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Wetter-Prognose Wetterdienst rechnet mit "Entspannung" – doch Lage bleibt in vielen Gebieten kritisch

Mann blickt auf Hochwasser
Ein Mann blickt in Insul zu seinem Elternhaus auf der anderen Flussseite. Da das Handynetz zusammengebrochen und die Brücke weggerissen wurde, weiß er nicht, ob sie noch leben.
© Boris Roessler / DPA
In vielen Teilen Deutschlands klingt der Starkregen allmählich ab. Am Wochenende wird deutlich besseres Wetter erwartet. Doch besonders in den Flussregionen im Rheinland bleibt die Lage weiter kritisch.

Die gute Nachricht ist, im Westen Deutschlands lässt der Starkregen allmählich nach. Die Regenfälle ziehen jetzt vermehrt in den Südwesten und gen Süden. Die Schlechte ist: Es hat sich längst viel zu viel Wasser in den Flüssen angesammelt.

Fest steht, sowohl in Nordrhein-Westfalen als auch in Rheinland-Pfalz bleibt die Lage angespannt. Nach dem Abklingen des Starkregens kämpfen Feuerwehr und andere Einsatzkräfte an vielen Orten mit der sich verschärfenden Hochwasserlage. Das Sturmtief "Bernd" mit Schauern, Gewittern und örtlichen Unwettern werde große Teile des Landes wohl auch am Freitag noch fest im Griff haben, warnte der Deutschen Wetterdienst (DWD) am Donnerstag in Offenbach. Dafür sorge das Hoch "Dana" zum Wochenende hin für unwetterfreies Sommerwetter.

Wetterdienst rechnet insgesamt mit "Entspannung"

Der DWD-Meteorologe Marco Manitta rechnet am Donnerstag mit "einer Entspannung der Wetterlage". Zwar könne es weiterhin "punktuellen Starkregen" geben, dieser sei aber nicht mehr so verbreitet wie in der vergangenen Nacht, sagte Manitta der Deutschen Presse-Agentur. "Das Unwetterpotenzial sinkt deutlich."

In den vom Hochwasser besonders betroffenen Regionen deute sich bereits eine "gewisse Entspannung" an. Tagsüber hielten sich die Niederschläge meist in Grenzen. Am Donnerstagabend und in der Nacht zum Freitag könne es örtlich allerdings noch einmal zu Starkregen mit Niederschlagsmengen um 25 Liter pro Quadratmeter kommen.

Am Wochenende gelange dann "zunehmend stabilere und trockenere Luft" nach Deutschland. Mit der Verdrängung des Sturmtiefs ziehen die Regenfälle laut DWD-Prognose weiter in die Südosthälfte Deutschlands. An den Alpen sei dafür bis Sonntagabend eine "Dauerregenlage" möglich. Ab Anfang kommender Woche mache sich das Hochdruckgebiet "Dana" dafür auch im Süden bemerkbar.

Lage an den Flüssen bleibt schwierig

Von einer "Beruhigung der Wetterlage" spricht auch der Meteorologe Karsten Brandt. Im Gespräch mit "Bild Live" warnt er jedoch, "das Wasser ist ja da". Das seien jetzt die mittelgroßen Flüsse, die über die Ufer treten würden, sagt der Wetter-Experte und nennt als Beispiele den Main, die Mosel und die Ruhr. "Diese treten jetzt über die Ufer und dann kommt das Hochwasser am Rhein an", so Brandt. 

In Rheinland-Pfalz teilt man die Warnung des Meteorologen. Der Wasserstand der Mosel wird Vorhersagen zufolge im Laufe des Tages zunächst weiter steigen. Die Hochwasservorhersagezentrale des rheinland-pfälzischen Landesumweltamtes rechnet erst für den späten Nachmittag mit einer Entspannung. "Zahlreiche Zufluss-Pegel verzeichnen bereits jetzt historische Höchststände", teilte die Behörde mit.

Am Pegel Trier sei die Meldehöhe von sechs Metern am Mittwochabend überschritten worden und der Wasserstand steige weiterhin stark an. "Zum Nachmittag hin ist ein Anstieg der Wasserstände bis in den Bereich um 940 cm möglich", teilte die Zentrale am Vormittag mit. "Anschließend werden die Pegelstände fallen."

Auch in der Sauer stiegen die Wasserstände weiter an. Die Experten rechnen damit, dass am Mittag ein Höchststand von 6,10 bis 6,20 Meter erreicht wird. "Anschließend werden auch hier fallende Wasserstände vorhergesagt." An zahlreichen Eifel- sowie Sauer-Zuflüssen seien die Wasserstände in der vergangenen Nacht extrem gestiegen und hätten historische Höchststände erreicht. Das Umwelt- und Klimaschutzministerium bietet online eine landesweite Starkregengefahrenkarte an.

Rhein steigt weiter an

Für die Abendstunden rechnet das rheinland-pfälzische Umweltministerium infolge des Moselhochwassers mit einem weiteren Pegelanstieg des Rheins. Aufgrund der für den Südwesten Deutschlands vorhergesagten Niederschläge werde nach einem leichten Rückgang ein Wiederanstieg erwartet, teilte das Ministerium in Mainz mit.

Der Scheitel in Koblenz werde ab Freitagnachmittag im Bereich von 6,60 Meter bis 7,00 Meter erwartet. Die Hochwasser-Meldehöhe beträgt in Koblenz 4,50 Meter – sie wurde am Mittwochnachmittag überschritten. Am Pegel Mainz wird die dortige Meldehöhe von 5,50 Meter der Prognose zufolge am Freitagnachmittag geknackt - mit steigender Tendenz. Der Scheitel werde zum Ende des Wochenendes erwartet.

Die größten Niederschlagsmengen gab es dem DWD-Wetterexperten Manitta zufolge in einem breiten Streifen vom Sauerland über das Bergische Land und die Eifel, den Großraum Köln/Bonn bis zur Grenze nach Luxemburg. Spitzenreiter war Rheinbach-Todenfeld (Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen) mit 158 Millimeter Wasser im Messzeitraum 24 Stunden – wobei das meiste davon in kürzerem Zeitraum vom Himmel fiel, wie der Experte erklärte. Danach folgte Köln-Stammheim mit 154 Millimetern.

Meteorologe Karsten Brandt ist sich sicher: "Das wird das Thema in den nächsten Tagen, am Wochenende und bis in die nächste Woche hinein sein."

Quellen:DWD, "Bild Live", mit DPA

les DPA

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