"Obama gebräunt" Berlusconi sorgt für Empörung


Silvio Berlusconi ist für peinliche Ausrutscher bekannt. Mit seiner jüngsten Bemerkung über den "gebräunten" künftigen US-Präsidenten Barack Obama hat sich Italiens Regierungschef jetzt einen besonders dicken Patzer geleistet - und einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

In der Selbstwahrnehmung des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi war es ein Kompliment für den neugewählten US-Präsidenten Barack Obama, nach Ansicht seiner Kritiker ein beschämender Fehltritt: Bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew beschrieb Berlusconi Obama als "jung, ansehnlich und sogar gebräunt".

Der einzige schwarze Abgeordnete Italiens, Jean-Leonard Touadi, reagierte entsetzt: In den USA sei dies nicht nur politisch unkorrekt, sondern eine Beleidigung. "Signor Ministerpräsident, der einzige Gebräunte hier sind Sie", sagte Touadi. An der gelungenen Integration in Amerika sollte sich Berlusconi ein Beispiel nehmen.

Die römische Tageszeitung "La Repubblica" hob Berlusconis "rassistischen Witz" in großen Lettern auf die Titelseite und berichtete auch von ersten Protesten in den USA. Oppositionsführer Walter Veltroni, der sich selbst gern "Italiens Obama" nennen lässt, erklärte in Rom: "Bild und Würde Italiens sind schwer beschädigt." Berlusconi solle sich sofort entschuldigen.

Berlusconi verteidigte sich mit dem Hinweis, es sei doch ein großes Kompliment gewesen. "Warum nehmen sie das negativ auf?" fragte der 72-Jährige seine Kritiker. "Wenn sie das Laster haben, keinen Humor zu haben, umso schlimmer für sie", wurde er von der italienischen Nachrichtenagentur ANSA zitiert. Seine Kritiker nannte er ferner "Blödmänner, von denen es zu viele gibt."

Die Äußerung Berlusconis fielen am Donnerstag bei einem Besuch in Moskau, als der Gast aus Italien von Reportern gefragt wurde, wie er die Zukunft der amerikanisch-russischen Beziehungen sehe. Berlusconi antwortete, es sollte einfacher für Moskau und Washington werden, wieder zusammenzuarbeiten, da Medwedew mit 43 und Obama mit 47 Jahren relativ jung seien. Dann sagte er lächelnd: "Ich habe ihm (Medwedew) gesagt, dass er (Obama) alles hat, um Vereinbarungen mit ihm zu erreichen: er ist jung, ansehnlich und sogar gebräunt." Medwedew zeigte keine sichtbare Reaktion auf diese Äußerung.

George-W.-Bush-Freund Berlusconi hatte sich schon mit dem offiziellen Glückwunsch an den nächsten US-Präsidenten Zeit gelassen und schwergetan. Und auch als in den USA noch der Wahlkampf tobte, hatte der Politiker mit der immer frisch gefärbten Schläfe und dem Sonnenstudio-Look in einer typischen Bemerkung klar gemacht, wen er gern im Weißen Haus sehen würde: John McCain. Dann wäre er, Silvio, beim nächsten G8-Gipfel auf der italienischen Insel La Maddalena wenigstens nicht der älteste unter den Staatschefs, sagte Berlusconi.

Nicht Berlusconis erster Fehltritt

Die "New York Times" und CNN griffen den Faux-Pas vom "sun-tanned" Obama genüsslich auf, nach dem Motto etwa: Hier haben wir ihn wieder, den Mann, der sich doch auch schon selbst mit Gott, Napoleon oder einem Heiligen verglichen hatte. Schließlich ist es ist nicht das erste Mal, das Berlusconi in ein politisches Fettnäpfchen tritt. So sagte er kürzlich über die spanische Regierung, es gebe darin zu viele Frauen. Im Jahr 2005 deutete Berlusconi an, der finnischen Präsidentin Tarja Halonen den Hof gemacht zu haben, damit sie Italien in der EU in einer bestimmten Frage unterstütze: "Ich musste all meine Playboytricks nutzen, obwohl ich sie eine Zeit lang nicht mehr angewendet habe." Die finnische Regierung bestellte daraufhin den italienischen Botschafter ein und forderte eine Klarstellung.

Den deutschen Europaabgeordneten Martin Schulz bezeichnete Berlusconi 2003 nach dessen Kritik an ihm als Idealbesetzung für einen Kapo - das ist ein KZ-Wächter - in einem Film. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erklärte Italiens Regierungschef, die westliche Zivilisation sei dem Islam überlegen.

mad/AP/DPA AP DPA

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