Afghanistan-Rückzug Nato hält am Zeitplan fest

Trotz der jüngsten Rückschläge in Afghanistan hält NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Plan fest, zum Jahreswechsel mit der Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die einheimischen Sicherheitskräfte zu beginnen.

Trotz der jüngsten Rückschläge in Afghanistan hält NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Plan fest, zum Jahreswechsel mit der Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die einheimischen Sicherheitskräfte zu beginnen. "Das ist noch immer ein realistisches Ziel", sagte er am Freitag zum Abschluss eines NATO-Verteidigungsministertreffens in Brüssel.

Am Vortag hatte der NATO-Oberkommandierende für Afghanistan, US-General Stanley McChrystal, eine Verzögerung der Kandahar-Großoffensive bekanntgegeben. Grund sei, dass die Taliban in der Bevölkerung nicht als verhasste Besatzer wahrgenommen würden und sich die Afghanen nicht von den ausländischen Truppen beschützen lassen wollten.

Um die Versorgung ihrer Einheiten zu sichern, nahm das Bündnis eine neue Nachschubroute über Russland und Zentralasien in Betrieb. Dies soll eine wichtige Alternative zu den Linien durch Pakistan schaffen, die von Aufständischen heftig attackiert werden. Der erste Nachschub über die neue Route sei am 9. Juni eingetroffen, erklärte die NATO in Brüssel.

Russland hatte zwar schon vor drei Jahren sein Territorium als Nachschublinie angeboten, die NATO griff dieses Angebot aber erst im vergangenen Jahr auf. Die Verhandlungen mit mehreren zentralasiatischen Staaten über Transitrechte zogen sich noch über Monate hin.

Der Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Christian Schmidt, gab unterdessen bekannt, dass sich Deutschland an einem NATO-Raketenabwehrschild für Europa beteiligen will. "Wir müssen einen einheitlichen Raum der Sicherheit in Europa gestalten", sagte er in Brüssel.

NATO-Chef Rasmussen wirbt für den Raketenschirm und will auf dem Bündnisgipfel im November einen Beschluss aller 28 NATO-Mitgliedsstaaten erreichen. Deutschland hatte sich bis zum Freitag nicht dazu positioniert. Die Initiative sei jetzt "besonders gut und wichtig", sagte Schmidt. So könne man von bilateralen Überlegungen zwischen den USA und Polen sowie zwischen den USA und Tschechien wegkommen zu einem Schutzschirm in Europa, für die Europäer und mit den Europäern.

Bei dem Projekt geht es nicht um eine Aufrüstung, sondern um eine Ausweitung eines Abwehrsystems für NATO-Einsätze auf den gesamten Kontinent. Die Vernetzung der bestehenden Systeme ist laut Rasmussen für weniger als 200 Millionen Euro binnen zehn Jahren zu erreichen. Damit ist allerdings auch nur eine Abwehr von Kurz- und Mittelstreckenraketen möglich.

APN APN

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