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11. September: Ferngelenkte Flugzeuge?

Bücher über Verschwörungen, die die Rolle der USA anzweifeln, sind Bestseller. Im Internet wimmelt es von Seiten, auf denen die vermeintliche Wahrheit über den 11. September verkündet wird.

Der Rauch hing noch über den Trümmern des World Trade Centers, da machten schon die ersten Verschwörungstheorien die Runde. In dem einstürzenden Gebäude sei das Gesicht einer Teufelsfratze zu sehen; Nostradamus habe die Terroranschläge vom 11. September prophezeit, hieß es da. Noch immer halten sich Lügen und Halbwahrheiten hartnäckig, auch wenn nach bisherigen Erkenntnissen nichts dagegen spricht, dass wirklich Terroristen am Werk waren.

Bücher über Verschwörungen, die mit Vorliebe die Rolle der USA anzweifeln, sind in Deutschland zu Bestsellern geworden. Im Internet wimmelt es von Seiten, auf denen die vermeintliche Wahrheit über den 11. September verkündet wird. "Nichts verkauft sich heute so gut wie miserable Bücher über die große Weltverschwörung", schreibt Hans Leyendecker, Autor der "Süddeutschen Zeitung". "Sind wir noch zu retten?"

Aus dem Weißen Haus ferngesteuert

Es sei dabei schick, besonders absurde Frage zu stellen, meint Leyendecker. "Kamen George W. Bush die Anschläge von Washington und New York ebenso gelegen wie Adolf Hitler der Reichstagsbrand? Wurden die Flugzeuge, die in die Twin Towers flogen, aus dem Weißen Haus ferngelenkt? Hat Jeb Bush, der Bruder des Präsidenten, im Auftrag der Familie wichtiges Beweismaterial beiseite geschafft?"

Auch für den "Spiegel" gehen die Verschwörungstheorien teilweise schon ins Absurde. Die Autoren der Titelgeschichte "Panoptikum des Absurden" in der neuesten Ausgabe des Nachrichtenmagazins schreiben außerdem, dass die Autoren der Verschwörungs-Bücher Fakten und Aussagen zum Teil weggelassen oder falsch interpretiert hätten, um ihre Theorien passend zu machen.

Unwissen als Beleg

"Jedes scheinbar unstimmige Detail dient als Indiz für falsch gelegte Spuren", schreiben die "Spiegel"-Journalisten. Statt die angeblichen Widersprüche durch eigene Recherchen aufzuklären, machten die Autoren (der Bücher) "ihre Wissenslücken zum Beleg für angebliche Manipulationen undurchsichtiger Geheimdienstler und Polizisten, fragen und insinuieren".

Zu den prominenten Verschwörungsanhängern gehört der ehemalige Forschungsminister und Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Andreas von Bülow (66), der auch Mitglied der parlamentarischen Kontrollkommission für die Geheimdienste war. Ebenfalls dazu gehört der ehemalige "taz"- Redakteur Mathias Bröckers (49).

Spekulation über Geheimdienste und Militärs

Letzterer erreichte mit seinem ersten 11.9.-Buch beim Zweitausendeins Verlag die 31. Auflage und verkaufte es etwa 130 000 Mal. "Seine Spuren weisen ins Zentrum der Macht, die jetzt angetreten ist, die Welt vom Terror zu befreien: Geheimdienste und Militärs", heißt es nun über sein neues Buch. Zweitausendeins-Verleger Lutz Kroth steht hinter Bröckers Werk. Er weist den Vorwurf der fehlenden Recherche zurück. "Wir bitten um die Diskussion der Fakten", sagt er.

Urheber: US-Regierung

Laut einer Umfrage der "Zeit" aus diesem Jahr vermutet fast jeder fünfte Deutsche (19 Prozent) die US-Regierung als Urheber der Terroranschläge. Bei den Jüngeren ist die Zahl sogar noch höher: Fast jeder dritte Deutsche unter 30 Jahren hält es für möglich, dass die US-Regierung die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon selber in Auftrag gegeben hat. "Deutsche mit Dachschaden", titelte daraufhin die linksalternative "taz", bekam dafür wiederum kritische Leserzuschriften und stellte ein Comeback der antiamerikanischen Ressentiments fest.

Auch in Frankreich finden Verschwörungstheorien ihre Anhänger. Im März 2002 erschien "Der 11. September 2001 - Die entsetzliche Hochstapelei" von Thierry Meyssan. Das Buch bestreitet, dass die WTC- Türme allein wegen der Flugzeugeinschläge eingestürzt sein können, und es bestreitet auch den Flugzeugabsturz auf das Pentagon. Einige Monate später erschien allerdings die Antwort eines Gegners unter dem Titel "Die entsetzliche Lüge - Thesen und Blödsinn über die Attentate vom 11. September". Meyssan legte mit dem vielsagenden Titel "Pentagate" nach.

Das Versagen der Geheimdienste Thema in den USA

Im Gegensatz zu anderen Ländern gibt es in den USA, wo viele jemanden kennen, der in den Türmen des zusammenstürzenden World Trade Centers oder im Pentagon ums Leben kam, kaum abstruse Verschwörungstheorien. Dagegen sorgen Bücher und Artikel über das Versagen der Geheimdienste oder die angebliche Verbindung zwischen El Kaida und den saudischen Verbündeten der USA für Furore.