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Wetterkapriolen: Schnee in der Wüste

Während es im Norden Deutschlands schon wieder fast zu warm für diese Jahreszeit wird, spielt das Wetter in Südeuropa und Nordafrika verrückt. Zum ersten Mal seit 27 Jahren hat es in der Sahara geschneit.

DPA

Winterchaos in Südeuropa und Nordafrika: Zum ersten Mal seit 27 Jahren hat es am Wochenende in der algerischen Sahara wieder geschneit. In Spanien klagen Bauern über riesige Ernteausfälle. In einigen Regionen Italiens, Rumäniens und Bulgariens waren am Sonntag Bergdörfer eingeschneit, etliche Straßen gesperrt und der Strom teilweise ausgefallen. Zahlreiche Menschen erfroren oder starben bei wetterbedingten Unfällen. In Deutschland brach ein Achtjähriger in Kehl in das Eis auf dem Rhein ein und ertrank. Eiskalt war es fast im ganzen Land, sogar minus 39 Grad registrierte der Wetterdienst Meteomedia in der Nacht zum Samstag am 1600 Meter hoch gelegenen Funtensee in Bayern. Diese Woche soll es überall milder werden.

Mit Rodeln, Schlittschuhfahren und Spaziergängen im Schnee genossen die Deutschen am Sonntag die schöne Seite des Winters. So lockte ein strahlend blauer Himmel und Sonnenschein die Menschen auf den teilweise zugefrorenen Bodensee. Im Harz, in der Eifel und im Sauerland sausten Skifahrer die Pisten hinunter.

Kälte kostet im Süden mehrere Menschenleben

Die ungewöhnliche Kältewelle in Algerien drang bis in die Sahara vor. Eine dichte Schneeschicht bedecke den Boden in der Region um Ghardaia etwa 800 Kilometer südlich von Algier, berichteten algerische Medien am Samstag. Schnee und Frost verursachten seit einer Woche zahlreiche Unfälle, bei denen mindestens 20 Menschen starben.

Auch in Spanien starben bis Sonntag vier Menschen durch die Kälte. Im Nordosten des Landes, an der Mittelmeerküste und auf Mallorca sanken die Temperaturen erneut bis auf den Gefrierpunkt. Erst am Dienstag soll es wieder wärmer werden. Die Bauern klagen über Einbußen in Millionenhöhe. Entlang der Mittelmeerküste sei die Ernte zu 90 Prozent verloren. In den Pyrenäen mussten die Straßen von Frankreich nach Andorra immer wieder vom Schnee befreit werden.

Mehr als 50 Dörfer an der Grenze zwischen Griechenland und Albanien waren schon am Samstag nach starken Schneefällen von der Außenwelt abgeschnitten. Schneeverwehungen bis zu zwei Meter brachten im Nordosten Bulgariens den Verkehr praktisch zum Erliegen. In der Region Silistra wurde der Notstand ausgerufen, mehr als 20 Dörfer waren dort ohne Strom. Auch im Süden und Südosten Rumäniens saßen unzählige Autofahrer in Schneeverwehungen fest. Mehr als 24 Stunden lang hatte es dort ununterbrochen geschneit und gestürmt. Wegen des heftigen Schneesturms waren in beiden Ländern am Sonntag mehrere Schwarzmeerhäfen und Flughäfen geschlossen worden.

Italienische Regierung entschuldigt sich für Chaos

In Italien entschuldigte sich die Regierung offiziell bei hunderten Auto- und Lastwagenfahrern, die auf der Autobahn Salerno- Reggio Calabria drei Tage lang in den Schneemassen festsaßen. Erst am Samstag wurden die letzten Fahrer aus ihrer prekären Lage befreit. Am Sonntag verschob sich die Schneefront an die Adria und brachte dort ebenfalls den Zug- und Autoverkehr zeitweise zum Erliegen. Im Aostatal starb ein Wanderer durch eine Lawine. Meteorologen haben in einigen Teilen Österreichs die höchste Lawinenwarnstufe ausgerufen.

Während auf der Mittelmeerinsel Korsika ungewöhnliche heftige Schneefälle am Samstag den Flugverkehr behinderten, kämpften die Menschen auf Zypern mit einem ungewöhnlich feuchtwarmen Wetter. Bei Temperaturen um 19 Grad erschwerten zudem Staubpartikel aus der Sahara das Atmen. Starker Südwind treibe den Staub auf die Insel. Dieses Phänomen taucht Meteorologen zufolge normalerweise nur im Frühjahr auf, aber nicht im Winter.