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Proteste im Sudan Eine Frau auf einem Auto – dieses Foto könnte es in die Geschichtsbücher schaffen


Das Bild einer demonstrierenden Frau aus dem Sudan wird zum Symbol der Proteste. Vor allem die Kleidung der 22-Jährigen sagt viel über die Geschichte der Frauen in dem afrikanischen Land aus.

In einem wallenden weißen Oberteil steht sie auf dem Dach eines Autos, über den Köpfen von hunderten Menschen um sie herum. Die dunkelhäutige Frau mit den pechschwarzen Haaren animiert sie zu Sprechgesängen, ins Gesicht hat sie sich schwarze Streifen gemalt, an ihren Ohren leuchten goldene Ohrringe in die Dämmerung hinein. Wer diesen Auftritt nicht gerade mit dem Smartphone filmt, klatscht der jungen Frau Beifall.

Das Bild aus der sudanesischen Hauptstadt Khartum geht in den sozialen Medien gerade um die Welt – es wird zum Symbol der Proteste in dem afrikanischen Land. Aufgenommen hat es die Fotografin Lana Haroun am Montag, und die Frau, die mit diesem Foto zum Gesicht der Bewegung wird, heißt Alaa Salah.

Alaa Salah – das Gesicht der Proteste im Sudan

Salah ist 22 Jahre alt und studiert Ingenieurwesen und Architektur an der Universität in Khartoum, berichtet "Buzzfeed News". Ihr Auftritt bei den Protesten hat Aufsehen auf der ganzen Welt erregt, viele internationale Medien bis hin zur "Washington Post" berichteten darüber und lenkten damit auch die Aufmerksamkeit der Welt auf die Lage im Sudan. Seit Monaten gehen tausende Menschen in dem Land im Nordosten Afrikas auf die Straße, um gegen den seit 30 Jahren amtierenden Präsidenten Omar al-Baschir zu protestieren - seit dem Wochenende spitzen sich die Proteste in der Hauptstadt Khartum wieder zu.

Bilder wie das von Salah geben den Menschen in dem Land Hoffnung und wecken das Interesse der internationalen Öffentlichkeit. "Die Gegenwart ist weiblich", schreiben Unterstützer der Proteste auf Twitter unter ihr Foto, oder: "Dieses Bild wird man in den Geschichtsbüchern sehen." "sie hat allen Hoffnung und Energie gegeben", beschreibt die Fotografin Haroun gegenüber dem US-Fernsehsender CNN die Szene, "Sie repräsentiert und inspiriert alle sudanesischen Frauen und Mädchen." Besonders die weibliche Bevölkerung ist es, die im Sudan unter der Regierung leidet.

Ihre Kleidung erzählt eine besondere Geschichte

Die Szenerie an sich ist schon beeindruckend genug – in der Kleidung von Salah steckt aber die ganze Geschichte des Sudan. Was Menschen aus dem westlichen Kulturkreis normalerweise verborgen bleibt, hat die Bloggerin Hind Makki in einigen Tweets zusammengefasst. Das weiße Gewand tragen arbeitende Frauen in den Städten, erklärt Makki, es wird aber aus Baumwolle hergestellt – so verbindet es die Geschichte der arbeitstätigen Frauen in den Städten und auf dem Land. Die goldenen Mondohrringe verweisen auf eine Metapher, die in der arabischen Lyrik oft für die weibliche Schönheit verwendet werde. Ihr Aussehen erinnere so an die Frauen aus den Sechziger, Siebziger und Achtziger Jahren, die damals schon gegen die Regierung protestiert hätten.

Dieses Erbe könnte jetzt endlich späte Früchte tragen. Präsident al-Baschir gerät immer mehr unter Druck, noch versucht der Machthaber, der Proteste mit Gewalt Herr zu werden. Nach Angaben von Amnesty International sind seit Samstag mindestens neun Menschen getötet worden. Ein Verband sudanesischer Ärzte hatte zuvor von mindestens 21 Toten und mindestens 153 Verletzten gesprochen. Die USA, Großbritannien und Norwegen haben die Regierung bereits aufgefordert, den Weg für einen politischen Neuanfang zu ebnen. Ein Teil davon könnte auch Alaa Salah sein – die Bekanntheit dafür hat sie jetzt zumindest.

Quellen: "Buzzfeed News" / "Washington Post" / CNN / Hind Makki auf Twitter

Raphael Knipping
mit dpa

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