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Asien: Millionen Schaulustige verfolgen Sonnenfinsternis

Am frühen Morgen hat die längste totale Sonnenfinsternis des 21. Jahrhunderts Teile Asiens für mehrere Minuten in Dunkelheit versinken lassen. Millionen Menschen bestaunten das seltene Naturschauspiel, das bei den Bewohnern der betroffenen Gebiete die unterschiedlichsten Reaktionen hervorrief.

Mehrere Millionen Menschen haben am Mittwochmorgen in Asien die längste totale Sonnenfinsternis dieses Jahrhunderts verfolgt. Um 5.28 Uhr Ortszeit, 1.58 Uhr deutscher Zeit, schob sich über dem Arabischen Meer der Mond vor die Sonne. Wenig später erreichte das Ereignis den direkt im Kernschatten der Sonnenfinsternis liegenden westindischen Bundesstaat Gujarat. Dichte Wolken und Monsunregen verhinderten jedoch den Blick auf das Naturschauspiel. In der Hauptstadt Neu Delhi dagegen konnten die Menschen bei klarem Himmel miterleben, wie sich 80 Prozent des Mondes vor die Sonne schoben.

Von Indien zog der Mondschatten über Nepal, Bangladesch und Bhutan nach China und Japan. Die totale Sonnenfinsternis war unter anderem in der zentralchinesischen Stadt Chongqing zu sehen. Die Behörden hatten damit gerechnet, dass etwa 300 Millionen Menschen im Tal des Jiangtse das seltene Naturschauspiel miterleben können. Vielerorts behinderte jedoch schlechtes Wetter den Blick auf das Ereignis. In Japan war die Sonnenfinsternis auf der Insel Akuseki mit über sechs Minuten am längsten unter den von Menschen bewohnten Orten der Welt zu sehen. Mit 6 Minuten und 39 Sekunden war es die längste totale Sonnenfinsternis seit 1991. Die nächste noch längere Sonnenfinsternis wird erst für das Jahr 2132 erwartet.

Geburten verschoben, Bad zur Seelenreinigung

Das Himmelsereignis rief bei den Bewohnern der betroffenen Gebiete die unterschiedlichsten Reaktionen hervor. Ein Sonderflug der Firma Cox and Kings hob von Neu Delhi Richtung Osten ab, um den Fluggästen eine direkte Beobachtung der Finsternis zu ermöglichen. Die 21 Sitzplätze der Boeing 737-700 auf der Sonnenseite wurden für 79.000 Rupien (rund 1200 Euro) verkauft. In Neu Delhi verschoben etliche Schwangere die für diesen Tag geplante Geburt per Kaiserschnitt. In der heiligen indischen Stadt Kurukshetra kamen eine Million Pilger zusammen. Viele nahmen während der Sonnenfinsternis ein Bad zur Seelenreinigung. In den Ufercafés in Shanghai wurden spezielle Sonnenfinsternis-Frühstücke serviert.

Sonnenfinsternisse faszinieren die Menschheit seit jeher. In China wurde das Phänomen, bei dem sich der Mond zwischen Erde und Sonne schiebt und damit einen Schatten auf die Erde wirft, traditionell so erklärt, dass ein Drache das Himmelsgestirn verschluckt. In der hinduistischen Mythologie werden die Dämonen Rahu und Ketu für die Verfinsterung verantwortlich gemacht. Der 22. Juli sei ein "sehr gefährlicher Moment im Universum", sagte der indische Astrologe Raj Kumar Sharma. "Wenn die Sonne, die Anführerin unter den Gestirnen, krank ist, dann bedeutet das, dass es auf der Welt große Probleme geben wird."

DPA/AP/AFP / AP / DPA