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Wuhan-Grippe: USA fliegen wegen Coronavirus US-Bürger aus - Deutschland wartet ab

Rund 1000 Amerikaner befinden sich im chinesischen Wuhan - noch. Denn die US-Regierung will sie wegen des Coronaviruses nach San Francisco ausfliegen. Ab sofort ist der Handel mit Wildtieren verboten, Farmen wurden unter Quarantäne gestellt.

Coronavirus-Toter in Shanghai

In der Metropole Shanghai hat es den ersten Coronavirus-Toten gegeben

AFP

Die rasante Ausbreitung des neuartigen Coronavirus hat nicht nur China zu massiven Maßnahmen veranlasst: Das US-Außenministerium kündigte an, US-Bürger aus der Millionenstadt Wuhan auszufliegen, in dem das Virus zuerst aufgetreten war. Ziel für das Behördenpersonal und weitere Staatsbürger sei San Francisco, teilte das Ministerium mit. Für Privatpersonen gebe es nur "begrenzte Kapazitäten", schränkte die Behörde ein. Vorrang hätten Menschen, die durch den Krankheitserreger "stärker gefährdet" sind. Rund 1000 US-Bürger sollen sich nach Angaben des "Wall Street Journals" in Wuhan aufhalten. Auch Frankreich plant per Bus eine Evakuierungsaktion seiner Bürger aus der Hubei-Provinz.

Dagegen ist eineEvakuierung deutscher Staatsbürger vorerst nicht geplant. Aus Regierungskreisen in Berlin verlautete, das Auswärtige Amt stehe in engem Kontakt mit den Betroffenen und mit Partnerorganisationen vor Ort, wie mit der Situation umzugehen sei. Demnach leben in der Region etwa 100 deutsche Staatsangehörige mit ständigem Wohnsitz, die in der Krisenvorsorgeliste des Amtes registriert sind. In diese Liste können Deutsche sich freiwillig eintragen lassen.

Erster Coronavirus-Toter in Shanghai

Aus Chinas Finanzmetropole Shanghai wurde unterdessen ein erster Todesfall von den Behörden gemeldet. Bisher seien insgesamt 40 Fälle der Atemwegserkrankung in der Millionenstadt bestätigt worden. Die Zahl der Toten in der Volksrepublik stieg auf insgesamt 56, rund 2000 Menschen seien laut Behörden landesweit infiziert.

Coronavirus in China

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie wurden deshalb nochmals verschärft: Nachdem bereits der Verkehr in 18 Städten in der am stärksten von dem Virusausbruch betroffenen Provinz Hubei in Zentralchina eingestellt wurde und mehr als 56 Millionen Menschen de facto unter Quarantäne stehen, wurde auch der Verkehr in Shantou im Süden des Landes eingeschränkt.

Hinter der Absperrung stauen sich die Autos

Wuhan, das als erste chinesische Stadt wegen des Erregers 2019-nCoV unter Quarantäne gestellt worden war, wirkte am Samstag, dem chinesischen Neujahrstag, wie ausgestorben. Die wenigen Passanten, die zu sehen waren, trugen wie von den Behörden angeordnet Atemschutzmasken. Rund 20 Kilometer östlich des Stadtzentrums stauten sich an einer Autobahnsperre die Fahrzeuge. "Niemand kann hinaus", sagte ein Polizist der Nachrichtenagentur AFP.

In der Stadt sollen auch in kürzester Zeit zwei Spezial-Kliniken zur Behandlung von Coronavirus-Patienten entstehen: Mit dem Bau eines Krankenhauses, das am 3. Februar in Betrieb gehen und tausend Betten umfassen soll, wurde bereits begonnen. Am Samstag kündigten die Behörden den Bau einer weiteren Klinik mit 1300 Betten binnen 14 Tagen an.

Drei Großstädte, darunter die Hauptstadt Peking und die Millionenstädte Tianjin und Xian, kappen die Verbindungen von Langstreckenbussen. Wie die nationale Gesundheitsbehörde mitteilte, werden im gesamten öffentlichen Verkehr in China Fieber-Messstationen eingerichtet. Passagiere mit Verdacht auf eine Infektion müssten "sofort" in eine medizinische Einrichtung gebracht werden. Hongkong rief unterdessen den Notstand aus. Auch das Disneyland in der Metropole wird bis auf weiteres geschlossen bleiben, kündigte der Betreiber an.

Handel mit Wildtieren untersagt

Aus Sorge vor der Krankheit will die Zentralregierung in Peking auch alle Gruppenreisen im In- und ins Ausland untersagen. Von Montag an würden sämtliche Gruppentouren chinesischer Reiseagenturen ins Ausland ausgesetzt, berichtete der Staatssender CCTV. Auch der Handel mit Wildtieren ist bis auf Weiteres verboten worden. Da vermutet wird, dass das Virus von wilden Tieren auf den Menschen übertragen wurde, ordneten die Marktbehörden an, alle Zuchtfarmen unter Quarantäne zu stellen. Alle Plattformen - von Frischmärkten über Supermärkte und Restaurants bis hin zu Online-Geschäften - müssten den Verkauf einstellen.

Aus anderen Ländern wurden zuletzt einzelne Infektionsfälle gemeldet, darunter aus Thailand, Japan, Südkorea, Taiwan, Vietnam, Kanada und den USA. Inzwischen hat das Virus, das aus derelben Erregerfamilie wie das tödliche Sars-Virus stammt, auch erstmals Europa erreicht: In Frankreich wurde das Virus am Freitag bei drei Patienten nachgewiesen. Gesundheitspolitiker warnten auch vor möglichen Fällen in Deutschland. "Wichtig ist, dass deutsche Kliniken sich bereits jetzt darauf vorbereiten, solche Patienten behandeln zu können", sagte der Vorsitzende des Bundestags-Gesundheitsausschusses, Erwin Rüdel (CDU).

nik/AFP/DPA