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"Heldin der Revolution" Vergewaltigte Libyerin flieht nach Tunesien


Durch ihren Mut, vor Journalisten über ihre Vergewaltigung zu sprechen, wurde sie zum Symbol des Widerstands gegen den libyschen Machthaber Gaddafi. Nun ist Iman al Obaidi nach Tunesien geflohen. Geholfen hat ihr ein übergelaufener Offizier.

Ein zu den Aufständischen übergelaufener Offizier hat der libyschen Revolutionsikone Iman al Obaidi geholfen, nach Tunesien zu fliehen. Die junge Libyerin war von vielen Landsleuten für ihren Mut bewundert worden, nachdem sie Ende März vor ausländischen Reportern in Tripolis berichtet hatte, sie sei von Angehörigen der Truppen von Machthaber Muammar al Gaddafi vergewaltigt worden. Auf einer Website der Aufständischen hieß es, ein Hauptmann und ein Ingenieur hätten viel riskiert, um die Frau jetzt von Tripolis nach Tunesien zu bringen.

Al Obaidi war nach ihrem Gespräch mit den Reportern in einem Hotel von Geheimdienst-Spitzeln verschleppt und drei Tage lang festgehalten worden. Später sei sie immer wieder von Beamten und Regimeanhängern beschimpft worden, hatte sie damals berichtet.

Ihre traurige Geschichte und ihr Mut, unter der Gaddafi-Diktatur offen darüber zu sprechen, machten die Frau zu einer Symbolfigur für die Regimegegner. Die Überfahrt nach Tunesien beschrieb al Obaidi gegenüber dem US-Nachrichtensender CNN als "ermüdend". In dem Fahrzeug des Offiziers, das in Libyen an mehreren Kontrollpunkten angehalten wurde, habe sie in voller Verschleierung gesessen. Dadurch sei sie nicht weiter aufgefallen. Der Offizier habe über Sondergenehmigungen verfügt, die ihm die Fahrt an die Grenze mit seiner Familie ermöglichten. Europäische Diplomaten holten sie an der tunesischen Grenze ab und brachten sie an einen sicheren Ort in Tunis, hieß es in dem CNN-Bericht.

Aufständische erobern Dorf bei Misrata

Die libyschen Aufständischen meldeten unterdessen, sie hätten ein Dorf im Westen der seit Wochen umkämpften Stadt Misrata erobert. Die Truppen von Gaddafi hätten bei der Schlacht um das rund 25 Kilometer von Misrata entfernte Dorf al Soreiki große Verluste erlitten. "Nachdem die Revolutionäre al Soreiki unter ihre Kontrolle gebracht haben, wollen sie versuchen, auch die nächste Ortschaft al Dafinija einzunehmen", meldete ein TV-Sender der Aufständischen.

Der arabische Nachrichtensender al Arabija berichtete, bei den Kämpfen in dem Gebiet seien auch sechs Aufständische getötet worden. Ein Sprecher der Rebellen dementierte unterdessen Berichte der Staatsmedien, wonach sich mehrere Kämpfer aus der Stadt Misrata den Regierungstruppen ergeben haben sollen.

Die Nato bestritt derweil Vorwürfe, die Schiffe des Bündnisses kämen Flüchtlinge aus Libyen in Seenot nicht zu Hilfe. Die britische Zeitung "The Guardian" hatte zuvor berichtet, ein Flugzeugträger habe Ende März ein Boot mit Flüchtlingen auf dem Weg nach Lampedusa seinem Schicksal überlassen. 61 Menschen seien gestorben. Eine Nato-Sprecherin sagte, damals sei nur ein italienischer Flugzeugträger im Mittelmeer unterwegs gewesen, der sich rund 100 Seemeilen von dem Boot entfernt befunden habe.

mlr/DPA DPA

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