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Abschießspiel der FPÖ: Onlinekanonen für Spatzenhirne

In Österreich hat ein Minarett-Abschießspiel der rechten FPÖ eine heftige Debatte ausgelöst. Das Spiel wurde inzwischen abgeschaltet, doch Ausländer- und Islamfeinde sind im österreichischen Wahlkampf scheinbar salonfähig.

Von Sebastian Huld

Abgründe tun sich auf: Eben noch blickt der Betrachter auf die idyllische Bergwelt der Steiermark. Die Sonne scheint über dem Alpenparadies und im Hintergrund dudelt ein Akkordeon eine zünftige Melodie. Plötzlich geschieht das Unfassbare: Minarette steigen aus dem Boden auf, verdecken das Alpenpanorama. Moscheen türmen sich vor Kirchen und Fachwerkhäusern. Muezzine laufen durchs Bild, schreien "Allahu akbar" und die schöne Heimatmusik ist kaum mehr zu verstehen. Die Steiermark wird islamisiert.

Dieses vermeintliche Horrorszenario bildet den Plot für das vielleicht perfideste Computerspiel, dass sich eine europäische Partei bislang hat einfallen lassen. Es handelt sich um das Browser-Game "Moschee Ba Ba" (Österreichisch für "Tschüss Moschee"), das die rechte FPÖ auf ihrem Onlineportal für das Bundesland Steiermark platziert hat. Der Spitzenkandidat der FPÖ Steiermark für die Landtagswahlen, Gerhard Kurzmann,wirbt mit diesem Spiel für sich und seine harte Haltung gegenüber Muslimen. Denn die Pointe des Spiels ist, dass der Spieler per Mausklick die Minarette, Moscheen und Muezzine stoppen kann. Das Layout erinnert dabei an Shooter-Spiele wie "Moorhuhn". Der Islam wird aus der Steiermark herausgeballert.

Ins Abseits geballert

Mit "Moschee Ba Ba" ballert sich aber vor allem die FPÖ ins politische Abseits. Seit Tagen stehen Kurzmann und seine Partei in den Schlagzeilen, das Spiel stößt auf einhellige Ablehnung. Längst ist das Hassspiel ein Fall für die Justiz. Die österreichischen Grünen haben Anzeige erstattet wegen Verhetzung und Herabwürdigung einer religiösen Lehre. Auch die Islamische Glaubensgemeinschaft In Österreich (IGGIÖ) hat eine Klage eingereicht. Doch die Ermittlungen liegen auf Eis, zuerst muss die parlamentarische Immunität des Abgeordneten Kurzmann aufgehoben werden. Obwohl Gerhard Kurzmann das Spiel "selbstverständlich" auf der FPÖ Steiermark-Homepage belassen wollte, wurde das Spiel heute Nachmittag. Ein Pop-up informiert: "Aufgrund der Einflussnahme unserer politischen Gegner wurde dieses Spiel durch die österreichische Justiz verboten!". Tatsächlich hat die Staatsanwaltschaft Graz nach dem Mediengesetz die Abschaltung des Spiels bewirkt. Die Ermittlungen gegen Kurzmann haben sich damit aber nicht erledigt.

Die FPÖ provoziert seit Jahren immer wieder mit ausländerfeindlichen Parolen. So hat sie es unter ihrem ehemaligen, inzwischen verstorbenen, Vorsitzenden Jörg Haider in ein Regierungsbündnis mit der konservativen Volkspartei ÖVP geschafft. Haider hatte sich 2005 mit dem Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) von der FPÖ abgespalten, Heinz-Christian Strache folgte ihm an die Spitze der FPÖ. Seitdem versuchen sich die beiden Rechtsaußenparteien in ihrer Heimatliebe und mit Hassparolen zu übertrumpfen. Das Online-Spiel "Moschee Ba Ba" markiert dabei einen neuen Höhepunkt der Geschmacklosigkeit.

Wahlkampf mit Ressentiments

Auch wenn das Spiel nur für die Wahlkampfkampagne der FPÖ Steiermark verwendet wurde, distanziert sich die Bundespartei nur bedingt von "Mosche Ba Ba". FPÖ-Chef Strache sagte gegenüber dem österreichischen "Standard" er hätte seinem Parteifreund dieses Spiel "nicht angeraten." Die Anzeigen wegen Verhetzung kann Strache allerdings nicht nachvollziehen. "Das ist nachweislich kein Schießspiel." Diese Haltung verwundert nicht, denn Strache, der als Spitzenkandidat in Wien antritt, versucht ebenfalls mit islamfeindlichen Sprüchen, Stimmung für seine Partei zu machen. So prangt auf einem Wahlkampfplakat neben seinem Gesicht der krude Reim: "Mehr Mut für unser ‘Wiener Blut’. Zu viel Fremdes tut niemandem Gut." Ein anderer Wahlkampfspruch der FPÖ lautet "Sarrazin statt Muezzin" Die teilweise rassistischen Thesen des deutschen (Noch-)Bundesbankvorstands sind im rechten Lager Österreichs auf Begeisterung gestoßen. Zumindest hier wird Thilo Sarrazin für seine Äußerungen gefeiert. Der Rechtsruck in Österreich hat aber auch die politische Mitte erreicht. Die eigentlich moderate ÖVP hat mit Innenministerin Maria Fekter eine Scharfmacherin in den eigenen Reihen. Fekter schlug im Wahlkampf unter anderem vor, Asylbewerbern eine Ausgangssperre aufzuerlegen. Fremdenfeindlichkeit und Islamophobie sind scheinbar legitime Wahlkampfthemen in Österreich.

Der Kampf gegen die "Islamisierung der Steiermark" kann übrigens virtuell nicht gewonnen werden. Unweigerlich scheitert der "Moschee Ba Ba"-Spieler nach einer gewissen Zeit. Die Flut von Moscheen und Minaretten reißt einfach nicht ab. Das Spiel geht verloren, es erscheint der Wahlkampfaufruf: "Die Steiermark ist voller Minarette und Moscheen! Damit das nicht geschieht: Am 26. September Dr. Gerhard Kurzmann und die FPÖ wählen!" Woher diese Angst stammt, bleibt allerdings unklar. Bei der letzten Volkszählung in Österreich im Jahr 2001 bekannten sich mit knapp 19.000 Menschen gerade einmal 1,6 Prozent der Steiermarker zum Islam. Damit ist die Steiermark gemeinsam mit dem Burgenland das österreichische Bundesland mit den wenigsten Muslimen.