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Umweltkatastrophe Einsatzkräfte 196 Tonnen verendeter Fische aus der Oder – Experten stellen überhöhte Pestizid-Werte fest

Mysteriöses Fischsterben in der Oder
Eine Mitarbeiterin vom Nationalpark Unteres Odertal holt mit Schutzbekleidung tote Fische aus dem deutsch-polnischen Grenzfluss Westoder, nahe dem Abzweig vom Hauptfluss Oder
© Patrick Pleul / DPA
Warum so viele Fische in der Oder verendeten, ist immer noch unklar. Wissenschaftler gehen von einer bestimmten Algenart als Ursache aus. Unterdessen wurden aber erhöhte Pestizidwerte in dem Fluss ermittelt.

Anderthalb Wochen nach Bekanntwerden des Fischsterbens in der Oder wird das Ausmaß der Umweltkatastrophe immer deutlicher. Die Feuerwehr in Polen barg nach Angaben vom Samstag bislang fast 160 Tonnen toter Fische aus der Oder und einem kleineren Fluss. In Brandenburg waren es nach einer früheren Mitteilung des Umweltministeriums mindestens 36 Tonnen. Bei der Suche nach der Ursache haben die Behörden überhöhte Pestizid-Werte gewiesen. Weshalb die Fische verendeten, ist aber noch unklar.

Bei Proben, die an der Messstelle Frankfurt (Oder) in der Zeit vom 7. bis 9. August entnommen wurden, seien hohe Konzentrationen eines Pestizids mit dem Wirkstoff 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure gefunden worden, teilte Brandenburgs Umweltministerium mit. Es sei aber davon auszugehen, dass die nachgewiesene Dosis nicht unmittelbar tödlich für Fische gewesen sei. Der Wirkstoff wird etwa zur Bekämpfung von Unkraut eingesetzt. Der "Tagesspiegel" berichtete zuerst darüber.

Das Ministerium geht weiter davon aus, dass die Umweltkatastrophe mehrere Ursachen gehabt habe. Die überhöhte Konzentration des Pestizids über mehrere Tage habe sicherlich Auswirkungen auf Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen gehabt. Möglicherweise sei das Pestizid am Oberlauf der Oder in noch höheren Konzentrationen vorhanden und am Messpunkt Frankfurt (Oder) bereits stark verdünnt gewesen.

Tote Fische werden verbrannt – Wissenschaftler halten Algen für Ursache

Das massenhafte Fischsterben im Grenzfluss Oder wurde auf deutscher Seite am 9. August bekannt. Die Behörden in Deutschland warfen Polen zuletzt vor, zu spät informiert zu haben. Helfer in beiden Ländern haben in den vergangenen Tagen tonnenweise verendeten Fisch geborgen. Die Suche nach der Ursache gestaltet sich schwierig. Wissenschaftlern zufolge könnte eine giftige Algenart ein Faktor für das Fischsterben sein. Darüber hinaus werden verschiedene andere Stoffe untersucht.

Wie eine Sprecherin der Feuerwehr-Hauptverwaltung in Polen am Samstag der Deutschen Presse-Agentur sagte, sind insgesamt 158 Tonnen Fisch eingesammelt worden. Der Großteil entfalle dabei auf die Oder. Bei dem kleinen Fluss, in dem ebenfalls tote Tiere entdeckt wurden handelt es sich um den Ner, der bei Lodz entspringt und in die Warthe mündet. Er hat keine Verbindung zur Oder.

Zur Verbrennung angemeldet wurden laut Brandenburger Umweltministerium bis zum vergangenen Donnerstag sogar 67 Tonnen Fischabfälle. Diese Angaben machte Sprecherin Frauke Zelt am Samstag auf Anfrage. Die Zahl bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass bereits so viele Fische eingesammelt wurden.

Mecklenburg-Vorpommern hatte am Freitag mitgeteilt, dass bei Untersuchungen von Proben im deutschen Teil des Stettiner Haffs, in das die Oder mündet, keine Auffälligkeiten festgestellt worden seien.

Initiative macht auf Fischsterben aufmerksam

Indes will in Brandenburg eine neue Bürgerinitiative auf das Fischsterben aufmerksam machen. Am Samstagabend werde der Fluss am Ufer des Dorfes Kienitz als Warnzeichen mit Scheinwerfern rot angestrahlt, sagte Sprecherin Steffi Bartel. "Wir wollen den Menschen an der Oder damit auch ein Forum geben, ihre Ängste und Sorgen angesichts dieser Umweltkatastrophe auszusprechen." Für den 4. September rief die Initiative zu einer Menschenkette an der Oder auf.

cl DPA

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