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Aaron Schock: "Downton Abbey" überführt US-Politiker des Steuerbertrugs

Der US-Politiker Aaron Schock musste seinen Sitz im Kongress abgeben, weil er Steuergelder missbrauchte. Ein Zimmer aus der TV-Serie "Downton Abbey" brachte den Skandal ans Licht.

Von Lisa-Marie Eckardt

Der US-Kongressabgeordnete Aaron Schock: Ein extravagantes Büro führte zu seinem Rücktritt.

Der US-Kongressabgeordnete Aaron Schock: Ein extravagantes Büro führte zu seinem Rücktritt.

Die britische Fernsehserie "Downton Abbey" ist in den USA einem Politiker zum Verhängnis geworden. Der Abgeordnete Aaron Schock aus dem Staate Illinois musste am Dienstag seinen Rückzug aus dem Kongress bekannt geben, wie die US-Nachrichtenseite "Politico" berichtete. Der Grund: Der 33-Jährige Republikaner hatte Steuergelder unter anderem für Reisen und sein privates Auto missbraucht. Aufgedeckt wurde der Skandal durch ein Zimmer aus der TV-Serie "Downton Abbey".

Anfang Februar hatte die "Washington Post" Bilder von Schocks neuen Washingtoner Büroraumen in ihrer Style-Rubrik veröffentlicht. Aufgefallen waren die Räume durch einen extravaganten Stil: knallrot getrichene Wände, golden lackierte Leuchter, Bilder mit nostalgischen Fotos, ein Tisch gestützt von zwei Adlern, dekoriert mit Fasanenfedern.

Die Erklärung dazu lieferte Innendekorateurin Annie Brahler von der Firma Euro Trash den Reportern: Die Inspiration für Schocks ausgefallenes Büro stamme von dem Red Room aus "Downton Abbey".

Ein Blick in das von "Downton Abbey" inspirierte Büro des US-Politikers Aaaron Schock

Ein Blick in das von "Downton Abbey" inspirierte Büro des US-Politikers Aaaron Schock

Ein rotes Zimmer deckt den Skandal auf

Was zunächst nur wie eine kuriose Geschmacksfrage aussah, entpuppte sich als Skandal: Denn dummerweise erzählte Brahl auch noch, dass ihre Dienste kostenlos gewesen seien, der Abgeordnete habe nur die Materialien bezahlt. Damit brachte sie den Stein ins rollen.

Eine der sogenannten Watchdog-Gruppen, "Citizens for Responsibility and Ethics", mutmaßte, es handele sich bei Brahlers Diensten wohl um ein Geschenk. Das ist einem Abgeordneten verboten. Schock versprach daraufhin zwar, er werde Brahler bezahlen. Doch damit ließ sich nicht mehr verhindern, dass er nun etwas genauer unter die Lupe genommen wurde.

Der Politiker gilt als einer der aufstrebenden Kandidaten der Republikaner. Schock ist bekannt für seine Präsenz in sozialen Netzwerken. Regelmäßig postete er Bilder bei Instagram, die ihn auf Reisen, beim Surfen, Skifahren, Rafting oder Bodybuilding zeigen. Mit seinen Bauchmuskeln schaffte er es sogar auf das Cover der "Men's Health".

Reisen, Autos und Katy Perry

"Downton Abbey" habe er nie gesehen, sagte Schock. Doch die Bilder von den Reisen weckten nach dem extravaganten Büro noch mehr Interesse bei den Journalisten. Sie fingen an zu recherchieren und stießen auf immer mehr Verdächtiges. Dabei kam einiges heraus:

- Schock soll laut Nachrichtenagentur AP mehr als 40.000 Dollar Steuergeld für dienstliche Reisen in Privatflugzeugen eines Wahlkampfspenders bezahlt haben. Rekonstruiert werden konnten Reisen unter anderem mit den Ortsagaben auf Schocks Istagram-Bildern.

- Für Fahrten mit seinem privaten Auto stellte er dem Staat 123.131 Meilen in Rechnung. Als er den Chevrolet Tahoe verkaufte, standen jedoch nur 81.680 Meilen auf dem Tacho, schreibt der "Politico". Im vergangenen Jahr habe er sich einen neuen Tahoe gekauft, mit Steuergeld. Zugelassen ist der Wagen jedoch auf ihn als Privatperson.

- Auf eine Dienstreise nach New York nahm Schock laut "Chicago Sun-Times" mindestens zehn seiner Mitarbeiter mit - obwohl diese dort kaum etwas zu tun hatten. Bezahlt wurden die Kosten von rund zehntausend Dollar aus Steuergeldern.

- Laut AP bezahlte er Tickets für ein Katy-Perry-Konzert für sich und seinen Praktikanten mit Geld von seiner Wahlkampforganisation. Insgesamt soll Schock für solche Events 24.000 Dollar ausgegeben haben.

- 2012 verkaufte Schock sein Haus laut Medienberichten an einen Wahlkampfspender für 925.000 Dollar. Der Verkaufspreis lag deutlich über dem eigentlichen Wert des Hauses, hieß es.

In einem Interview mit "Politico" konnte Schock nicht mit Sicherheit sagen, dass er nicht das Gesetz gebrochen habe.

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