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Schiffsunglück der "Costa Concordia": Vermisste Passagierin seit drei Jahren tot

Am gekenterten Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" bereiten Experten das Abpumpen der rund 2.300 Tonnen Treibstoff vor. Unterdessen wurde bekannt, dass eine als vermisst gemeldete Passagierin bereits seit drei Jahren tot ist.

Das Abpumpen des Schweröls aus der "Costa Concordia" wird voraussichtlich nicht vor Samstag beginnen können. Das sagte Krisenstabsleiter Franco Gabrielli am Dienstag auf Giglio. Zuvor hatten an dem vor der Insel gekenterten Kreuzfahrtschiff die Vorbereitungen für die Aktion begonnen. Wenn sie abgeschlossen sind, soll rund um die Uhr gepumpt werden können. Insgesamt dürfte es rund vier Wochen dauern, ehe die geschätzten 2.300 Tonnen Treibstoff - darunter vor allem Schweröl - aus den Tanks der "Costa Concordia" entsorgt sind.

Inzwischen ist ein weiteres Todesopfer der Havarie identifiziert worden. Dabei handelt es sich nach Angaben der Präfektur von Grosseto um eine italienische Passagierin, deren Leiche in der vergangenen Woche auf dem Schiff gefunden worden war. 23 Menschen gelten als vermisst. 15 Tote wurden gefunden, 9 davon bereits identifiziert.

Nach gezielten Sprengungen am Morgen können Taucher ab sofort parallel auf Deck drei und vier suchen, wie ein Verantwortlicher der Feuerwehr berichtete. Die Arbeiten dürften in den nächsten Tagen ungehindert weitergehen können: Laut jüngsten Wetterprognosen dürfte der Wellengang den Einsatz nicht gefährden, meinte Gabrielli.

Falsche Vermisstenmeldung

Zuletzt entdeckte Flecken von Öl um das Schiff - nach Ansicht von Einsatzleiter Gabrielli nur ein "sehr dünner Film" - werden so schnell wie möglich von Spezialgerät der Küstenwache aufgesaugt.

Als falsch erwies sich am Montagabend eine Vermisstenmeldung aus Ungarn. Eine Familie hatte sich an die italienischen Behörden gewandt, weil eine Frau aus der Familie angeblich unangemeldet auf dem Kreuzfahrtschiff mitgereist war und sich nach dem Unfall nicht mehr gemeldet habe. Wie das Außenministerium in Budapest jedoch mitteilte, habe die Familie "die Daten einer vor drei Jahren gestorbenen Person missbraucht".

Da der Name der Frau nicht auf der Passagierliste stand, hatte es Spekulationen über eine ungewisse Zahl von blinden Passagieren auf der "Costa Concordia" gegeben. Der Kreuzfahrtanbieter Costa Crociere wies diesen Verdacht zurück. Alle Menschen an Bord müssten sich strengen Kontrollen unterziehen, sobald sie das Schiff betreten, teilte das Unternehmen mit. Dabei werde ein Foto gemacht, das mit einem Strichcode auf der Bordkarte kombiniert werde. Die Liste mit den Passagieren werde wiederum an die Firmen-Zentrale geleitet. Verstöße gegen diese Vorschriften würden mit "disziplinarischen Maßnahmen" geahndet.

kave/DPA / DPA