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US-Raketenabwehr: Satellit aus dem Orbit geschossen

In der Nacht hat die US-Marine einen außer Kontrolle geratenen Spionagesatelliten abgeschossen. Eine SM-3-Rakete traf den Flugkörper, der 450 Kilogramm giftigen Treibstoff an Bord hatte, in circa 210 Kilometern Höhe. Russland und China kritisierten den Einsatz.

Die US-Marine hat einen defekten Satelliten abgeschossen, um einem unkontrollierten Aufprall auf die Erde vorzubeugen. Der Spionagesatellit wurde nach Angabe des Pentagons in der Nacht zum Donnerstag in ca. 210 Kilometer Höhe über dem Pazifik getroffen. Eine erste Untersuchung habe ergeben, dass der Treibstofftank mit 450 Kilogramm giftigem Hydrazin wie geplant zerstört worden sei. Wenn dieser Stoff in einer bewohnten Region niedergegangen wäre, hätte nach US-Angaben eine Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung bestanden. Da der Satellit in relativ niedriger Höhe zerstört wurde, werden die meisten Trümmerteile voraussichtlich innerhalb von 24 bis 48 Stunden in die Erdatmosphäre eintreten und verglühen. Der Rest wird laut Pentagon spätestens innerhalb von 40 Tagen folgen.

Das US-Militär hatte mit dem Abschuss bis zur Landung der Raumfähre "Atlantis" am Mittwoch gewartet. Satellitentrümmer hätten sonst das Shuttle beim Wiedereintritt in die Atmosphäre gefährden können. Es war der erste Satelliten-Abschussversuch der USA seit Mitte der 80er Jahre, als das amerikanische Militär Anti-Satelliten-Waffen erprobt hatte. Das seegestützte System, das für den Abschuss eingesetzt wurde, ist Teil der umstrittenen US-Raketenabwehr.

Umgerüstete Rakete

Eine Rakete des Typs SM-3, die vom Kreuzer "Lake Erie" aus abgeschossen wurde, traf den Satelliten, der mit einer Geschwindigkeit von 27.000 Kilometern in der Stunde die Erde umkreiste. Die Rakete wurde entwickelt, um angreifende Raketen abzuschießen. Für die Spezialaufgabe war eine kostspielige Anpassung der Rakete erforderlich. Geoff Morrell, ein Sprecher des Verteidigungsministeriums, bezifferte die Ausgaben dafür mit 30 bis 40 Millionen Dollar (20 bis 27 Millionen Euro).

Bei dem Satelliten, die etwa die Größe eines Kleinbusses hatte, versagte die Stromversorgung, nachdem er Ende 2006 seine Umlaufbahn erreicht hatte. Anschließend verlor er immer mehr an Höhe. Mit dem Abschuss wollte das Pentagon verhindern, dass der Satellit in die Erdatmosphäre eintritt und dann unkontrolliert abstürzt. China und Russland hatten Bedenken geäußert, dass der Abschuss die Sicherheit im Weltall gefährden könnte.

Medienberichten zufolge wollten die USA mit dem Abschuss verhindern, dass das Satellitenwrack in falsche Hände gerät. Russland und China haben sich besorgt über den Abschuss geäußert. Das Verteidigungsministerium in Moskau hatte geäußert, tatsächlich könnten damit Tests einer neuen Weltraumwaffe verschleiert werden. Vergangenes Jahr hatten die USA China kritisiert, weil die Regierung in Peking in einem Test einen eigenen funktionsuntüchtigen Wettersatelliten abschoss.

AP/DPA/Reuters / AP / DPA / Reuters