädchen starb in der Nähe von Prag. Sie wurde von einem umstürzenden Baum getroffen. Herumfliegende Metallteile erschlugen einen 80-jährigen Priester in Prag, wie die Nachrichtenagentur CTK meldete.

In Österreich kamen nach Angaben der Nachrichtenagentur APA drei Menschen ums Leben, als umgeknickte Bäume auf ihre Fahrzeuge krachten. Außerdem starb ein Urlauber - vermutlich ein Brite - in einem Taxi, das von einem Felsbrocken getroffen wurde. Nach Angaben des ORF soll das Unglück auch eine Folge des Sturms sein. Mehrere 10.000 Haushalte waren in Österreich ohne Strom. In Großbritannien wurden bereits am Freitagabend mindestens zwei Menschen durch Böen verletzt. In Ungarn wehte ein heftiger Windstoß einen Lastwagen von einer Autobahnbrücke, der Fahrer überlebte verletzt.

Umgestürzte Bäume auf Bahnschienen

Ein Reisebus mit Touristen kippte auf dem Weg zum Münchner Flughafen in eine Böschung. Sechs Insassen wurden verletzt, einer von ihnen schwer. In Rheinland-Pfalz kollidierten Autos mit umgestürzten Bäumen; drei Fahrer erlitten Blessuren. Eine Fichte verletzte eine Autofahrerin im Sauerland schwer. Beim Aufprall eines ICE-Zuges auf einen Baum in Brühl bei Bonn wurde der Zugführer verletzt. Passagiere kamen nicht zu Schaden. Der Sturm erreichte in Nordrhein-Westfalen Geschwindigkeiten bis 135 Stundenkilometer. Abgeknickte Bäume legten nach Bahnangaben die Strecken zwischen Dortmund und Hannover, Leipzig und Dresden, Münster und Osnabrück sowie zwischen Koblenz und Köln lahm.

Das örtliche Geschehen sei teilweise "dramatisch" gewesen, sagte Jörg Kachelmann vom Wetterdienst meteomedia. "Emma" sei aber "nicht so großflächig wie "Kyrill"". Der Deutsche Feuerwehrverband warnte weiterhin davor, Wälder an diesem Wochenende zu betreten. "Wir haben großes Glück gehabt, dass der Sturm auf einen Samstagmorgen fiel", sagte Helmut Malewski vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. An einem normalen Arbeitstag wären mehr Menschen unterwegs gewesen.

Dauereinsatz für Polizei und Feuerwehr in Bayern

"Wir sind von der Masse der eingehenden Meldungen geradezu erschlagen worden", hieß es bei der Nürnberger Polizei. Umgekippte Bäume, herumfliegende Gegenstände und Hagel behinderten den Verkehr auf Bundesstraßen und Autobahnen im Freistaat. Auch am Münchner Flughafen kam es zu Verspätungen. Zwischen München und Salzburg wurde der Bahnverkehr eingestellt. Im Ort Osterhofen-Altenmarkt knickte die Spitze eines Kirchturms ab. Von Millionenschäden sprach die Polizei im Landkreis Schweinfurt. Der Damen-Slalom beim alpinen Ski-Weltcup im Bayerischen Wald wurde abgesagt. Meteomedia meldete Windspitzen von 222 Stundenkilometern auf dem Wendelstein. In Franken und der Oberpfalz traten nach starken Regenfällen Flüsse über die Ufer.

In Teilen Baden-Württembergs hagelte es so heftig, dass der Streudienst anrücken musste. "Man konnte nicht mehr fahren", sagte ein Polizeisprecher. Die Katamaran-Bodenseefähren blieben im Hafen. Am Frankfurter Flughafen fielen rund 90 Flüge aus. In Südhessen löste das Unwetter zwei Erdrutsche aus. In Offenbach deckte ein Tornado Dächer ab. Entwurzelte Bäume kappten in mehreren Bundesländern die Stromleitungen - allein in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen waren zeitweise 16.00 Haushalte betroffen. In Nordrhein-Westfalen hielten sich die Schäden nach ersten Bilanzen in Grenzen. Der Sturm hat nach Angaben von Polizei und Feuerwehr deutlich weniger verheerend geblasen als "Kyrill" im Januar 2007. "Kyrill" hatte mit Geschwindigkeiten von bis zu 202 Kilometern pro Stunde eine Schneise der Verwüstung durch Europa geschlagen. 47 Menschen starben, 11 davon in Deutschland.

Aus Sorge vor einem zweiten Orkan "Kyrill" waren bereits am Freitag Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. Das für Samstag geplante Bundesligaspiel des FC Energie Cottbus gegen den VfB Stuttgart wurde abgesagt. Thomas Gottschalks Samstagabendshow "Wetten, dass..?" in Halle an der Saale musste von der Innenstadt auf das Messegelände verlegt werden.

DPA / DPA