Afghanistan Taliban überfallen UN-Gästehaus in Kabul


Taliban-Terroristen haben in Kabul ein Gästehaus der Vereinten Nationen gestürmt. Dabei starben zwölf Menschen, darunter sechs ausländische UN-Mitarbeiter. Auch in Pakistan schlugen Terroristen zu. Ein verheerender Anschlag auf einem Markt in Peshawar forderte mindestens 50 Todesopfer.

Zehn Tage vor der Stichwahl um das Präsidentenamt in Afghanistan sind bei einem Taliban-Angriff in der Hauptstadt Kabul mindestens zwölf Menschen, darunter sechs ausländische Mitarbeiter der Vereinten Nationen getötet worden. Weitere UN-Mitarbeiter seien bei dem Sturm auf ein Gästehaus der Organisation am Mittwochmorgen verletzt worden, teilte ein UN-Sprecher mit. Wenig später gab es auch in Pakistan einen Anschlag. Bei der Explosion auf einem Markt in Peshawar starben mindestens 30 Menschen.

Unter den Toten in Kabul ist ein Amerikaner. Unter den Verletzten ist nach afghanischen Angaben möglicherweise auch ein Deutscher. In Berlin wurde dies aber zunächst nicht bestätigt. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts erklärte: "Nach derzeitigem Kenntnisstand sind keine Deutschen betroffen."

Kurz nach dem Angriff auf die UN schlug eine Rakete in dem von vielen Ausländern genutzten Serena-Hotel in Kabul ein, sie explodierte aber nicht. Dennoch füllte sich die Lobby des schwer gesicherten Luxushotels mit Rauch. Gäste und Angestellte flüchteten in den Keller, wie ein afghanischer Augenzeuge berichtete.

Terror-Kampagne gegen Präsidentenwahl

Die Taliban bekannten sich zu beiden Anschlägen. Der Angriff auf das Gästehaus sei der Auftakt der Kampagne der Aufständischen gegen die Stichwahl am 7. November gewesen, erklärte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid. Die Opfer beim Sturm auf das UN-Gästehaus hätten bei der Vorbereitung der Wahl am 7. November mitgeholfen. Die Aufständischen hätten alle Afghanen und Ausländer davor gewarnt, dass sie dadurch zum Ziel würden. Die Vereinten Nationen unterstützen die Wahlvorbereitungen maßgeblich.

Neben den sechs UN-Mitarbeitern wurden bei den Gefechten an dem Gästehaus nach Polizeiangaben die drei Angreifer, zwei afghanische Sicherheitskräfte und ein Zivilist getötet. Zwei ausländische UN-Mitarbeiter seien verwundet worden. Sieben weitere Mitarbeiter der Vereinten Nationen seien von der Polizei gerettet worden.

Ein Polizist am Tatort erklärte, die Terroristen hätten das UN-Gästehaus angegriffen und sich ein heftiges Feuergefecht mit Sicherheitskräften geliefert. Der Taliban-Sprecher sprach von drei mit Sprengstoffwesten, Granaten und Maschinengewehren bewaffneten Kämpfern. Präsident Hamid Karsai verurteilte den Angriff und ordnete die Sicherheitskräfte an, den Schutz ausländischer Einrichtungen zu verschärfen.

Bereits vor der ersten Runde der Präsidentschafswahl am 20. August hatten die Taliban ihre Angriffe in Kabul und in anderen Landesteilen verschärft. Der Wahltag selber war der Tag mit den meisten Angriffen und Anschlägen seit Beginn des internationalen Engagements in Afghanistan vor gut acht Jahren. Die Abstimmung war von Wahlbetrug überschattet worden. Nach Abzug gefälschter Stimmen hatte Karsai die absolute Mehrheit knapp verfehlt. Der Amtsinhaber muss sich daher am 7. November einer Stichwahl mit seinem wichtigsten Herausforderer, dem früheren Außenminister Abdullah Abbdullah, stellen.

Verheerender Anschlag auf Markt in Pakistan

In der pakistanischen Stadt Peshawar kamen unterdessen bei einem Autobomben-Anschlag nach Behördenangaben mindestens 50 Menschen ums Leben. Bis zu 200 Personen wurden verletzt, als die Bombe auf einem belebten Markt der Großstadt im Nordwesten des Landes explodierte. Viele Menschen wurden unter Trümmern verschüttet. Die Rettungsarbeiten wurden durch ein Großfeuer am Anschlagsort behindert.

Der Anschlag ereignete sich nur wenige Stunden nach der Ankunft von US-Außenministerin Hillary Clinton in Pakistan. Clinton, die in den kommenden drei Tagen in Islamabad und Lahore Gespräche mit politischen und militärischen Verantwortlichen führen will, rief die pakistanische Armee zu einem entschlossenen Vorgehen gegen das Terrornetzwerk El Kaida auf. "Wir wissen, dass El Kaida und ihre extremistischen Verbündeten noch immer auf der Suche nach radioaktivem Material sind", sagte die Außenministerin. Schon mit einer kleinen Menge könnten die Terroristen einen Anschlag "mit sehr fürchterlichen politischen und psychologischen Folgen" ausführen. Die Lage in der Atommacht Pakistan ist äußerst angespannt: Die Regierung in Islamabad hat in einer Großoffensive gegen die Taliban 30.000 Soldaten in die Hochburg der islamistischen Aufständischen Süd-Waziristan entsandt. Die Kämpfe in der Region werden erbittert geführt. Bei Selbstmordanschlägen und Angriffen von Taliban-Rebellen wurden binnen eines Monats fast 200 Menschen getötet.

DPA/AP/AFP DPA AP

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