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Ölpest an der Küste von Louisiana: BP übernimmt die Verantwortung

Der Energiekonzern BP kündigt an, wozu er ohnehin gesetzlich verpflichtet ist: Er will die Verantwortung für die Ölpest vor der US-Küste tragen. Allein die Säuberung kostet das Unternehmen pro Tag etwa 4,5 Millionen Euro.

Der britische Ölkonzern BP hat die "volle Verantwortung" für die Ölpest vor der US-Küste übernommen. Eine Sprecherin sagte am Freitag in New York, der Konzern werde sich um die Beseitigung des Ölteppichs kümmern. Außerdem komme der Konzern für "berechtigte Ansprüche" bei Schäden auf. BP wolle "saubermachen" und "rechtmäßige Schadensersatzforderungen" akzeptieren. Der Verursacher ist per US-Gesetz dazu verpflichtet, die Kosten zu tragen.

Bereits am Vortag hatte der Sprecher des Weißen Hauses darauf hingewiesen, dass BP die Kosten für die Säuberungsaktion tragen müsse und sich dieser Verantwortung auch stellen werde. Nach früheren Angaben sollen BP allein die Säuberungsmaßnahmen rund 4,5 Millionen Euro pro Tag kosten.

Vergangene Woche war die von BP betriebene Ölplattform im Golf von Mexiko gesunken, seitdem fließt unaufhörlich Öl aus. BP hatte jedoch erst am Donnerstag eingeräumt, dass täglich 800.000 Liter aus dem Bohrloch ins Meer fließen.

Bisherige Bemühungen gescheitert

In einem dramatischen Wettlauf gegen die Zeit haben die USA am Freitag versucht, die Öl-Pest doch noch zu verhindern. "Wir schaffen alles heran, um den Öl-Teppich zu bekämpfen", sagte Konteradmiralin Sally Brice-O'Hara von der Küstenwache. Erste Ausläufer des riesigen Öl-Felds, das sich nach dem Untergang der Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko gebildet hat, erreichten die Küstengewässer, die für ihre reichen Fischgründe und Rückzugsgebiete für Vögel berühmt sind.

Bisherige Bemühungen, den Öl-Teppich zu stoppen, sind gescheitert. In einem verzweifelten Versuch, das Schlimmste zu verhindern, wurden Tausende Sperren ins Wasser gelassen. Präsident Barack Obama sicherte zu, alle notwendigen Schritte zur Eindämmung des Öl-Teppichs einzuleiten, der mittlerweile 193 Kilometer lang ist. Die Streitkräfte verstärkten ihre Abwehrmaßnahmen.

Auf dringende Bitte des Präsidenten wollten sich Heimatschutzministerin Janet Napolitano, Innenminister Ken Salazar und andere Regierungsmitglieder bei einem Überflug über das betroffene Seegebiet einen Eindruck verschaffen. Napolitano erklärte die Öl-Pest zu einer Angelegenheit von nationaler Bedeutung. Damit können Bundesmittel zur Unterstützung der Bundesstaaten mobilisiert werden. Louisianas Gouverneur Bobby Jindal rief noch am Donnerstag den Notstand aus.

Umweltschäden nur schwer zu beseitigen

Obama steht bei der Krisenbewältigung unter erheblichem Erwartungsdruck. Seinem Vorgänger George W. Bush war vorgeworfen worden, zu spät auf den Hurrikan "Katrina" reagiert zu haben, der das gleiche Gebiet 2005 verwüstet hatte.

Der Fischerei und dem Tourismus in der Region, die sich gerade erst von den Folgen des Hurrikans erholt haben, drohen schwere Schäden. Als Konsequenz setzte die US-Regierung neue Tiefsee-Bohrungen bis zur Klärung der Unglücksursache aus. Bohrarbeiten in neuen Feldern würden erst wieder genehmigt, wenn die Ursache des Unglücks auf der "Deepwater Horizon" geklärt sei, sagte Präsidenten-Berater David Axelrod dem Fernsehsender ABC. Zum Entsetzen vieler Anhänger hatte Obama erst kürzlich die Öl- und Gassuche in küstennahen Gewässern gebilligt.

Ein Kontrollflug der US-Küstenwache erbrachte am Donnerstag, dass die ersten regenbogenfarbigen Anzeichen des Öl-Teppichs nur noch wenige Meter von einem Naturschutzgebiet im US-Bundesstaat Louisiana entfernt waren. Experten gehen davon aus, dass das Öl Umweltschäden anrichten wird, die nur schwer zu beseitigen sein werden.

Krabbenfischer verklagen BP

Die Küstengewässer und Marschengebiete im Golf von Mexiko sind Heimat zahlreicher Tierarten wie Seekühe, Delfine, Wale, Tümmler, Pelikane sowie anderer Vögel. Im Golf gibt es zudem riesige Mengen an Meeresfrüchten wie Austern, Krabben Muscheln und Fische.

Derweil waren BP und die Küstenwache unverändert mit dem Versuch beschäftigt, die Lecks an der Bohrinsel zu stoppen, aus denen täglich 5000 Barrel Öl auslaufen. Der Konzern bat das Verteidigungsministerium um Hilfe. Krabbenfischer verklagten unterdessen BP, Transocean und die anderen an dem Bohrvorhaben beteiligten Konzerne Halliburton sowie Cameron und warfen ihnen Fahrlässigkeit vor.

Die Aktienkurse von BP und Transocean fielen am Freitag weiter. Die Papiere von BP gaben seit dem Umglück am 20. April um etwa zwölf Prozent, die von Transocean um fast 15 Prozent nach.

AFP/Reuters / Reuters