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Airbus-Unfall: Die 180 Millionen Dollar Panne

Bumms, da klatschte der Riesen-Airbus an die Betonwand. Auf der Rollbahn wird Airbus zur Zeit vom Pech verfolgt. Der Unfall von letzter Woche ist kein Einzelfall. Das Modell A340-600 gilt als sehr anspruchsvoll beim Manövrieren am Boden.

Gegen 17:00 Uhr hallte letzten Mittwoch ein dumpfer Knall über das Airbus-Werksgelände im südfranzösischen Toulouse. Ein funkelnagelneuer A340-600 Langstreckenjet absolvierte gerade die üblichen Testläufe seiner vier Triebwerke, als die Maschine völlig unerwartet nach vorn beschleunigte und mit grosser Wucht gegen eine Betonwand krachte. Dabei wurde das gesamte Cockpit wie eine Bierdose zerquetscht. Die zehn an Bord befindlichen Menschen, sowohl Techniker von Airbus als auch Vertreter des Kunden, der arabischen Fluglinie Etihad Airways, wurden zum Teil schwer verletzt. Dass es keine Toten gab, mutet wie ein Wunder an.

Warum sich der 180 Millionen Dollar teure Superjet ungewollt in Bewegung setzte, ist Gegenstand von Untersuchungen. Örtliche Luftfahrtkenner spekulieren nun, ob etwa die Bremsklötze vor den Fahrwerken nicht vorschriftsmässig positioniert wurden, oder ob aus Versehen jemand im Cockpit – bei laufenden Triebwerken - die Bremsen gelöst hatte.

Kein Einzelfall

Der betroffene Airbus A340 mit der Baunummer 856 sollte Ende kommender Woche an den Kunden übergeben werden, stattdessen ist das riesige Flugzeug nun ein Fall für die Versicherung. Angesichts des Schadens wird das Exemplar wohl direkt von der Fertigung in die Schrottpresse wandern. Es ist bereits der Dritte Zwischenfall eines Flugzeugs vom Typ Airbus A340-600 innerhalb von nur wenigen Wochen.

Am 02.November rollte in Kapstadt ein A340-600 der South African Airways beim Verlassen der Landebahn auf ein Feld, nachdem der Hauptrollweg wegen Bauarbeiten gesperrt war und die Piloten ein kompliziertes Wendemanöver durchführen mussten. Ausser dem Pilotenstolz kam niemand zu Schaden.

Am 09.November kam ein A340 der spanischen Iberia bei der Landung in Quito, Ecuador nicht mehr rechtzeitig zum Stehen nachdem mehrere Reifen platzten und das rechte Fahrwerk in sich zusammenbrach. Nur wenige Meter vor einer Wohnsiedlung kam die Maschine zum Stehen. Die 349 Insassen konnten die schwer beschädigte Maschine per Notrutschen unverletzt verlassen.

Schlimster Unfall seit langem

Bei Piloten und Passagieren hat der Airbus A340-600 einen guten Ruf und eine hohe Sicherheitsreputation. Aufgrund seiner gewaltigen Dimensionen gilt das Modell allerdings als anspruchsvoll beim Manövrieren am Boden. Bislang war es zu keinem tödlichen Unfall gekommen. Auch die Lufthansa betreibt seit einigen Jahren diesen Flugzeugtyp ohne dass ein gravierender Zwischenfall vorgekommen wäre, so bestätigen unabhängige Luftfahrtexperten. Mit einer Länge von 75,30 hält dieser Typ immer noch den Rekord des längsten Flugzeugs der Welt, sogar noch 2,5 Meter länger als der Airbus A380.

In Toulouse werden sämtliche Exemplare der Typenreihe A340 und der kleineren Variante A330 endmontiert und ausgeliefert. Für Airbus ist dies höchst unangenehmer Vorfall, der den grandiosen Verkaufserfolgen auf der Luftfahrtmesse in Dubai einen Dämpfer verpasst. Trotz manchem kleineren Malheur, ist ein solcher schlimmer Unfall in der Unternehmensgeschichte erst einmal vorgekommen, als 1994 ein Prototyp des Airbus A330-200 bei einem Testflug abstürzte und sieben Crewmitglieder in den Tod riss.

Jan-Arwed Richter