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Meteorologe zu Extremwetter Häuser sollten in einiger Entfernung zu Flüssen gebaut werden

Das Bild zeigt die überflutete Innenstadt von Simbach am Inn.
Überflutete Straßen in der bayerischen Stadt Sinnbach am Inn: Ist der Klimawandel Schul am aktuellen Extremwetter?
© Sven Hoppe/DPA
In Bayern treten Flüsse über die Ufer und verwüsten ganze Städte. Auch im Rest der Republik toben heftige Schauer und Gewitter. Wie beurteilt ein Meteorologe das Extremwetter? Ist es ein Vorbote des Klimawandels? Und müssen wir damit in Zukunft häufiger rechnen?

Starkregen und Unwetter: Die Wetterextreme über Deutschland halten an. Aufgrund der Niederschläge haben bayerische Städte mit schweren Überflutungen zu kämpfen. Die Wasserpegel stiegen in den vergangenen Tagen binnen Minuten und rissen alles mit sich, was sich ihnen in die Quere stellte: Sitzbänke, Bäume, ja sogar Autos. In den Fluten starben sechs Menschen.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gibt auch für die kommenden Tage keine Entwarnung: "Es kommen neue Niederschläge nach Deutschland, die auch wieder Unwetterpotenzial haben." Wo die Unwetter zu erwarten seien, sei noch unklar, erklärte ein Sprecher. Abzusehen ist aber, dass die teils kräftigen Gewitter vor allem in der Südhälfte von Nordrhein-Westfalen bis in die Nacht zum Samstag anhalten könnten.

Unwetter, Starkregen – welche Rolle spielt der Klimawandel?

Nach Auffassung von Peter Hoffmann, Meteorologe am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, könnten extreme Wetterlagen wie diese in Zukunft zunehmen: "Sommerliche Gewitterlagen gehören zu der Jahreszeit dazu. Klar ist aber, dass sie eine neue Dimension bekommen, wenn sich das Klima erwärmt. Je wärmer es ist, umso mehr Wasser nimmt die Atmosphäre auf. Fällt Niederschlag, kann dieser besonders intensiv ausfallen."

Für die aktuelle Wetterlage sorgt ein schwaches Tief, das zentral über Mitteleuropa liegt. "Es ist stationär, das heißt, es bleibt über einen längeren Zeitraum an Ort und Stelle versorgt uns fortwährend mit feuchtwarmen Luftmassen. Das führt zu lokalen Unwettern."

Klimawandel könnte Hitze, Dauerregen und lokale Unwetter begünstigen

Der Klimawandel könne dazu beitragen, dass Wettersysteme – wie im aktuellen Fall – länger stabil blieben, so Hoffmann. Schuld daran sei die Erwärmung der Arktis. "Als Folge wird der Temperaturunterschied zwischen hohen und niedrigen Breiten geringer. Dieser Temperaturunterschied  ist allerdings der Antrieb für die Windsysteme in unseren Breiten." Schwächen sich die Winde ab, verharren Wettersysteme eher an Ort und Stelle – es fällt Dauerregen, gewittert immer wieder oder ist über einen längeren Zeitraum heiß und trocken. "Die Vielfalt möglicher extremer Wetterlagen ist groß", erklärt der Experte.

Es sei schwierig, sich auf solche Wetterlagen vorzubereiten oder zu schützen, glaubt Hoffmann. Insbesondere lokale Unwetter lassen sich kaum vorhersagen. Doch für Phasen mit anhaltendem Regen sei es künftig wichtig, den Flüssen mehr Raum und Platz zu geben. Hoffmann: "Häuser und Wohngebiete sollten perspektivisch in einiger Entfernung zu Flüssen gebaut werden." 

Meteorologe zu Extremwetter: Häuser sollten in einiger Entfernung zu Flüssen gebaut werden
ikr, mit DPA

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