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UN-Artenschutzkonferenz: Ein Funken Hoffnung für die Umwelt

Es ging um Naturschutzgebiete, um Biosprit, genmanipulierte Bäume - und um Geld. Auf der UN-Artenschutzkonferenz, an der mehr als 190 Staaten teilnahmen, blieb der große Durchbruch zwar aus. Doch immerhin konnten einige wichtige Fortschritte erzielt werden. Ein Überblick.

Wenn sich mehr als 190 Staaten einigen sollen, kann man wohl keine schnellen Beschlüsse erwarten - sondern höchstens kleine Fortschritte. Seit 1992 besteht das Umwelt-Vertragswerk, auf dessen Basis die Staaten gemeinsam den Naturschutz voranbringen wollen. Doch das große Ziel, bis 2010 den Verlust der Artenvielfalt zu stoppen, ist längst nicht mehr zu erreichen.

Auf der Konferenz, die vom 19. bis 30. Mai in Bonn stattfand, sorgte Deutschland durchaus für Fortschritte. Kanzlerin Merkel versprach zu Beginn des wichtigen Ministersegments eine halbe Milliarde für den Schutz der Wälder; Norwegen hatte vor wenigen Monaten eine ähnliche Summe angeboten.

Fortschritte an den letzten Tagen

Während die Verhandlungen in vielen Bereichen stockten, bevor die Minister zusammen kamen, konnten sich diese doch noch in einigen wichtigen Punkten einigen - etwa auf ein De-facto-Moratorum der Meeresdüngung. Ziel der Eisen-Düngung ist es, eine Algenblüte hervorzurufen, um möglichst viel klimaschädliches Kohlendioxid zu binden. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel nannte dieses Verfahren eine "Ausgeburt menschlichen Denkens, man könne alles in den Griff bekommen", und versicherte: "Es wird jetzt nicht zu der so genannten Ozeandüngung kommen."

Gabriel sprach am Ende des Treffens von einem "sehr guten Ergebnis." Vor Beginn der Konferenz hatte er ein Scheitern nicht ausgeschlossen. Auch Umweltschützer räumten ein, dass Fortschritte gemacht wurden. Laura Ledwith von Conservation International etwa zieht eine positive Bilanz: "Wir sind vor allem zufrieden, dass Fortschritte im Bereich der Naturschutzgebiete erzielt wurden. Aber es ist klar, dass in den kommenden Jahren viel Arbeit vor uns liegt." Etwas verhaltener kommentiert Jörg Roos vom WWF den Ausgang der Konferenz: "Trotz einiger Fortschritte - der große Durchbruch ist leider ausgeblieben."

Vielleicht wird der 2010 bei der nächsten Konferenz in Japan folgen. Zu sehr sollte man darauf allerdings nicht hoffen.

Waldschutz

Das Ziel wird bekräftigt, bis zum Jahr 2010 ein weltweites Schutzgebietsnetz einzurichten. Konkrete Ergebnisse zeigt vor allem die von der Bundesregierung angeregte Life-Web-Initiative, auf deren Grundlage rund 30 Länder die Ausweisung von 65 Millionen Hektar neuer Schutzgebiete angeboten haben.

Zur Finanzierung will Deutschland bis 2012 zunächst 500 Millionen Euro zusätzlich beisteuern, danach jährlich insgesamt 500 Millionen Euro. Beiträge in ähnlicher Größenordnung hatte zuvor auch Norwegen für Waldschutz angeboten. Benötigt wird allerdings ein Vielfaches dieser Summen.

Meeresschutz

Bis 2012 soll auf hoher See ein Netz von Meeresschutzgebieten ausgewiesen werden. Die Kriterien dafür wurden in Bonn vereinbart, was als entscheidender Durchbruch für eine Umsetzung gilt. Maßgeblich soll demnach ausschließlich die ökologische Bedeutung der Gebiete sein. Bislang stehen nur 0,5 Prozent der Meere unter Schutz; künftig könnten es 20 bis 40 Prozent sein. Dies ist ein entscheidender Schritt, denn das Ökosystem Meer ist unter anderem durch Überfischung und Überdüngung bedroht.

Genetische Ressourcen

Auf Grundlage eines "Bonner Mandats" soll bis 2010 ein Abkommen über einen gerechten Vorteilsausgleich bei der Nutzung genetischer Ressourcen geschlossen werden. Schwellen- und Entwicklungsländer wollen damit der "Biopiraterie" von Firmen aus Industriestaaten einen Riegel vorschieben. Die Verbindlichkeit des Abkommens über ein "Access-and-Benefit-Sharing" (ABS) ist teilweise noch unklar; es soll aber feste Regeln für den Zugang zu Ressourcen und für Zertifikate zu deren legaler Nutzung geben.

Biosprit

Hier konnt kein Durchbruch erzielt werden. Lediglich in allgemeiner Form wird anerkannt, dass Biomasse auf nachhaltige Weise erzeugt und genutzt werden soll. Die Auswirkungen sollen bis 2010 bewertet werden. Die Forderung vor allem von EU-Staaten nach konkreten Nachhaltigkeitskriterien scheiterte am Widerstand wichtiger Erzeugerländer wie Brasilien.

Illegale Abholzung

Eine ohnehin allgemein gehaltene Aufforderung an die Mitgliedsstaaten, dagegen vorzugehen, wurde am Freitagnachmittag noch aus dem Beschlusstext gestrichen. Umweltschützer werfen zudem Deutschland und der EU vor, nicht wie angekündigt eine Urwaldschutzrichtlinie oder ein Gesetz vorgelegt zu haben, um den Import von illegal geschlagenem Tropenholz einzudämmen.

Genveränderte Bäume

Auf ein von Umweltschützern gefordertes Verbot verständigte sich die Konferenz nicht. Vereinbart wurden nur vorherige Risikoanalysen. Ansonsten bleibt die Anpflanzung den einzelnen Staaten überlassen. Kritiker befürchten ein starkes Ausbreitungsrisiko.

Hubert Weiger, der Vorsitzende des "Bund", warnte vor dem Einsatz der Gentechnik bei Aufforstungsprogrammen: "Die Freisetzung von genveränderten Bäumen und Terminatorpflanzen muss verboten werden. Wirtschaftliche Interessen machen sich beim drohenden Einsatz der Gentechnik im Wald und der Terminatortechnologie auf dem Acker immer deutlicher bemerkbar", sagte der Umweltschützer.

Meeresdüngung

Einige Staaten, darunter die USA und Australien, wollen durch die großflächige Einleitung von Eisendioxid und anderen Eisenverbindungen ins Meer das Algenwachstum anregen, damit mehr Kohlendioxid absorbiert wird. Kritiker, darunter Deutschland und andere EU-Staaten, warnen vor unkontrollierbaren Risiken. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel wertete die dazu erreichten Beschlüsse als ein "De-facto-Moratorium".

Artenschutzrat

Mit der Studie des indischen Ökonomen Pavan Sukhdev wurde in Bonn ein Einstieg in die wirtschaftliche Bewertung der Artenvielfalt gemacht. Gemäß einem Vorschlag Frankreichs soll es künftig einen wissenschaftlichen "Artenschutzrat" nach Vorbild des Weltklimarats geben. Geplant ist zudem eine Sondersitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen zum Artenschutz. Beraten wurde in Bonn zuletzt noch über Aussagen zu Wechselwirkungen zwischen Biodiversität und Klimaschutz.

Finanzierung

Bis zuletzt gefeilscht wurde auch um die finanzielle Ausstattung des Sekretariats der Biodiversitätskonvention und weiterer Beratungen beispielsweise über das ABS-Abkommen.

AFP/bub / AFP