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Klimaschutz-Index: Atomdeal verhindert Deutschlands Top-Platzierung

Pünktlich zu Beginn der heißen Phase des Weltklimagipfels in Cancún hat Germanwatch den Klimaschutz-Index vorgelegt. Vorreiter im Kampf gegen die Erderwärmung bleibt demnach Brasilien. Merkels Atompolitik hat hingegen einen Spitzenplatz Deutschlands verhindert.

Auf dem Weltklimagipfel im mexikanischen Cancún hat die Entwicklungsorganisation Germanwatch ihre jährlich erstellte Klimaschutz-Rangliste vorgestellt. Wie im vergangenen Jahr bleiben die ersten drei Plätze leer. Denn diese sind für Länder bestimmt, welche die Pro-Kopf-Emissionen soweit reduziert haben, dass der globale Temperaturanstieg unterhalb von den als verträglich angesehenen zwei Grad Celsius gehalten werden könne. Das hat bis jetzt kein Land geschafft.

Auf Platz vier und damit an erster Stelle ist wie im vergangenen Jahr Brasilien, gefolgt von Schweden und Norwegen. Die drei Länder zählen demnach zu den weltbesten Klimaschützern. Deutschland ist auf Platz sieben gelandet und hält damit verglichen mit vergangenem Jahr seine Position. Damals war es von Platz fünf auf Platz sieben abgerutscht. Deutschland habe im Vergleich zu anderen Ländern seine Emissionen stark reduziert, erläuterte der Studienautor Jan Burck. Negativ zu Buche geschlagen habe aber vor allem die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke, weil sie Investitionen für erneuerbare Energien und Energieeffizienz hemme.

USA verschlechtert sich

Für den Klimaschutz-Index hat Germanwatch zusammen mit dem Climate Action Network Europe die 57 Länder mit dem größten Kohlendioxidausstoß betrachtet. Zusammen sind sie für mehr als 90 Prozent der CO2-Emissionen weltweit verantwortlich. Der Index basiert auf Zahlen der Internationalen Energie-Agentur (IEA) und Berichten von 190 internationalen Experten. Bei den Emissionen sind allerdings nur diejenigen aus der Energienutzung mit eingeflossen, da zu den Treibhausgasen aus Landnutzung, vor allem aus Abholzung von Wäldern, keine verlässlichen und vergleichbaren Daten für alle Länder vorliegen, erklärte Germanwatch.

Brasilien schnitt der Organisation zufolge in allen bewerteten Punkten - Energieverbrauch und Treibhausgasausstoß, Emissionstrend und Klimapolitik - gut ab. Es wurde insbesondere für seine Politik im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zum Rio-plus-20-Gipfel 2012 gelobt. Am Ende der Liste stehen Australien (Platz 58), Kasachstan (59) und weit abgeschlagen Saudi-Arabien (60). Unter den letzten zehn Ländern befinden sich noch die USA (54), China (56), Polen (55) und Kanada (57).

Die USA haben sich im diesjährigen Index um einen Platz verschlechtert - unter anderem, da der US-Kongress einem nationalen Klima- und Energiegesetz nicht zugestimmt habe. Das Land könne daher weder die ohnehin schon geringen Versprechen von Kopenhagen umsetzen, noch die UN-Verhandlungen führen, kritisiert der Bericht.

Lob und Kritik für China

Bei China zeigt sich ein widersprüchliches Bild: Das Land bleibe der größte Kohlendioxid-Emittent, habe aber im Bereich Politik Pluspunkte gesammelt, weil es die Emissionen aus energieintensiven Bereichen weiter reduzieren und die erneuerbaren Energien stärker ausbauen wolle. China baue schon jetzt allein die Hälfte aller neuen Anlagen für erneuerbare Energien weltweit.

In Europa gibt es dem Index zufolge zwischen den einzelnen Ländern große Unterschiede in der Klimapolitik. Während Schweden, Norwegen, Deutschland, Frankreich und Großbritannien vordere Plätze einnehmen, schnitt die Klimapolitik von Polen, Italien und der Türkei schlecht ab. Der Index macht auch deutlich, dass immer noch zu wenig für den Klimaschutz getan wird. "Selbst wenn sich alle Staaten im selben Maß wie die jetzigen 'Spitzenreiter' engagierten, würden die bisherigen Anstrengungen nicht ausreichen, um einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern", heißt es in dem Bericht.

Liste der zehn größten CO2-Sünder

Zusammen mit dem Klimaschutz-Index veröffentlichte Germanwatch auch die Rangliste der zehn größten CO2-Emittenten der Welt. Wie im vergangenen Jahr belegt Deutschland Platz sechs, angeführt wird sie erneut von China. Ansonsten änderte sich an der Rangfolge lediglich, dass der Iran einen Platz aufrückte und Südkorea vom neunten auf den zehnten Platz verdrängte. Zusammen machen die Bewohner der zehn größten Klimasünder-Staaten laut dem Index nur die Hälfte der Weltbevölkerung aus, aber mit 65,33 Prozent fast zwei Drittel der ernergiebedingten Emissionen weltweit.

LandAnteil an den weltweiten CO2-Emissionen in ProzentEinwohner in MillionenAnteil der Weltbevölkerung in Prozent
China 22,291300 19,93
USA19,05302 4,55
Russland 5,42142 2,12
Indien 4,861120 17,05
Japan 3,921281,91
Deutschland 2,74821,23
Kanada 1,8833 0,5
Großbritannien1,7461 0,92
Iran 1,72711,08
Südkorea1,71480,73
lea/DPA/AFP / DPA