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Teil 2: "Es war sieben Leben wert"

Die "Columbia"-Tragödie, Teil 2. Die Crew an Bord des Raumschiffs weiß inzwischen von dem Vorfall beim Start. Die Nasa-Führung beschließt voreilig: Die Astronauten sind nicht in Gefahr.

Das Raumschiff "Columbia" startet am 16. Januar in Florida. An Bord zwei Frauen und fünf Männer, aufgeteilt in ein rotes Team (Rick Husband, Laurel Clark, Kalpana Chawla und Ilan Ramon) und ein blaues (William McCool, David Brown und Michael Anderson). Sie arbeiten an physikalischen und medizinischen Experimenten, sind glücklich über ihre Ergebnisse und genießen die Schwerelosigkeit. Was beim Start passiert ist, erfahren sie erst nach einer Woche: Ein koffergroßes Stück Hartschaum prallte gegen die empfindliche Außenhaut des Shuttles. Kein Grund zur Sorge, schreibt die Nasa. Zu diesem Ergebnis waren Experten des Vertragspartners Boeing gekommen. Einige Ingenieure hatten angeregt, Satellitenfotos anzufordern, um den Schaden genau zu bestimmen. Doch Nasa-Manager sahen dazu keine Notwendigkeit. Die Flugsicherheit, glaubt man, sei nicht gefährdet.

Freitag, 24. Januar.

Lani, die Frau des Piloten Willie McCool, hat vor dem Fernseher geschlafen, wie in jeder Nacht, seit er weg ist. Es beruhigt sie, seine Stimme zu hören. Im Nasa-Kanal wird alles live übertragen, was an Bord geschieht. Willie trägt zwei Eheringe. Seinen am Ringfinger, ihren am kleinen Finger.

Samstag, 25. Januar.

Das Raumschiff fliegt über Hiroshima. Später Nordindien, den Ganges entlang, Delhi. Die Heimat von Kalpana Chawla, genannt KC. Das blaue Team gibt seinen Tipp fürs Superbowl-Spiel ab. Willie votiert für Oakland, Dave Brown, einer der beiden Ärzte an Bord, ist für Tampa: "Weil wir in Florida gestartet sind und so viele Leute so hart für uns gearbeitet haben." Ein Reporter will wissen, wie Willie zum drohenden Krieg steht. "Ich bete, dass es keinen gibt", sagt er. Dave putzt sich die Zähne und schwebt in seine Schlafröhre. Die Medizinerin Laurel Clark studiert Krebszellen. Ilan Ramon, der erste Israeli im All, ist wieder nicht zum Sabbat gekommen.

Sonntag, 26. Januar, 2 Uhr.

Jon Clark hat heute Nacht die Medizinerschicht im Kontrollzentrum in Houston. Das soll eigentlich nicht sein, weil seine Frau Laurel im Raumschiff ist. Aber den Nachtdienst am Wochenende wollte kein anderer. Im Kontrollzentrum muss immer ein Arzt sein. Gerade in den ersten Tagen im All passiert es oft, dass Astronauten unter Übelkeit oder Schwindel leiden. Aber inzwischen haben sie sich akklimatisiert, es gibt nicht viel zu tun. Nur Laurel hat ein Hämatom, vom vielen Blutabnehmen, das zu ihren Experimenten gehört. Jon blättert im Logbuch und entdeckt die Notizen über das Stück Schaum, das beim Start gegen den Flügel der "Columbia" geprallt ist. Verdammt, das ist groß, denkt er. Ob Laurel das weiß? Bestimmt nicht, überlegt er. "Sie hätte es mir erzählt."

Er grübelt kurz, ob er ihr sagen soll, was er entdeckt hat. "Aber dann habe ich mir überlegt, was meine Rolle ist. Und ich bin als Crewarzt hier. Es ist wichtig, sich an die Regeln zu halten. Genau wegen solcher Sachen wollen sie ja nicht, dass Ehepartner im Kontrollzentrum arbeiten." Die Experten wüssten schon, was sie tun. Und was soll er Laurel beunruhigen? Zumal ihm auch nichts einfällt, was sie im Zweifelsfall tun könnten. Das Kohlendioxid, das sie ausatmen, muss neutralisiert werden. Und dafür haben sie nur eine bestimmte Menge Lithiumhydroxid an Bord. Nie könnten alle sieben überleben, bis ein zweiter Shuttle oben wäre.

Das alles schießt ihm durch den Kopf. Dann beschließt er, es zu vergessen. Um 12 Uhr geht er nach Hause. Später be- sucht er mit seinem Sohn Iain das Aquarium. Der Junge ist immer noch bockig, weil Laurel trotz seiner Ängste ins All geflogen ist.

19.45 Uhr. Nasa-Ingenieur Rodney Rocha, der ursprünglich gesagt hatte, man könne ohne Satellitenfotos den Schaden nicht beurteilen, verschickt eine Abschlussanalyse. Darin steht: "Obwohl eine Schädigung des Hitzeschildes und der Türstruktur wahrscheinlich ist, ist die Sicherheit des Fluges (Wiedereintritt und Landung) nicht gefährdet."

Montag, 27. Januar.

Das Kontrollzentrum schickt das Ergebnis des gestrigen Superbowl-Spiels ins Raumschiff: Oakland 21 Punkte, Tampa Bay 48.

Ein Thermik-Spezialist hat Rochas Analyse gelesen. Der Ort des Aufpralls müsse noch genauer bestimmt werden, schreibt er: "Sonst entsteht ein falsches Gefühl von Sicherheit." Er leitet seine Mail an ein Dutzend Ingenieure weiter. Einer der Empfänger ist Carlisle Campbell, Spezialist für Landungen. Er ruft Bob Daugherty im Langley Research Center der Nasa in Virginia an. Sie arbeiten schon seit über 20 Jahren zusammen, sind Freunde. Ob Bob vom Vorfall beim Start gehört habe. Nein. Campbell erzählt, offiziell heiße es, es gebe kein Problem. Aber viele Leute malten sich eine Landung mit zwei platten Reifen aus. Ob man das simulieren könne, fragt Campbell. Er sagt auch, das Management habe eine solche Simulation nicht befürwortet. Er schickt seinem Freund das Video vom Start und zwei Powerpoint-Analysen des Vertragspartners Boeing.

"WOW!!!", schreibt Daugherty, nachdem er das Video gesehen hat. "Ich schätze, da sind wohl einige Leute ganz schön nervös!" Campbell antwortet: "Deshalb müssen sie alle Fakten möglichst früh bekommen. Vor allem müsste man sich den Schaden mit einem Satelliten ansehen. Und selbst dann können wir das tatsächliche Ausmaß vielleicht nicht erkennen."

Die Boeing-Analyse wird dem Mission Management präsentiert. Nasa-Ingenieur Don McCormack betont noch einmal, ein Durchbrennen des Flügels sei nicht zu erwarten, die Sicherheit des Fluges sei nicht gefährdet. Das Mission Management stimmt zu. An der Konferenz nehmen rund 100 Leute teil, aus allen Nasa-Zentren sind sie per Telefon- und Videoleitung zugeschaltet. Rund 25 von ihnen dürfen ihr Votum abgeben. Es gibt keine Gegenstimme.

Das rote Team telefoniert mit Don Pettit in der Internationalen Raumstation. Ilan sagt: "Ich wünschte, ich könnte auch länger bleiben. Küsse von All zu All." Kommandant Rick Husband überbringt eine Botschaft von Willie, der leider während des Rendezvous schlafen müsse. Willie spielt nämlich mit Don Pettit seit Monaten übers Internet Schach. "Und er sagt, er habe dir vor Ewigkeiten E2 nach E4 geschickt und warte auf deinen Zug." Pettit sagt, er werde das gleich erledigen. "Und denkt daran, sicher zu fliegen."

Später schreibt Rick noch eine E-Mail an einen Freund in Wyoming: "Ich bin so stolz auf meine Crew, ich könnte platzen."

Dienstag, 28. Januar, der Jahrestag des "Challenger"-Disasters.

Um 10.39 Uhr versammeln sich Nasa-Mitarbeiter im ganzen Land zu einer Gedenkminute. Auch im All haben sie die Toten nicht vergessen. Rick sagt: "Sie brachten das höchste Opfer. Ihre Hingabe hat uns alle inspiriert und die Menschen auf der ganzen Welt motiviert, anderen zu dienen."

Bob Daugherty fragt seinen Freund Carlisle Campbell: "Hat noch jemand was wegen des Kachelschadens unternommen, oder drücken jetzt alle die Daumen und hoffen das Beste?" Der antwortet: "Ich habe nichts Neues gehört."

Don McCormack schreibt ins Logbuch: "Die Mission STS-107 verläuft nach Plan, und alle Subsysteme funktionieren zufriedenstellend (...) Was den Vorfall beim Start angeht, nimmt man an, dass es sich um Schaum vom Außentank handelt. Eine Analyse wurde durchgeführt, um den möglichen Schaden zu bestimmen. Die Analyse legt die Möglichkeit eines großflächigen Kachelschadens nahe. Eine Beschädigung der RCC-Paneele sollte nur oberflächlich sein und die Mission nicht beeinträchtigen."

Mittwoch, 29. Januar.

Die Crew bereitet die große Abschlusspressekonferenz vor. Laurel hat ihr rotes T-Shirt an der Wand mit Gurten festgeschnallt, besser bekommt sie es nicht glatt. Sie haben die amerikanische und die israelische Flagge gespannt. Davor hocken sie nun, vorn das rote Team, hinten die drei Blauen. Ilan sagt: "Israel sieht so friedlich und ruhig aus von hier oben." Was er von Sharons Sieg halte? "Mal gewinnen die einen, mal die anderen." Rick und KC grinsen, er ist ein guter Diplomat.

Das Thema Satelliten-Fotos ist nach Washington vorgedrungen. William Readdy, zweiter Mann im Nasa-Hauptquartier, empfängt "einen Vertreter von einem anderen Dienst", wie er nach dem Treffen notiert. Es geht um das Angebot eines Nachrichtendienstes, einen Satelliten umzudrehen, um Aufnahmen des Raumschiffs zu machen. "Er erklärte, die Nasa müsse diese Unterstützung auf der Basis eines Notfalls oder hoher Priorität anfordern. (...) Ich erklärte ihm, das Mission Management sei zum Schluss gekommen, die Flugsicherheit sei nicht gefährdet, und deshalb bestehe kein Bedarf." Readdy schreibt weiter, der Mann habe angeboten, man könne die Aufnahmen ja trotzdem machen, solange es den Dienst nicht von seinen eigentlichen Zielen abhalte. Er habe dem zugestimmt.

Da sich die Nation auf den Krieg vorbereitet, gibt es genug eigentliche Ziele für die Aufklärungssatelliten. Von der "Columbia" wird kein Bild gemacht.

Die wichtigsten Personen

Name der PersonFunktion
Rick HusbandKommandant der "Columbia"
Evelyn HusbandRicks Frau
William "Willie" McCoolPilot der "Columbia"Lani McCoolWillies Frau
Audrey McCoolWillies Mutter
Barry McCoolWillies Vater
KirstieWillies Schwester
Laurel ClarkMedizinerin an Bord der "Columbia"
Jon ClarkLaurels Mann und Nasa-ArztIain ClarkLaurels Sohn
LynneLaurels Schwester
Kalpana "KC" ChawlaIngenieurin an Bord der "Columbia"
JP HarrisonKCs Mann
David "Dave" BrownMediziner an Bord der "Columbia"
Ann MicklosDaves Ex-Freundin und Nasa-Ingenieurin
Michael AndersonLeiter der wissenschaftlichen "Columbia"-Experimente
Barbara AndersonMichaels Mutter
Bobbie AndersonMichaels Vater
Ilan RamonIsraelischer Wissenschaftler an Bord der "Columbia"
Rodney RochaNasa-Ingenieur
Carlisle CampbellNasa-Ingenieur
Bob DaughertyIngenieur im Research Center der Nasa in Langley
Don McCormackNasa-Ingenieur
Don PettitBesatzungsmitglied der Internationalen Raumstation ISS
William ReaddyVizechef der Nasa
David LechnerNasa-Ingenieur
Del FreemanChef des Research Center der Nasa in Langley
Jeff KlingEin Flugkontrolleur der Nasa in Houston
Leroy CainFlugdirektor der "Columbia"Mission
Charles HobaughEx-Astronaut, hält während der Landung Kontakt zur Crew
Kent RomingerChef des Astronautencorps
James HartsfieldSprecher der Nasa
Bob CabanaNasa-Manager
Ron Dittemore

Donnerstag, 30. Januar.

John Lennon weckt die Crew mit "Imagine". Das inspiriert Willie zu einer kleinen Ansprache: "Wir beten, dass die Menschen es schaffen, in Frieden zu leben und die Welt ohne Grenzen zu betrachten, so wie wir sie von hier oben sehen." Ilan übersetzt auf Hebräisch. Unter ihnen der Mount Everest, Nepal, Vietnam, das Great-Barrier-Reef.

17.23 Uhr. Nasa-Mann Bob Daugherty schickt eine Mail mit sieben Horrorszenarien an David Lechner in Houston, einen Ingenieur aus dem Mission Operation Team. Er betont, dass er ihm nicht "offiziell" schreibe, dass es sich um Worst-Case-Überlegungen handle. "Ich glaube nicht, dass die Dinge so schlimm sind, wie ich sie beschreibe." Aber es sei "unverantwortlich", nicht auf alles vorbereitet zu sein. Er erwähnt den möglichen Verlust der Fahrwerkklappe, der eine fatale Erhitzung im Innern des Shuttles mit sich brächte. Weitere Möglichkeiten seien der Flug mit nur einem ausgefahrenen Fahrwerk, eine Notlandung mit platten Reifen oder ganz ohne Fahrwerk ("kein guter Tag").

20.53 Uhr. Iain Clark schickt eine E-Mail an seine Mutter Laurel. Der Achtjährige braucht eine Stunde für den kurzen Text, aber er will ihn unbedingt selbst tippen. Er schreibt: "Ich vermisse dich, Mom. Ich will mit dir in meiner Burg kuscheln. Komm schnell nach Hause, oder noch schneller, wenn es geht. Ich vermisse dich Millionen und Millionen Mal. Mehr als alle Sterne des Universums. Ich vermisse dich so sehr, dass ich gestern Nacht geweint habe." Er schickt ihr ein Foto, das Jon eben von ihm gemacht hat. Wie er nach dem Baden auf dem Boden sitzt, die Haare nass. Und er schickt Fotos von seinem Hund Addie und dem Hamster Tim.

Freitag, 31. Januar

7.49 Uhr. Daughertys Boss leitet dessen letzte Mail an seinen Vorgesetzten weiter. Er schreibt dazu: "Bob Daugherty ist der umsichtige Ingenieur, den die Nasa braucht. Ich hoffe nur, dass die Leute in Houston zuhören..." Der Empfänger nimmt die Mail ernst und schickt sie an seinen Chef Del Freeman. Er fragt, ob der das Nasa-Hauptquartier informieren wolle. Das tut Freeman nicht. Auch Jeff Kling, Flugkontrolleur in Houston, bekommt Daughertys Horrorszenarien. Er schickt sie an ein Dutzend Kollegen und schreibt seine eigenen Gedanken dazu. Er wird morgen während der Landung im Kontrollzentrum sitzen. "Falls also heißes Plasma durch den Fahrwerkschacht kommen sollte, würde der Reifendruck steigen", überlegt er. Falls das Fahrwerk nicht mehr ausfahre, würde er einen Notausstieg vorschlagen - "vorausgesetzt, der Flügel brennt nicht weg, bevor wir die Crew rausholen können. Irgendwelche Kommentare?", fragt er.

Es ist 9.38 Uhr. In ziemlich genau 24 Stunden soll die "Columbia" über die Landebahn in Cape Canaveral rollen.

Laurel antwortet ihrem Sohn: "Deine Mail zu lesen war das Schönste an diesem Tag. Tolle Bilder! Ich bin froh, dass auch Addie und der kleine Tim ihren Weg ins All gefunden haben. Und es tut mir leid, dass du so traurig warst, Iain. Ich habe geweint, als ich daran dachte. Ich kann es auch nicht abwarten, mit dir zu kuscheln. Die Schwerelosigkeit macht Spaß! Ich kann es nicht abwarten, euch beide in etwa 24 Stunden zu sehen. Wir räumen schon alles zusammen. Und dann werden wir noch mal über die Landung sprechen und alles üben. Alles Liebe, sei Millionen Mal umarmt und geküsst, Mom."

Flugdirektor Leroy Cain sagt auf einer Pressekonferenz, der Vorfall mit dem Isolierschaum sei kein Grund zur Besorgnis. "Wir haben uns das genau angeschaut und haben keinerlei Bedenken. Deshalb haben wir auch nichts an der Flugbahn verändert. Es wird ein Standardanflug werden." Er hat wirklich keine Sorge. Er hat auch nicht viel darüber nachgedacht in den letzten zwei Wochen. Vielleicht ein paar Minuten am Tag. Die Experten haben gesagt, es gibt kein Risiko, und er vertraut ihnen.

12.17 Uhr. David Lechner vom Mission Operation Team antwortet dem Ingenieur Bob Daugherty und bedankt sich für die "offenen Worte". Man diskutiere weiter die möglichen Szenarien. "Wie alle hoffen auch wir, dass die Analyse korrekt ist und die ganz Diskussion müßig." Später ruft er noch einmal an. Sie hätten jetzt Maßnahmen für alle möglichen Notfälle durchgespielt, sie könnten das Mission Management dann beraten, falls es Probleme gebe.

Am späten Nachmittag schalten sich Bob Daugherty, Carlisle Campbell und zwei weitere Ingenieure zu einer letzten Telefonkonferenz zusammen. Campbell sagt, vor wenigen Stunden habe jemand eine Analyse abgeschlossen, eine Landung mit zwei platten Reifen sei überlebbar. Am Ende stimmen alle überein, dass es sich um eine reine "Was wäre wenn"-Diskussion handle und mit einer sicheren Landung am Morgen zu rechnen sei.

Weder Flugdirektor Leroy Cain noch das Mission Management, noch die Nasa-Führungsspitze in Washington wissen von den E-Mails und Gesprächen der Ingenieure. Auch die Crew ahnt davon nichts. Die Sorgen sind irgendwo in der Hierarchie stecken geblieben. Hätten sie Daten und Zahlen gehabt, hätten sie Alarm geschrien, auch an den Vorgesetzten vorbei. Aber sie haben keine Zahlen. Nur ein komisches Gefühl. Doch das haben sie sich jetzt ausgeredet.

Die Nasa-Ingenieurin Ann Micklos, zuständig für die Wartung der Hitzekacheln am Raumschiff, schläft schon, als in der Nacht die letzte E-Mail von Dave ankommt: "Schweben ist großartig", schreibt der Mann, den sie einst heiraten wollte. "Ich bewege mich inzwischen viel langsamer. Das Problem ist, dass wir ständig Dinge verlieren. Ich bin dafür ja schon auf der Erde anfällig, aber hier ist es noch viel schlimmer, weil ich ja nun auch alles Mögliche an den Wänden oder der Decke ablegen kann (...) Meine Crew ist wie meine Familie. Es wird hart, sie zu verlassen nach diesen zweieinhalb Jahren (...) Mich hat ein Brief sehr bewegt, den Ilan von einem Holocaust-Überlebenden mitgebracht hat. Er sprach über seine siebenjährige Tochter, die nicht überlebt hat. Dass solche Dinge auf einem so wunderschönen Planeten passieren können! Umso mehr möchte ich nun jedes bisschen der Erde genießen. Sie ist ein wunderbarer Planet. Dave".

Samstag, 1. Februar

1.35 Uhr. Lynne, Laurels Schwester, liegt in Cape Canaveral im Hotelbett. Sie will gerade den Fernseher ausmachen, da hört sie den Dudelsackmarsch. Das muss die Weckmusik fürs rote Team sein. "Scotland the Brave" gehört zu Laurels Lieblingsliedern. Lynne summt die Melodie mit, ihre Schwester oben im All kennt den Text auswendig: "Hark where the night is falling
Hear! hear the pipes are calling
loudly and proudly calling
down thro? the glen."
"Guten Morgen, Houston", ruft Laurel. "Wir machen uns fertig für unseren großen Tag. Ich freu mich, nach Hause zu kommen." Das blaue Team ist bereits seit dem Nachmittag wach. Willie hat die Antenne abmontiert. Dave und sein Kollege Michael Anderson haben schon fast alle Experimente verstaut. Um 5.35 Uhr schließen sie die Tür zum Labor ab.

Im Kontrollzentrum in Houston ist Flugdirektor Leroy Cain seit ein Uhr früh an seinem Platz. Er geht seine Checkliste durch. Alles sieht gut aus. Um ihn herum sitzt sein Team, rund 20 Leute, in den Nebenräumen noch einige Dutzend Spezialisten. Rechts neben Cain sitzt Charles Hobaugh, ein erfahrener Astronaut, der während der Landung mit der Crew spricht. Seine ruhige Stimme ist das Einzige, was die sieben in den kommenden Stunden hören werden. Er hat auch beim Start hier gesessen. "Ich hoffe, es lohnt sich für euch", hatte er da gesagt. Es gibt Missionen, da spricht auch der Flugdirektor mit der Crew. Aber das war dieses Mal nicht nötig, sagt Cain.

Ann Micklos ist nervös. Um 5.30 Uhr hat sie das Haus verlassen, jetzt, um 7.45 Uhr, steht sie mit sechs Kollegen am Nordende der Landebahn. Dass es katastrophal werden könnte, glaubt sie nicht. Dass es schlimm wird wie nie, das weiß sie. Alle in ihrem Team wissen das. Deshalb ist auch eine Kollegin mehr mitgekommen als üblich, um den Schaden zu dokumentieren.

An Bord ist alles verstaut. Die sieben zwängen sich in ihre Druckanzüge. Nun müssen sie noch ihre Stühle wieder installieren. Dann beginnt die Reise zurück ins vertraute Leben. Vorn links sitzt Rick, neben ihm Willie, hinter Rick KC, rechts von ihr Laurel. Die anderen drei sind im fensterlosen Unterdeck.

Kent Rominger, der Chef des Astronautencorps, fliegt mit seiner Gulfstream über Cape Canaveral. Er überprüft die Landebedingungen und die Winde. Vorhin hatte es Nebel gegeben, aber der hat sich verzogen. Von ihm aus kann die "Columbia" landen. Er wird nun eine Stunde in der Luft kreisen und dann den Shuttle zum Boden begleiten. Er freut sich, Rick zu sehen. 1999 sind sie gemeinsam ins All geflogen, damals war Rick Pilot und er der Kommandant. Danach hat er sich dafür eingesetzt, dass Rick seine eigene Crew bekommt. Normalerweise geschieht das erst beim dritten oder vierten Flug. Aber Rick ist ein Spitzenpilot. Der Himmel ist strahlend blau. Auch bei Flugdirektor Leroy Cain auf dem Bildschirm sieht alles perfekt aus. Er gibt das Okay zur Landung.

Um 8.15 Uhr

zündet Rick über dem Indischen Ozean die Bremsraketen. Das Manöver dauert zwei Minuten, 38 Sekunden. Danach gibt es keinen Weg zurück. In 26 Minuten wird das Raumschiff in die Erdatmosphäre eindringen. Um 9.16 Uhr soll es auf der Landebahn aufsetzen. In einer Stunde und einer Minute.

Mit einer Geschwindigkeit von 28.000 Stundenkilometern gleitet die "Columbia" vom Vakuum des Weltraums in die dichteren Luftschichten über der Erde. Immer mehr Moleküle stellen sich ihr entgegen. Der Luftwiderstand macht sich als Reibungshitze am Rumpf des Schiffes bemerkbar. Es entstehen Temperaturen bis zu 1.600 Grad Celsius. Ohne die Kacheln würde das Raumschiff verglühen wie ein Meteorit. Durchs Fenster kann man die gleißenden Plasmablitze sehen. Die Crew spürt, wie die Schwerkraft, die nach dem Start so abrupt weg war, nun ganz langsam wiederkommt. Es fühlt sich an wie Blei.

8.50 Uhr. Die "Columbia" nähert sich der kalifornischen Küste. Jeff Kling, der Ingenieur, der gestern noch um "Kommentare" gebeten hatte, studiert im Kontrollzentrum die Zahlenreihen auf seinem Bildschirm. Er soll die mechanischen Systeme im Shuttle überprüfen. Alles scheint in Ordnung. Dann zeigt sein Computer einen Temperaturanstieg im linken Flügel.

8.53 Uhr. Das Raumschiff fliegt über die Stadt Gualala hinweg, nördlich von San Francisco. Während die "Columbia" auf Sacramento zufliegt, entdeckt ein Beobachter das erste Teil, das von ihr abfällt. Kurz danach ein zweites und ein drittes. Im Kontrollzentrum ahnt man davon nichts.

"Ich habe gerade vier Temperatursensoren auf der linken Seite verloren", sagt Jeff Kling. Flugdirektor Leroy Cain fragt: "Hast du sie alle zur gleichen Zeit verloren?" - "Nein", antwortet Kling. "Im Abstand von vier oder fünf Sekunden." Cain klingt jetzt beunruhigt. "Keine Gemeinsamkeit", murmelt er. Zwar sind bisher nur Temperaturfühler defekt, aber der Gedanke an eine Katastrophe kommt ihm sofort. Er denkt an das Stück Schaum. Das ist auch auf der linken Seite eingeschlagen. Gibt es doch eine Verbindung? Haben sie sich geirrt? Dann verdrängt er den Gedanken. Auch das haben sie trainiert.

Sie alle tragen Kopfhörer. Cain hört simultan Informationen auf 15 verschiedenen Kanälen, das ist er gewohnt. Vor ihm steht eine kleine US-Fahne, wie auf fast allen Pulten. Eine eigentümliche Stille ist in dem hohen, fensterlosen Raum. Neonlicht flackert an der Decke. Leroy Cain sitzt da und überlegt. Auf dem Schirm vorn kriecht der Shuttle auf der grellgrün gezeichneten Flugbahn weiter, ganz stetig. In Ivins, Utah, fällt wieder ein Stück vom Raumschiff ab - auch davon weiß man im Kontrollzentrum nichts. Um 8.57 Uhr fragt Cain: "Sonst sieht alles normal aus?" - "Ja", anwortet Jeff Kling.

Audrey und Barry McCool, die Eltern des Piloten, stehen in Las Vegas vor ihrem Haus und sehen die dünne, weiße Spur, die das Raumschiff am Himmel hinterlässt. Der Vater ruft ganz laut: "Da kommt Willie, Willie kommt nach Hause!"

Auf dem Landeplatz in Cape Canaveral zeigt die Uhr mit dem Countdown noch 20 Minuten. Jon Clark steht mit einem Kumpel aus der Navy da, einen Becher Kaffee in der Hand. Sie reden von früher. Er wollte fast nicht kommen, Landungen sind nicht wirklich spannend. Aber das hätte ihm Laurel sicher übel genommen. Und jetzt ist er froh. Die Stimmung ist ausgelassen und der Himmel so blau. Und er ist verdammt stolz, nur würde er das nie sagen. Iain spielt 30 Meter entfernt mit den Kindern von Rick. Laurels Schwester Lynne steht ein paar Meter weiter vorn.

8.58 Uhr. Jeff Kling meldet einen Druckverlust beider linker Reifen. Diese Meldung erscheint als Warnung auch auf dem Kontrollbildschirm der "Columbia". Es ist der erste Hinweis für die Crew, dass etwas nicht stimmt. Was unten im Kontrollzentrum gesprochen wird, hören sie nicht.

8.59 Uhr. ""Columbia", Houston." Charles Hobaugh unterbricht das beim Landeanflug übliche Schweigen. Er fragt, ob sie die Luftdruckmeldung gesehen haben. In 62 Kilometer Höhe sagt Rick: "Roger, uh, buh." Dann bricht der Kontakt ab.

Stille. Die noch nicht geflogene Strecke ist grün. Die "Columbia" ist über Dallas, unerreichbar nah. Leroy Cain knetet seine Faust. Er reibt seine Lippen mit den Zeigefingern, immer wieder, vor und zurück.

Jon Clark steht in Florida neben dem Lautsprecher, der live aus dem Kontrollzentrum überträgt. Er weiß, eine Landung mit geplatztem Reifen ist nicht lustig, schon gar nicht bei so einem schweren Schiff. "Ich habe sofort überlegt, was ist die Strategie." Also Fallschirmlandung. Das schafft Laurel locker, sie ist schon Dutzende Male gesprungen. Allerdings, sie ist eine der Letzten, die rauskommt. Sie muss ja erst runter zum Unterdeck. Um ihn herum sind noch immer alle ausgelassen. Die meisten hier sind Laien. Nur JP Harrison, der Mann von KC, schaut auch besorgt. Er ist Fluglehrer. Beide Männer sagen nichts.

9.00 Uhr. Wir haben auch Messleitungen zum Bugfahrwerk verloren, sagt Kling. Leroy Cain guckt nach oben, dann auf seinen Monitor. Dann zu Charles Hobaugh. Auf den Bildschirmen im Kontrollzentrum friert die Bewegung ein. Hobaugh sagt ganz ruhig: ""Columbia", Houston com check." Nichts. Nur die vielen Computer und die Klimaanlage surren.

9.02 Uhr. Nasa-Sprecher James Hartsfield sagt in perfekter Ruhe: "14 Minuten bis zur Landung der "Columbia" im Kennedy Space Center. Flugkontrolleure bemühen sich weiter, die Verbindung mit dem Raumschiff wieder aufzunehmen."

9.03 Uhr. Charles Hobaugh: ""Columbia", Houston, com check." In Spokane im Bundesstaat Washington schaut Michael Andersons Mutter Barbara im Schlafzimmer fern, ihr Mann Bobbie ist hinuntergegangen in die Küche, da steht der größere Fernseher. Das Foto von Michael hängt dahinter an der Wand. Sie rennt hinunter. "Hast du das gehört? Was soll das heißen, sie haben den Kontakt verloren, es sind doch nur ein paar Minuten bis zur Landung." Bobbie sagt, es passiere schon mal, dass sie den Kontakt verlieren. Seine Frau setzt sich neben ihn.

9.04 Uhr. Charles Hobaugh versucht es auf einer anderen Frequenz: ""Columbia", Houston, UHF com check."

9.05 Uhr. Flugdirektor Leroy Cain reibt wieder seine Lippen. Durch die Fensterscheibe sieht man in den Nebenraum. Männer in Anzügen, die ihre Köpfe in den Händen vergraben. Nasa-Sprecher Hartsfield spricht schon etwas unsicherer in sein Mikrofon: "Zehneinhalb Minuten bis zur erwarteten Landung der "Columbia"."

9.07 Uhr. Charles Hobaugh: ""Columbia", Houston, UHF com check".

Für die Astronauten ist "Houston" Chiffre für alles. Geborgenheit, Zukunft, Vertrauen. Die Nasa ist ihre Familie. Und Leroy Cain und seine Ingenieure sind dafür ausgebildet, das Unmögliche zu schaffen. Hier in diesem Kontrollzentrum wurde damals die Besatzung der "Apollo 13" gerettet. "Failure is not an option", auf dieses Erbe sind sie stolz. Und nun sitzen sie da und können nichts tun. Die Bildschirme sind festgefroren, die Leitung ist still.

9.10 Uhr. Nasa-Sprecher Hartsfield: "Hier ist das Kontrollzentrum in Houston. Flugkontrolle sucht weiterhin Kursdaten der "Columbia"."

Es ist gespenstisch still. Dann steht Cain auf, jemand vom Mission Management flüstert ihm zu, es gebe Augenzeugenberichte, das Shuttle sei zerbrochen. Auf Fernsehbildern sei deutlich zu sehen, wie der Schweif in mehrere Teile zerfalle.

Cain steht für einige Sekunden wie erstarrt. Dann streckt er den Rücken durch und sagt: "Schließt die Türen." Das heißt, niemand darf mehr rein oder raus, erst müssen alle Daten gesichert werden. Nun stehen alle. Cain sieht die TV-Bilder nun selbst auf seinem Bildschirm. Er hält die Hand vor den Mund. Um 9.14 Uhr sagt er ganz ruhig: "Wir müssen mit dem Katastrophenplan beginnen. Flugkontrolleur-Handbuch Seite 2.8-5." Die Männer tragen zerknitterte, durchgeschwitzte Hemden. Hobaugh telefoniert. Leroy Cain legt die Hände vor die Augen.

Lynne, Laurels Schwester, schaut in Florida auf die Digitaluhr neben der Fahne. Gleich. Noch drei Minuten, noch zwei. Ganz steil käme das Shuttle aus der Luft, sechsmal steiler als ein normales Flugzeug. Später will sie mit Laurel an den Strand gehen und sich alles erzählen lassen. Müsste jetzt nicht dieser Knall kommen? Sobald das überschallschnelle Raumschiff naht, soll es einen Knall geben. Zwei Minuten vor der Landung, hatte Jon ihr gesagt. Aber jetzt sind es nur noch 50 Sekunden, und sie hört nichts. 39 Sekunden. Zehn Sekunden. Irgendwas stimmt nicht. Sie schaut zu Jon, dessen Gesicht ist wie Stein. Tapfer fragt sie einen Nasa-Mann neben sich: "Ist das normal, haben die manchmal Verspätung?" Nein, sagt der. Das ist nicht normal. Dann die Ziffer Null. Jetzt fängt die Uhr an, wieder aufwärts zu zählen.

Jon wird zu einem Wagen gebracht. Irgendjemand hat Iain beim Spielen eingefangen. Evelyn, die Frau von Rick, sitzt im selben Auto. Niemand sagt ein Wort. Die Fahrt dauert lange, Jon registriert nur, dass sie zu dem Gebäude fahren, in dem die Crew Unterricht hatte, wenn sie in Florida waren. Es ist 16 Kilometer entfernt. Nach einer Ewigkeit fragt Evelyn: "Was ist denn eigentlich los?" Der Mann hinter dem Steuer sagt: "Warten wir, bis wir dort sind." Lani, die Frau von Willie McCool, ist im Wagen dahinter. Ihr Sohn ruft sie auf dem Handy an. Er hat im Fernsehen gesehen, was Lani ahnt.

Ann Micklos steht noch immer am Rand der Landebahn. Sie wird über Walkie-Talkie informiert. Sie ruft Daves Eltern in Virginia an. Ein Wagen holt sie und ihre Kollegen ab. Sie werden zum Hangar gefahren, in den eigentlich die "Columbia" rollen sollte. Dort sind schon etwa 100 Leute, die die Landung vorbereitet haben. Als Ann sie alle weinen sieht, geht sie nach vorn. Sie sagt: "Guten Tag, ich war vier Jahre lang die Freundin von Dave Brown. Und Dave hat mir gesagt, falls irgendetwas danebengeht, soll ich denjenigen finden, der verantwortlich ist, und ihm sagen, es sei alles in Ordnung. Ich soll sagen, er starb bei dem, was er liebte."

9.20 Uhr. Leroy Cain sagt, alle Nasa-Stellen müssten sofort informiert werden. Man möge sämtliche Daten sichern, bittet er ruhig. Professionell. Nur aus der Nähe sieht man, dass ihm Tränen über die Wangen laufen. Er fragt, ob die Suchtrupps in Dallas bereits informiert seien.

Jon und Iain und die andern werden in das Unterrichtszimmer der Crew gebracht. Der Tisch ist ein großes Oval. Überall liegen die Sachen der sieben. Fotos, die sie unterschreiben wollten. Bücher. Sie setzen sich. Warten. Lani, Evelyn, Rona. All die Kinder. Links neben Jon ist Iain. Vielleicht sind es nur zehn Minuten, vielleicht eine halbe Stunde. Jon weiß es nicht.

Dann endlich kommt Bob Cabana, ein Nasa-Manager. Er weint. Es gebe keine Hoffnung. Wimmern und Schluchzen ergreift den Raum, alle fallen sich in die Arme. Heulklumpen, denkt Jon und ist froh, so von einem Klumpen zum nächsten taumeln zu können. Die Kinder dazwischen. Irgendwann geht er hinaus, über den Flur. In ein Büro. Macht den Fernseher an. Und sieht die Trümmer. Später geht er und sucht Iain. Der ist mit den andern Kindern spielen gegangen.

Lynne ist nicht im Klassenzimmer. Hier wurden nur die Ehepartner hingefahren. Sie wollte mit Jon sprechen, aber alles ging so schnell. Im Gewühl entdeckt sie Kirstie, die Schwester von Willie McCool. Zu ihr rennt sie hin. Sie umarmen sich. Später laufen sie gemeinsam zum Parkplatz. Die Flagge hängt auf halbmast.

Am Nachmittag

tritt bleich und verstört Ron Dittemore vor die Presse, der Chef des Shuttle-Programms. "Heute war ein wunderbarer Tag, um in Florida zu landen. Wir hatten jeden Grund zur Annahme, dass es ein Landetag wie jeder andere sein würde", sagt er. "Wir hatten keine Anzeichen für irgendeine Gefährdung des Raumschiffs." Dittemore kommt aus Spokane, Washington. Er ist auf derselben Air Force Base aufgewachsen wie Michael Anderson. Er hat am selben Zaun gestanden und den Flugzeugen zugesehen. Wie Michael hat auch Dittemore dort seine Frau kennen gelernt, auch seine Eltern leben noch in Spokane. "Wir sind am Boden zerstört", sagt er. "Wir haben sieben Familienmitglieder verloren." Und dass er am Ende für alles verantwortlich sei, sagt er auch. Und dann erklärt er, dass es keine Rettung gegeben habe. Deshalb hätten auch Fotos nichts geholfen. "Es gab nichts, was wir hätten tun können."

6. Februar.

In Palestine, Texas, wird eine verkohlte Videocassette gefunden. Es gelingt Technikern, die ersten 13 Minuten des Bandes wiederzugewinnen. Das Video endet um 8.48 Uhr, drei Minuten nach Eintritt in die Erdatmosphäre. Willie blättert in einem Technikbuch. Rick hat eine Wasserflasche in der Hand. KC sagt, ich nehm sie lieber nach hinten, das ist sicherer. Willie hält Rick den Daumen hoch. Alles okay. Willie zieht seine Handschuhe an. Prüft seinen Druckanzug. Er hat schöne, schmale Hände. Der Handschuh von Rick macht sich selbstständig, schwebt auf Willie zu. Rick fängt ihn wieder ein. Alle Bewegungen sind langsam. Willie studiert seine Instrumente. Laurel schneidet Grimassen. Draußen ist es dunkel, man sieht die Blitze. Rick sagt: "Das könnte Plasma sein. Wir sehen es auch durch die Frontscheibe." Dann sagt er: "Achtet darauf, den Druck eurer Anzüge zu prüfen. Und schließt eure Visiere." Dann schaut er wieder hinaus. "Toll", sagt Willie. "Ganz hell, orange und gelb. Das ist wirklich unglaublich. Es wird echt ziemlich hell da draußen." Rick erwidert: "Ja, da will man nicht draußen sein." KC: "Wollten wir vorher auch nicht." Sie lachen. Willie hält einen Handspiegel hoch, durch ihn betrachtet er Laurel hinter sich. Dann grinst er.

Laurel hält die Kamera, man sieht den Rücken von Willie, dann eine Computertastatur. Das Videobild löst sich auf in ein Raster aus Grautönen. Dann Schwarz. Das Tape endet fünf Minuten vor der Küste Kaliforniens. Fünf Minuten bevor man im Kontrollzentrum die erste Unregelmäßigkeit entdeckt. Elf Minuten vor dem Ende der Funkverbindung.

10. März.

Was von Laurel Clark in den Wäldern von Osttexas gefunden wurde, wird an ihrem 42. Geburtstag beerdigt. Der silberne Sarg mit der US-Fahne wird von einer Kutsche gezogen. Acht Marineinfanteristen heben ihn ins Grab. Laurel liegt auf dem Heldenfriedhof in Arlington, links von ihr Dave, rechts Michael. Jon fällt es noch immer schwer, seinem Jungen zu erklären, warum er nicht auf ihn gehört hat. Aber er bedauert es nicht. Er hat viel darüber nachgedacht in den letzten Wochen. Er würde sie wieder gehen lassen. "Es war es wert", sagt er. "Es war ein Leben wert. Es war sieben Leben wert."

Die Untersuchungskommission geht davon aus, dass es tatsächlich das Stück Isolierschaum war, das der "Columbia" zum Verhängnis wurde. Anders als ursprünglich vermutet, wurden aber nicht die Hitzekacheln beschädigt, sondern eins der RCC-Paneele. In Paneel Nummer acht sei ein Loch entstanden. Es war nicht sehr groß, sonst wäre die "Columbia" viel früher auseinander gebrochen. Durch das Loch drang immer mehr Plasma in den Flügel, das sich durch die Aluminiumhaut des Raumschiffs fraß.

In einer Studie war die Nasa Ende April zum Ergebnis gekommen: Nichts hätte die "Columbia" retten können. Verantwortlich für diese Studie war Leroy Cain, der Flugdirektor der Mission.

Der unabhängige Ausschuss, der den Absturz untersucht, hat diesen Bericht nicht kommentiert. Dessen Vorsitzender, Admiral Harold Gehman, sagte nur, es hätte sicher Möglichkeiten für Rettungsversuche gegeben, hätte man nur nach ihnen gesucht.

Die Kommission wird in den kommenden Wochen ihren Abschlussbericht veröffentlichen.

Auch dass Ron Dittemore, der Programm-Manager aus Spokane, die Nasa verlassen hat, kommentierte Gehman nicht. Bei der Untersuchung gehe es nicht nur um einzelne Namen und einzelne Ursachen. Es gehe um das ganze "Klima innerhalb der Führung" und darum, eine Sicherheitskultur zu verändern, die wiederkehrende Probleme nicht korrigiere. Etwa die Hälfte des Reports werde sich mit Fragen des Managements beschäftigen. Vergangene Woche wurden drei führende Nasa-Mitarbeiter ihrer Posten enthoben.

Steffi Kammerer / print
CO2-Paket2019
Habe mir gerade mal die heutige Koalitionsregelung durchgelesen. GAS soll angeblich bepreist werden, wie Flüssig- & Feststoff-Energien. Frage A: ERD-GAS soll laut früheren Aussagen KEIN bzw. KAUM "Abgase" erzeugen. Erdgas-Auto-Anlagen-Werbe-Slogan: "unser Abgas ist reines Wasser" Frage B: Wir haben Fernwärme (angeblich zu 100% aus RUSSEN-ERD-GAS) ZUDEM sind "unsere" Genossenschafts-Wohnbauten (angeblicher "Neubau" in 1989/90/91 (Erstbezug-Timeline 1991 bis 1992) und voll nach WEST-Standard gedämmt und entsprechend baurechtlich von Westbehörden abgenommen worden. Die Balkondämmungs-VOB-Baugewähr lief bspw. in "unserem" Block in 2006 ab. Die Anzahl der Blocks "unserer" Wohn-Genossenschaft beträgt rund 10 Blocks, die "zusammen in den NK abgerechnet werden" (und auf die m2 der Einzelnen Wohnungen "anteilmäßig umgelegt" werden). FAKTUM: Die jährlichen Heizkosten-VERBRÄUCHE liegen "bei uns" rund 50% niedriger als bei der Landeseigenen-Wohngesellschaft., auf der gegenüber liegenden Straßenseite. Diese haben zur Außen-Sanierung nur "dick Farbe" auf die "dünn verputzten" Kieselstein-Fertigplattenbauten (aus gleicher Bauzeit) aufgetragen. Die Heizkostenstatistik stammt von den Grundsicherungsämtern, die die Miet- & NK von "Bedürftigen" ersatzweise übernehmen. Die Landes-Wohnbaugesellschaften gelten als Treiber der Miet- & NK. Hiermit wurde der Mietspiegel (laut Zahlen der BBU) "preistreibend beeinflusst". FRAGE C: Diese "neue Preistreiberei" NUN, mit der CO2-Bepreisung ab 2019 sowie die "Sanierung der früheren Minmal-Sanierung" wird auch "unseren Mietspiegel" drastisch weiter manipulieren, obwohl es 1. bei "uns" gar keinen "frischen" Handlungsbedarf gibt ! (vollsaniert, GAS-Fernwärme) 2. wir auch den Anbieter NICHT wechseln können, weil der wir Ferngas-Heizung-bestimmt sind, durch Baurecht. 3. weil die Landes-Wohnbausgesellschaft, das, was im eigentlichen Sinn KEINE Sanierung darstellt, als solche definiert (und auf den deren Mietpreis umlegt) ... (Unsinnsbeispiel): so schaffen die gerade die Müllschächte ab und kassieren dafür einen "WohnWerte-Aufschlag" bei den NK, der den Mietspiegel fürden gesamten Nahbereich anhebt. ... (Sanierungs-spielchen): ein Bekannter von mir musste, weil lediglich seine Block-Außenwände "bunt saniert" wurden, 400 Euro (Erstbezug nach Sanierung) für die selbe Wohnung monatlich mehr bezahlen. Er widersprach der Mieterhöhung und es ging vor Gericht. Das Gericht folgt der Landes-Wohnbaugesellschaft und deren Argument, der Bekannte würde schließlich "massiv Enegie einsparen" !!! .... das traf natürlich bis heute (5 Jahre später) niemals zu. Neben den Mietzusatzkosten (KM) sowie den Heizkostensteigerungen (NK) - bei gleichem, extrem hohen Verbrauch - wurde er doppelt bestraft. ... und der Mietspiegel sagt, der "graue" Ghetto-Bezirk sei nun ein "buter und gut sanierter" Luxus-Wohnbestandsbereich ! FRAGE D: demnach macht es auf KEINEN Sinn mehr, ERD-GAS-Taxen & -Busse einzusetzen, nur Wasserstoff- oder E-KFZ ????? SCHLUSSFRAGE: was passiert, wenn diese hohen NEUKOSTEN für die Verbraucher, durch die CO2-Bepreisung wieder einmal ein TEURER NULLEFFEKT -- ohne unabhängige Kontrolle und ohne Strafbewehrung wird ?? Ein 50 Milliarden-Märchen ... das bereits in Stufe 1 (bis 2022) scheitert ?? Vermutlich werden wieder die PRIVATEN Wohnanbieter und PRIVAT-Organisierten Wohn-Genossenschaften die LOOSER sein. Sowie die Verbraucher als Ganzes.
Ich bin Freiberufler und werde diskreditiert!
Ich habe als Freiberufler für eine Firma gearbeitet wo bis zur letzten Minute alles super in Ordnung war. Der nächste Auftrag stand für einen Sonntag und der wurde mir ohne Begründung entzogen ohne Angaben von Gründe und das zwölf Stunden vor Antritt. Nun gut Gespräch mit der Leitung hat ergeben das eine leitende Person ein Statement abgeben hat über die Verkaufs Menge bzw Umsatz. Damit muss ich leben an diesem Tag war nicht los. Habe mich dann bei einer anderen Promotion Agentur beworben und heute ein Gespräch gehabt mit Vorführung meiner Kenntnisse. Bei dieser Präsentation wurde die mir zur Seite gestellte BC während dem Gespräch informiert von Mitarbeitern der anderen Agentur das ich nicht zu gebrauchen wäre und sogar sehr unfreundlich meinen Job verrichten. Aus diesem Grund bin ich dann nicht genommen worden. Als ich Zuhause war habe ich die alte Agentur zur Rede gestellt was das für eine Vorgehensweise wäre dort wurde ich von der Leitung mehr oder weniger kalt gestellt mit den Worten das wäre in der Branche normal man könnte nicht dulden mich dort im Store arbeiten zu lassen das wäre nicht gut für die eigene Mannschaft. Also folgender Problem ergibt sich nun. Da ich in Düsseldorf zuhause bin und dort auch meine Tätigkeit ausübe werde ich in allen Stores nun keine Aufträge mehr erhalten wenn es dieser Agentur gestattet ist ohne ein klärendes Gespräch meinen Ruf zu beschädigen. Bitte um Hilfe da meine LebensGrundlage mir gerade dadurch entzogen wird. Ich glaube es hat etwas damit zutun das ich homosexuelle bin und einer Dame das nicht passt.