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Katastrophe in Japan: Was die Menschen jetzt wissen wollen

Die Lage in Japan bleibt dramatisch. Auch in Deutschland haben die Menschen Angst. stern.de beantwortet weitere Fragen der User.

Von Lea Wolz

Wie lange bräuchte eine atomare Wolke, um die rund 9000 Kilometer von Japan nach Deutschland zurückzulegen?

"Genau ist das nur schwer vorhersagbar", sagt der Meteorologe Christian Herold vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Käme es zur Katastrophe und würde sich eine radioaktive Wolke bilden, könnte uns diese in zwei bis vier Wochen erreichen. "Sie müsste allerdings einen extrem langen Weg über die USA und dann über den Atlantik zurücklegen", sagt Herold. Eine andere Route, zum Beispiel über Russland, sei extrem unwahrscheinlich. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) gibt Entwarnung für Deutschland: Die Konzentration radioaktiver Stoffe sei nach ihrem Weg bis nach Deutschland bereits so weit verdünnt, dass keine Gefahr für Menschen mehr bestehen würde. Denn die Wolke kann über dem Pazifik durch Regen oder Schnee ausgewaschen werden. Nach derzeitiger Einschätzung des BfS sind daher selbst im ungünstigsten Fall für Europa lediglich geringfügige Auswirkungen zu erwarten.
Diese Frage stellte Norma K.-M.

Wie lange sind heruntergefahrene Atomkraftwerke in Japan eigentlich noch gefährlich?

Das kommt ganz darauf an, wie die kommenden Stunden und Tage verlaufen. "Dass die AKW in Japan heruntergefahren sind, bedeutet im Prinzip erst einmal, dass dort keine Kernspaltungen mehr stattfinden", sagt Hans-Josef Allelein, Institutsleiter der Abteilung Reaktorsicherheit am Forschungszentrum Jülich. Was dort Probleme bereite, sei die Nachwärme, die durch den natürlichen Zerfall der im Reaktor gebildeten radioaktiven Spaltprodukte entstehe. "Werden die Brennstäbe kontinuierlich gekühlt, klingt diese Nachwärme zwar relativ schnell ab, bleibt aber auch auf einem gewissen Niveau", sagt er. "Wenn, wie in Fukushima, die Kühlung versagt, kann die Wärme nicht abgeführt werden, und die Reaktorkerne heizen sich auf." Sind Temperaturen über 1200 Grad erreicht, brechen die Brennstäbe auf. "So gelangen immer mehr Spaltprodukte nach außen", sagt Allelein. "Je heißer, desto größer ist die Menge an radioaktiven Partikeln, die freigesetzt wird." Bei Temperaturen über 2000 Grad beginnen die Kernbrennstoffe irgendwann zu schmelzen. Man müsse daher unbedingt versuchen, den Kern zu kühlen. "Wenn dies kontinuierlich gelingt, hat man in vier bis sechs Stunden ein Niveau erreicht, wo man die Sache im Griff hätte", so Allelein.
Diese Frage stellte Dierk Z. aus Hamburg

Was passiert im Fall des Super-GAU, kann man eine Stadt wie Tokio überhaupt evakuieren?

"Nein, das ist logistisch nicht leistbar", sagt Gerold Reichenbach, Vorsitzender des Deutschen Komitees Katastrophenvorsorge. 35 Millionen Menschen leben im Großraum Tokio, sie alle in kurzen Zeiträumen aus dem Ballungszentrum zu evakuieren, dafür seien schon allein die Straßen nicht ausgelegt. Zum Vergleich: In Tschernobyl habe man nach der Atomkatastrophe 350.000 Menschen aus der Großregion und einzelnen Dörfern über einen längeren Zeitraum evakuiert. "Diesmal wären es hundert Mal so viele", sagt der Katastrophenschutz-Experte. Ein weiteres Problem: "Die Menschen müssen auch irgendwo untergebracht werden", sagt Reichenbach. Es reiche nicht, sie aus Tokio zu lotsen, auch Unterkünfte, Auffanglager, Altenheime und Krankenhäuser müssten bereitstehen. "Das ist eine riesige logistische Aufgabe." Reichenbach zufolge ist lediglich eine Teilevakuierung einzelner, besonders betroffener Stadtteile möglich. "Die entscheidende Frage dabei ist, ob es den Behörden gelingt, das Vertrauen der Bevölkerung aufrecht zu erhalten", sagt er. Die Betroffenen müssten immer das Gefühl haben, offen und zuverlässig informiert zu werden. "Sonst kann eine schlechte Krisenkommunikation die Katastrophe in der Katastrophe auslösen." Beispiel New Orleans 2005: Nach dem Hurrikan Katrina seien damals 1,2 Millionen Menschen aus der Stadt evakuiert worden. Doch das Herausbringen verlief alles andere als friedlich: Es kam zu Plünderungen und teils tödlicher Gewalt.
Diese Frage stellte Susanne aus Dresden

Strahlt das AKW ewig weiter? Wird es einbetoniert wie in Tschernobyl?

"In den ersten Monaten und Jahren nach dem Unfall wird die Radioaktivität durch den Zerfall kurzlebiger radioaktiver Stoffe stark abnehmen", sagt der Reaktorexperte Hans-Josef Allelein. Andererseits sind auch radioaktive Partikel wie Cäsium 137 mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren in die Luft gelangt. Auch Plutonium 239, das aus dem Fukushima-Reaktor ausgetreten sein könnte, verschwindet sehr langsam. Bis die Hälfte der Atomkerne zerfallen ist, dauert es um die 24.000 Jahre. "Selbst bei einem kontrollierten Rückbau des Kernkraftwerkes müssen wir daher Vorkehrungen an den Stellen treffen, an denen einmal Radioaktivität war", sagt Allelein. "Gelingt es nicht mehr, eine Kühlung in Fukushima herzustellen, gelangen viele radioaktive Stoffe ungeschützt in die Umwelt." Die Folgen: Das Gebiet um den Reaktor werde verseucht und müsste für Jahrzehnte gesperrt werden, vermutet der Reaktorexperte. Ob es erforderlich sein werde, die Reaktorblöcke wie in Tschernobyl mit einem Schutzmantel aus Beton zu umgeben, ist ihm zufolge noch nicht absehbar. "Ziel ist es, die verbliebenen radioaktiven Stoffe langfristig sicher in der Anlage zurückzuhalten. Beton wäre als Material sicher die erste Wahl, welche bauliche Lösung hierfür optimal ist, übersteigt allerdings meine Phantasie", sagt Allelein. "Ich befürchte, dieses Problem wird uns noch jahrelang beschäftigen."
Diese Frage stellte Frank Sch.

Wie kann die Katastrophe in Japan in besten Fall ausgehen?

"Im besten Fall gelingt es, in alle Anlagen Wasser einzubringen und so die Brennstäbe kontinuierlich und ausreichend zu kühlen", sagt der Experte für Reaktorsicherheit, Hans-Josef Allelein. In diesem Fall würden die Reaktorgefäße nicht zerstört und die Kernschmelze könnte angehalten werden. Ob dies noch möglich ist, darüber will Allelein nicht spekulieren. "Es dürfte aber sehr schwierig werden", sagt er. Radioaktive Stoffe wurden allerdings schon jetzt freigesetzt. Messungen im Umkreis von Fukushima müssen Allelein zufolge zeigen, ob dieses Gebiet langfristig zu einer Sperrzone werden wird.
Diese Frage stellte Kevin Sch.

Wie verschwindet Radioaktivität in der Umwelt wieder?

Radioaktivität bedeutet Kernzerfall. Das heißt, die Radioaktivität verschwindet nicht, sondern nimmt mit der Zeit ab - bis sie nicht mehr messbar ist. „Wie schnell das geschieht, hängt von der Halbwertszeit des jeweiligen Stoffes ab“, sagt Andreas Wöhr, Leiter der Radioaktivitätsmessstelle und Strahlenschutzbeauftragter der Universität Saarland. Diese kann sehr unterschiedlich sein, wie man an den beiden wichtigsten Stoffen sehen kann, die im Zusammenhang mit dem Unfall in Japan diskutiert werden. „Bei dem radioaktiven Isotop Jod-131 liegt die physikalische Halbwertszeit bei acht Tagen. Das heißt, nach acht Tagen ist die Hälfte nicht mehr vorhanden, weitere acht Tage später ist die Radioaktivität dann auf ein Viertel des einstigen Wertes gesunken." Besonders problematisch ist es, wenn ein Stoff eine besonders lange Halbwertszeit hat, weil er dann lange im Umlauf bleibt: Bei Cäsium-137, das im AKW Fukushima auch freigesetzt wurde, liegt sie bei 30 Jahren.
Diese Frage stellte Thorsten M.

Wenn eine Atombombe explodiert, kommt es zu einem Elektromagnetischen Impuls, der elektrische Geräte ausfallen lassen kann. Ist dies bei einem Atomkraftwerke auch möglich? Und könnte es dadurch weltweit zu einem totalen Stromausfall kommen?

Nein, sagt Hans-Josef Allelein, Professor am Lehrstuhl für Reaktorsicherheit und -technik an der RWTH Aachen. Die Auslösung eines Elektromagnetischen Impulses sei ein spezifisches Phänomen, das eintrete, wenn enorm viel Energie bei einer Atombombenexplosion freigesetzt werde. Dies sei selbst bei schlimmstmöglichen Reaktorkatastrophen niemals möglich. "In Fukushima läuft außerdem keine Kernspaltung mehr ab", sagt der Experte für Reaktorsicherheit. Es bestehe daher keine Gefahr, dass es durch eine Explosion in einem Kernkraftwerk zu einem weltweiten Stromausfall kommen könnte.
Diese Frage stellte Ulrike W. aus Brüssel

Ich arbeite bei einer großen Airline und habe eine Frage zu Flügen nach Japan. Wie sicher ist es, sich derzeit in Osaka oder Nagoya aufzuhalten? Ich habe eine Schilddrüsenunterfunktion und nehme L-Thyroxin 75. Bin ich dadurch gefährdeter, wenn ich Strahlung ausgesetzt bin?

"Nach derzeitigem Stand wurden in der südjapanischen Region noch keine erhöhten Werte an radioaktivem Jod in der Luft gemessen. Von daher besteht keine Gefährdung", sagt Thomas Jung, Leiter der Strahlenwirkungen und Strahlenrisiko beim BfS. Anders sei es im Raum Tokio, wo bereits leicht erhöhte Werte für Jod-131 festgestellt wurden. Für Menschen mit einer Schilddrüsenerkrankung wäre eine höhere Belastung durch radioaktives Jod dann relevant, wenn die Behörden empfehlen würden, vorsorglich Jodtabletten einzunehmen. "Bei einer entsprechenden Vorerkrankung sollte eine solche Einnahme aber nicht eigenständig, sondern stets unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, weil es dadurch zu Entgleisungen der Schilddrüse kommen kann", sagt Jung.
Die Frage stellte Inga aus Frankfurt

Mitarbeit: Sonja Popovic

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(