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Start des deutschen Raumfahrzeugs "Shefex II" Die Raumfahrt zeigt Kante


Testflug unter Extrembedingungen: Mit elffacher Schallgeschwindigkeit soll das Raumfahrzeug "Shefex II" am Freitagabend in die Atmosphäre eintreten. Klappt alles, könnte die Raumfahrt schon bald eckiger werden.

Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) wollen am Freitagabend das scharfkantige Raumfahrzeug "Shefex II" in der Praxis testen. Zuvor hatte schlechtes Wetter den Start mehrfach verhindert. Experimente etwa zu Hitze und Druck sollen Aufschluss bringen, wie Flugkörper künftig sicher und kostengünstig in die Erdatmosphäre geholt werden können. "Wir haben bestehende Technologien mit neuen Ideen gemixt", sagte Hendrik Weihs vom federführenden DLR-Institut für Bauweisen- und Konstruktionsforschung in Stuttgart. Ursprünglich sollte die Rakete am Mittwoch starten, doch aufgrund des schlechten Wetters musste der Testflug verschoben werden. "Wetterbedingt wird es jetzt nicht vor Donnerstag zum Start kommen", teilte eine Sprecherin des DLR mit.

Von der norwegischen Raketenbasis Andøya schießen die Forscher das samt Rakete 12,6 Meter hohe Modul gut 250 Kilometer ins All. Nach etwa zehn Minuten soll es am Fallschirm nahe Spitzbergen landen. Wenn alles wie geplant klappt, wird das Raumfahrzeug mit elffacher Schallgeschwindigkeit von mehr als 12.000 Kilometern pro Stunde in die Atmosphäre eintreten. Diese Phase dauert etwa 45 bis 60 Sekunden, die Temperatur steigt Weihs zufolge an den Kanten auf bis zu 2500 Grad Celsius. Beim Flug wird "Shefex II" kräftig durchgeschüttelt und dreht sich beim Aufstieg zweimal je Sekunde um die eigene Achse.

Kantig ist günstiger

"Wir betreten mit der Mission technologisches Neuland", erklärt Weihs. Mit "Shefex II" testet das DLR verschiedene Hitzeschutzsysteme und Kühlsysteme. Das Raumfahrzeug ist unter anderem mit über 300 Sensoren für Druck, Temperatur und Wärmefluss ausgerüstet. Anders als etwa bei den Space Shuttles besteht die Verkleidung nicht aus abgerundeten und einzeln angefertigten Kacheln, sondern aus ebenen Flächen. "Diese kantige Form hat den Vorteil, dass das Thermalschutzsystem deutlich billiger herzustellen ist", sagt Weihs. Die scharfe Anlaufkante verbessere zudem die aerodynamischen Eigenschaften.

Scharfkantiger Flugversuch

"Shefex" steht für "Sharp Edge Flight Experiment", also einen "scharfkantigen Flugversuch". Vor sieben Jahren hatte das DLR bereits das Vorgängermodell "Shefex I" getestet. Dabei kam das kantige Design unter weniger extremen Bedingungen auf dem Prüfstand. So war die Fluggeschwindigkeit beispielsweise nur halb so hoch. Außerdem kann "Shefex II" über Steuerelemente beim Wiedereintritt erstmals aktiv gelenkt werden und bietet im Vergleich zu "Shefex I" eine Verdoppelung der Experimentierzeit. Planungen für eine dritte "Shefex"-Mission haben bereits begonnen.

Das Flugexperiment mit "Shefex II" ist nach DLR-Angaben ein rein national finanziertes Projekt. In den vergangenen sechs Jahren wurden Weihs zufolge rund 15 Millionen Euro investiert. Ihre Erkenntnisse wollen die Wissenschaftler letztendlich in einen neuartigen, kleinen Raumgleiter einfließen lassen, der ab 2020 zur Verfügung stehen soll.

lea/DPA/AFP DPA

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