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Afghanistan-Besuch: Die Guttenbergs auf dem Boulevard

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg auf Frontbesuch in Afghanistan - im Schlepptau hat er seine Frau Stephanie und TV-Talker Johannes B. Kerner. Ein PR-Stunt in der Vorweihnachtszeit.

Ein Kommentar von Axel Vornbäumen

Sieben Mal war Karl-Theodor zu Guttenberg in seiner gut einjährigen Amtzeit nun schon bei der Truppe am Hindukusch. Das ist eine ziemlich enge Taktung, selbst für einen Verteidigungsminister. Guttenberg hat versprochen, sich an diesen Rhythmus zu halten. Wenn man ihm also eines nicht vorwerfen kann, dann den Umstand, er habe die Bundeswehr in Afghanistan aus dem Auge verloren. Niemand, der bei Verstand ist, behauptet das.

Im Gegenteil. Der Krieg am Hindukusch ist Guttenbergs zentrales Aufgabenfeld, und das aus gutem Grund. Mehr noch als eine passabel gestaltete Bundeswehrreform würde ein geregelter Abzug der deutschen Soldaten aus Afghanistan als Bonus auf das Karrierekonto des ambitionierten CSU-Politikers gebucht. Um es in den zynischen Denkkategorien der Machtpolitik zu formulieren: Karl-Theodor zu Guttenberg hat in Afghanistan viel zu gewinnen. Schon in eigenem Interesse muss er also sehen, dass das Thema weit oben auf der Aufmerksamkeitsagenda angesiedelt ist.

Wahl der Mittel

Nun hat er sich in der Wahl seiner Mittel vergriffen: Durch die Mitnahme seiner Frau Stephanie und des TV-Softtalkers Johannes B. Kerner an die Front in Kundus hat Guttenberg die Bundeswehrsoldaten zur Kulisse für seine eigene PR-Show degradiert. Was im Gewand von angeblicher Ernsthaftigkeit und Anteilnahme daher kommt, ist in Wahrheit ein weiterer Ausflug in die Kitschwelt des Boulevard. Die Frage nach der richtigen "Ausrüstung" bekommt angesichts des Holzfällerhemdes der Ministergattin plötzlich einen ganz anderen Touch.

Wer anderes behauptet, sollte sich kritisch prüfen, was bei ihm selbst von dem Besuch der Guttenbergs hängen geblieben ist - es sind eher die Bilder der beiden inmitten lächelnder Soldaten als die rundgeschliffenen Solidaritätsadressen, zu deren Abgabe die Gattin vorgeblich mitgereist ist. Dass sich die Soldaten über ein bisschen Abwechslung in der Vorweihnachtszeit freuen - geschenkt. Interessanter ist schon, wie schal der Nachgeschmack ist, wenn sie nach Abreise der Guttenbergs die Doppelbödigkeit des Besuchs wahrnehmen.

Gabriel und die Katzenberger

Jetzt fehle beim nächsten Mal nur noch "Frau Katzenberger", stichelt SPD-Chef Sigmar Gabriel - und wahrscheinlich würden sich die Soldaten über die dralle Blondine aus dem Trash-Fernsehen tatsächlich nicht minder freuen. Gabriel meinte es aber als Stilkritik. Sie zielt indes daneben. Hinter der Fantasie, wen mitzunehmen Guttenberg sich in Zukunft noch trauen wird, bleibt zurück, dass der Minister bereits diesmal eine Grenze überschritten hat. Was aber kann noch kommen? Ein Weihnachtskonzert in Kundus, dirigiert von Karl-Theodors Vater Enoch zu Guttenberg? Ein Überraschungskonzert vor der Truppe von AC/DC, der vermeintlichen Lieblingsband des Ministerehepaars, zu deren Auftritten die Guttenbergs ebenfalls das passende Outfit im Schrank haben. Alles scheint möglich. Die Soldaten dürfen gespannt sein. Dass Guttenberg AC/DC eigentlich längst nicht mehr hören kann, muss die Erwartungen nicht über Gebühr dämpfen. Solange es seinem Image förderlich ist, wird auch das wahrscheinlich nicht völlig utopisch sein. Und zur Not gibt es ja auch Ohrstöpsel. Davon hat die Bundeswehr wirklich genug.

Hier lesen Sie das komplette Pro und Contra zu Guttenbergs Afghanistan-Besuch"