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Allawi-Besuch: "Danke, Amerika"

Iraks Ministerpräsident Ijad Allawi hat sich bei seinem Besuch in Washington für die Hilfe Amerikas bedankt. Die von Geiselnehmern geforderte Freilassung weiblicher Häftlinge lehnen der Irak und die USA weiterhin ab.

Der Ministerpräsident der irakischen Übergangsregierung Ajad Allawi dankte bei seinem Besuch in Washington den USA für den Sturz von Saddam Hussein. "Danke, Amerika", sagte Allawi vor dem Kongress. "Es geht uns heute besser, Ihnen geht es besser, der Welt geht es besser ohne Saddam Hussein".

Kampf gegen Terroristen geht weiter

Beim Treffen mit US-Präsident George W. Bush wiederholte er: "Wir im Irak sind dankbar für jeden einzelnen dieser tapferen Männer und Frauen". Bush entgegnete: "Wenn wir aufhören, die Terroristen im Irak zu bekämpfen, wären sie frei, Anschläge andernorts auszuhecken und zu planen, in Amerika und anderen freien Staaten".

Bush und Allawi erklärten, dass der Irak zu einer zentralen Front im Kampf gegen den Terrorismus geworden sei. Bush schloss einen Rückzug der US-Truppen aus dem Irak erneut kategorisch aus und kündigte für die kommenden Monate Hilfsmittel in Höhe von 9 Milliarden US-Dollar (7,3 Milliarden Euro) für den Wiederaufbau an.

"Ich will nicht sterben"

Unbeeindruckt vom verzweifelten Appell des entführten Briten Kenneth Bigley haben Irak und USA die von den Geiselnehmern geforderte Freilassung weiblicher Häftlinge weiter abgelehnt.

Bigley hatte sich auf einem Video an den britischen Premierminister Tony Blair gewandt. Darauf flehte er: "Das ist vielleicht meine letzte Chance. Ich will nicht sterben, ich habe das nicht verdient und auch nicht diese Frauen in irakischen Gefängnissen. Bitte helfen Sie ihnen, Herr Blair, Sie müssen ihnen helfen." Bigleys Kidnapper enthaupteten bereits die mit ihm entführten Amerikaner Jack Hensley und Eugene Armstrong. Der britische Außenminister Jack Straw sagte in New York, es werde alles getan, um Bigley frei zu bekommen.

Erneute Geiselnahmen

Inzwischen kam es in Bagdad und in der westirakischen Stadt El Kaim zu weiteren Entführungen. Das irakische Innenministerium teilte mit, dass zwei Ägypter am späten Donnerstagabend aus ihrem Büro im noblem bagdader Stadtviertel Harthija verschleppt worden seien. Die Kidnapper seien mit ihnen in einem schwarzen BMW weggefahren. Den Angaben zufolge arbeiteten die beiden Ägypter für die Mobiltelefongesellschaft Irakuna. Von den Arbeitgebern waren zunächst keine weiteren Einzelheiten zu erfahren.

Die ägyptische Nachrichtenagentur MENA berichtete außerdem, dass vier Ägypter und vier Iraker entführt worden seien, als sie in der westirakischen Stadt El Kaim für die selbe Firma Mobilfunkmasten installieren wollten. Die Ingenieure sind für den ägyptischen Konzern "Orascom" tätig. Dieser baute Anfang des Jahres unter dem Namen "Iraqna" ein Mobilfunknetz im Zentralirak auf.

"Nicht perfekte Wahl besser als gar keine"

Ungeachtet anhaltender Gewalt halten US-Präsident George W. Bush und der irakische Ministerpräsident Ijad Allawi an den Parlamentswahlen im kommenden Januar fest. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, die Wahlen sollten selbst dann abgehalten werden, wenn wegen der Sicherheitslage in einem Viertel oder Fünftel des Iraks nicht gewählt werden könne. Eine nicht perfekte Wahl sei aber besser als gar keine, sagte Rumsfeld am Donnerstag bei einer Anhörung vor einem Komitee des US-Senats in Washington. Er rechnet damit, dass bis zu den Wahlen zusätzlich zu den US-Truppen zwischen 110.000 bis 140.000 irakische Sicherheitskräfte die Wahlen absichern.

Unklarheit über Schicksal zweier Italiennerinnen

Große Zweifel wurden an einem neuen Bekennerschreiben laut, in dem Unbekannte im Namen einer Gruppe, die sich "Ansar al Sawahiri" nennt, über die angebliche Ermordung der beiden im Irak entführten Italienerinnen berichtet. Im staatlichen italienischen Fernsehen hieß es, die Gruppe habe auf einer arabischen Internetseite angekündigt, sie wolle ein Video als Beweis für die Tat veröffentlichen. Die Regierung in Rom erklärte, es könne sein, dass es sich bei der Botschaft nur um "Medienterrorismus" handele.

DPA / DPA