HOME

Kernfusionsreaktor: "Iter" unter Dach und Fach

Die Kernfusion, bei der wie auf der Sonne Wasserstoffkerne zu Helium verschmelzen, könnte die Energiequelle der Zukunft sein. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, aber der erste Kernfusion-Forschungsreaktor "Iter" ist nun beschlossene Sache.

Das internationale Milliardenprojekt "Iter" zur Stromgewinnung aus der Kernfusion ist unter Dach und Fach. Der Vertrag zur Errichtung des fünf Milliarden Euro teuren Forschungsreaktors in Cadarache (Südfrankreich) wurde am Dienstag im Pariser Elyséepalast unterzeichnet. Projektpartner sind die Europäische Union als Hauptfinancier sowie die USA, Russland, China, Japan, Indien und Südkorea.

Zehn Milliarden Euro kostet Bau und Betrieb des Reaktors

"Iter" ist sehr langfristig angelegt. Der Reaktor, in dem Wasserstoff-Atomkerne verschmelzen werden, soll 2018 in Betrieb gehen und rund 20 Jahre laufen. Eine kommerzielle Stromgewinnung aus Fusionsreaktoren wird aber frühestens in einem halben Jahrhundert erwartet. Die Kernfusion soll ohne die hohen Risiken der Kernspaltung eine praktisch unerschöpfliche Energiequelle erschließen. Sie ahmt den in der Sonne ablaufenden Prozess nach, bei dem die Wasserstoffisotope Deuterium und Tritium unter Freisetzung großer Mengen Energie zu Helium verschmelzen.

Im Sommer 2005 hatten sich die "Iter"-Partner auf Cadarache als Standort für den Testreaktor geeinigt. Eine Bewerbung von Greifswald/Lubmin war am Widerstand der Grünen gescheitert. "Iter" steht für International Thermonuclear Experimental Reactor (Internationaler Thermonuklearer Versuchsreaktor). Der Betrieb wird genauso viel kosten wie der Bau, so dass das Projekt zehn Milliarden Euro umfasst.

Europa trägt 30 Prozent der Baukosten

Um "Iter" nach Europa zu holen, hat die EU Tokio zugesagt, zehn Prozent des Materials in Japan zu kaufen und dortige Forschungsarbeiten mitzufinanzieren. Europa übernimmt die Standortkosten, das sind ein Fünftel der Investitionen. Davon trägt Frankreich die Hälfte. Von den Baukosten (vier Fünftel der Investitionen) trägt Europa 30 Prozent.

Das Forschungszentrum Jülich steuert für "Iter" seine Kenntnisse über die Innenwände der Fusionskammer bei, die das 100 Millionen Grad Celsius heiße, in Magnetfeldern eingeschlossene Plasma enthalten wird. Im Greifswalder Max-Planck-Teilinstitut für Plasmaphysik entsteht bis 2010 für 300 Millionen Euro das Kernfusionsexperiment Wendelstein 7X, das auch Tests für das "Iter"-Projekt übernehmen wird. Erstmals hatte 1991 der europäische Forschungsreaktor JET bei Oxford eine nennenswerte Fusionsleistung erzeugt. Dabei musste aber noch mehr Energie aufgewendet werden als gewonnen wurde.

DPA / DPA