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Amerika-Gipfel: Obama will Neuanfang mit Kuba

Erneut hat Barack Obama ein langjähriges Dogma der US-Politik korrigiert: Auf dem Gipfel der Organisation Amerikanischer Staaten in Trinidad kündigte der US-Präsident einen "Neubeginn" in den Beziehungen seines Landes zu Kuba an. Auch den anderen Ländern in Lateinamerika versprach er eine gleichberechtigte Partnerschaft.

US-Präsident Barack Obama will die Beziehungen zu den Staaten des amerikanischen Kontinents auf eine neue Grundlage stellen. In einer Rede zum Auftakt des Gipfeltreffens der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) in Trinidad und Tobago versprach er den übrigen Mitgliedsländern eine "gleichberechtigte Partnerschaft". Obama kündigte zugleich einen "Neubeginn" in den Beziehungen der USA zu Kuba an.

Obama versprach den Partnerstaaten in der OAS einen neuen Politikstil der USA, geprägt von größerem Pragmatismus und weniger Arroganz. "Wir haben uns manchmal abgekoppelt, und manchmal wollten wir unsere Bedingungen diktieren", sagte der Präsident in seiner Rede. "Aber ich verspreche, dass wir eine gleichberechtigte Partnerschaft erstreben." Es werde keinen Seniorpartner und keinen Juniorpartner im Verhältnis der USA zu den anderen OAS-Staaten geben.

Kuba, das 1962 aus der OAS ausgeschlossen wurde, bot Obama einen Neuanfang in den beiderseitigen Beziehungen an. Die US-Regierung sei bereit zu direkten Gesprächen mit der kommunistischen Führung in Havanna. Obama ist zuvor bereits auf Kuba zugegangen und hat die Blockadepolitik gegenüber dem Inselstaat gelockert. Auch der kubanische Staatschef Raul Castro signalisierte die Bereitschaft Havannas zu Gesprächen mit der neuen Regierung in Washington. Nach der Machtübernahme seines Bruders Fidel 1959 hatten die USA die Beziehungen zu Kuba eingefroren.

Der OAS-Vorsitzende José Miguel Insulza forderte zu Beginn des Gipfeltreffens der 34 Staaten in Port-of-Spain die Wiederaufnahme Kubas in die Organisation. Die OAS-Vollversammlung solle schon im Mai darüber befinden. Die Staats- und Regierungschefs der OAS beraten bis Sonntag über die Wirtschaftskrise und andere drängende Probleme des Kontinents.

Am Rand des Gipfels kam es zu einer ersten persönlichen Begegnung zwischen Obama und dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chàvez. Die beiden Staatsmänner schüttelten sich zu Beginn der Konferenz die Hände und wechselten einige Worte. Der Händedruck sei von Obama ausgegangen, teilte das venezolanische Präsidialamt mit. Chàvez habe dem US-Präsidenten gesagt, dass er auf bessere Beziehungen zwischen den beiden Staaten hoffe. Ein formelles Treffen zwischen Obama und Chàvez während des Gipfels ist allerdings nicht geplant, wie das Weiße Haus sagte. In der Amtszeit von Obamas Vorgänger George W. Bush hatten sich die Beziehungen zwischen beiden Ländern massiv verschlechtert. Chavez hatte den US-Botschafter des Landes verwiesen und seinen Botschafter aus Washington abgezogen.

AP / AP