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Falscher Raketenalarm: Während der Panik auf Hawaii war Trump auf dem Golfplatz - und das war wohl gut so

Ausgerechnet am Wochenende schwieg Donald Trump beachtlich lange, obwohl die Raketendrohung auf Hawaii sämtliche Nachrichtenseiten füllte. Das mag an Trumps Hobby gelegen haben: Der Präsident spielte Golf. Und das könnte Schlimmeres verhindert haben.

Donald Trump liebt Golf. Das war schon 2012 so (damals ist dieses Bild entstanden), das ist auch noch heute so.

Donald Trump liebt Golf. Das war schon 2012 so (damals ist dieses Bild entstanden), das ist auch noch heute so.

Einige Menschen auf Hawaii mussten sich am Samstag ihr grauenvolles Ende gar nicht erst vorstellen. Sie sahen es doch schon vor sich auf der Videoleinwand. Als die Meldung über eine Raketendrohung um 08.07 Uhr auf ihren Smartphones blinkte, saßen sie im Vorführungsraum der Pearl-Harbour-Gedenkstätte. Während sie begannen, mit ihren Sitznachbarn zu tuscheln und schwer zu atmen, fielen auf der Videoleinwand vor ihnen schon die ersten Bomben: 7. Dezember 1941. Vor 76 Jahren griffen japanische Kampfflugzeuge den US-Militärstützpunkt Pearl Harbour an. 2400 Amerikaner starben, die USA traten danach in den Zweiten Weltkrieg ein. 

Samstagmittag in West Palm Beach, US-Ostküste, dachte Donald Trump wohl kaum an diesen "Tag der Schande", wie Franklin D. Roosevelt den 7. Dezember genannt hatte, nicht an Pearl Harbour oder oder gar an Bomben, die auf den Weg dorthin sein sollen. Während Hawaii in Richtung Schutzbunker stolperte und in die Kanalisation kraxelte, spielte der Präsident Golf. Fürs Wochenende hatte er sich nach Florida zurückgezogen, Trump wollte offenbar zur Ruhe kommen, ausspannen, Kraft tanken. Sich von einer Woche "Michael Wolff" und "shithole countries" erholen.

Hawaii: Der Alarm war falsch, die Panik echt

Doch mit der Ruhe sollte es dieses Wochenende schwierig werden. Schon wenige Minuten, nachdem die "Ballistic Missile"-Pushmeldung Hawaii aufgeschreckt hatte, stand offenbar fest: Oops, doch keine Rakete. Der Gouverneur von Hawaii, David Ige, ein 60 Jahre alter Demokrat, sprach später davon, dass ein Mitarbeiter der Katastrophenschutzbehörde des Bundesstaates EMA während des Schichtwechsels "einen falschen Knopf" gedrückt hatte. Nein, die Raketendrohung war keine Übung. Echt war sie aber auch nicht. Sie war - kurzum - gar nichts.

Ein Gar-nichts, das sich zu dem Zeitpunkt, als noch niemand etwas von dem Gar-Nichts wusste, jedoch nach Alles anfühlte: Für die Menschen auf Hawaii stand über eine halbe Stunde lang ihr Leben auf dem Spiel. Menschen krochen in Tiefgaragen, legten sich in Badewannen, hievten Matratzen über sich und schickten Gebete gen Himmel. Tausende Notrufe. Banges Warten. Es passierte: lange nichts. 38 Minuten nach der ersten Nachricht der EMA folgte eine zweite. Doch keine Rakete. Die , die die Rakete, die es am Ende gar nicht gab, ausgelöst hatte, war hingegen echt. Aus gutem Grund.

Hawaii in stetiger Alarmbereitschaft

Hawaii liegt nach Experten-Einschätzung in Reichweite von Raketen aus Nordkorea. Dessen Machthaber Kim Jong Un hatte vergangenes Jahr mehrfach Raketen und auch Atomwaffen testen lassen, ließ am Ende wissen: Sein Land könne jetzt das gesamte US-Festland mit Atomsprengköpfen angreifen. Der US-Präsident schoss zurück, verbal. Zuletzt stritten sich die beiden Herren - jeder offenbar in der Lage, einen Atomkrieg zu entfesseln - darüber, wer von ihnen wohl den größeren Atomknopf hatte. Die Furcht vor einem militärischen Schlag begleitet die Menschen auf der Insel seit Monaten: Vor wenigen Wochen wurde ein altes Sirenensystem, wie es im Kalten Krieg im Einsatz war, wieder in Betrieb genommen. Die Eskalation im Nordkorea-Konflikt scheint seit nur 280 Zeichen entfernt.

"Gott sei Dank war Trump Golfen"

Doch: Ausgerechnet am Samstag schwieg Donald Trump beträchtlich lange, obwohl die angebliche Raketendrohung sämtliche Nachrichtenseiten und -sendungen füllte. Das mag an Trumps Hobby gelegen haben. "Gott sei Dank war Trump am Golf-Spielen", twitterte Patrick Granfield, unter Obama ein hoher Beamter im Pentagon, nach dem Fehlalarm. Und ein CNN-Journalist ergänzte während eines Interviews: "Ich denke, es gibt viele Menschen, die froh sind, dass das zumindest nicht passiert ist, als Präsident Trump 'Fox and Friends' schaute." In der Vergangenheit hätten Missverständnisse und Fehlalarme bereits beinahe nukleare Konfrontationen entfesselt. In diesem Fall aber sei Trump über seine Berater informiert worden. 

Und so fiel die offizielle Reaktion auf Hawaii folgendermaßen aus: Lindsay Walters, Sprecherin des Weißen Hauses, erklärte, der Präsident sei unterrichtet worden. Es habe sich um eine örtliche Übung gehandelt. Das US-Verteidigungsministerium und das Pazifikkommando der US-Streitkräfte versicherten, sie hätten keine Raketenbedrohung für Hawaii entdeckt. Und dann, Stunden nach dem Alarm, doch noch ein paar Worte von Trump selbst: Der Präsident mit den sonst so schnellen Fingern twitterte - doch nicht über Hawaii, sondern über , die Medien und "Fake News". "

Trump: "Das ist ein Bundesstaat-Ding"

Die US-amerikanische Zeitung "Politico" erklärt sich das Wer-sagt-nun-was-Kuddelmuddel folgendermaßen: "Das Kabinett von Donald Trump muss erst noch die formalen Pläne für die Reaktion auf einen Raketenangriff testen." So ein Test sei nun schon über 30 Jahre lang nicht mehr erfolgt. Einen hochrangigen Beamten zitiert die Zeitung mit den Worten: "All diese neuen Gesichter haben noch wenig Ahnung davon, welche Rolle sie in so einem Szenario spielen sollen." 

Über Hawaii verlor der US-Präsident lange kein Wort. Erst am Sonntag äußerte sich Donald Trump zu den Geschehnissen. Vor Journalisten sagte er: Beamte des Bundesstaates Hawaii hätten einen Fehler gemacht. "Das ist ein Bundesstaat-Ding. Jetzt werden wir uns kurzschließen. Ich liebe es, wie sie Verantwortung übernommen haben, sie übernahmen die totale Verantwortung. Jetzt nehmen wir uns der Sache an." Da, auf dieser Insel im Pazifik, hat ein kleiner Mitarbeiter auf den falschen Knopf gedrückt. Dafür kann der Präsident der Vereinigten Staaten doch nichts. 

pg