Amerikaner in Berlin "Wenn ich Bush sehe, muss ich umschalten"

Die Amerikaner sehen sich in Deutschland immer härterer Kritik ausgesetzt. Doch nicht alle sind "Hurra-Patrioten".

Amerikaner in Deutschland haben es nicht immer leicht. Während der Lewinsky-Affäre kursierten Zigarren- und Praktikantenwitze, auch bei der turbulenten Präsidentenwahl gab es Spott. Doch angesichts der Krise im Irak und der Kriegspläne von George W. Bush ist es diesmal ernst: "Für Amerikaner im Ausland sind es unsichere und angespannte Zeiten", schrieb die "New York Times" kürzlich. Das fühlen auch die Amerikaner in Berlin, wo etwa 11 000 Menschen mit US-Pass leben; bundesweit sind es 113 000.

"Ich denke, Bush ist nicht sehr klug"

Die drei amerikanischen Sprachstudenten, die an diesem Februarmorgen im Goethe Institut in Berlin-Mitte sitzen, beobachten das politische Geschehen mit kritischem Blick. "Ich denke, Bush ist nicht sehr klug", sagt Chris Moore, ein reiselustiger Feuerwehrmann aus South Dakota. Fulbright-Stipendiatin Susan Buzzelli, die aus Washington kommt, stört es, wie Bush zum Symbol des Imperialismus geworden ist. Sängerin Emily Belshaw meint: "Wir fühlen uns nicht wie stolze Amerikaner." Sie habe nie etwas mit Bush anfangen können. "Wenn ich sein Gesicht im Fernsehen sehe, muss ich umschalten", sagt sie und die anderen lachen. Emily ist vor kurzem bei der Friedensdemonstration in Berlin mitgelaufen. "Ich habe für eine Weile vergessen, dass ich Amerikanerin bin", erzählt die 33-Jährige. Die große deutsche Kundgebung sei nicht auf anti-amerikanische Ressentiments ausgerichtet, sondern einfach für den Frieden gewesen, sagen alle drei. Aber der Kurs der deutschen Regierung hat für Susan Buzzelli weniger mit Pazifismus als mit Wahlkampf zu tun. "Schröder hat den Anti-Amerikanismus benutzt", meint sie.

Scharfe Töne sind von offizieller amerikanischer Seite in Berlin selten zu hören, dort hält man sich bedeckt. Doch wer viele Amerikaner im Freundes- und Bekanntenkreis hat, weiß, dass nicht alle Hurra-Patrioten sind. "Ich kenne niemanden, der auf dieser Bush-Linie ist", sagt etwa Reinhard Maiworm, Leiter des Goethe Instituts, der lange in den USA gewohnt hat und viele Amerikaner kennt.

Nicht erst seit John F. Kennedy vor dem Schöneberger Rathaus das berühmte Berlin-Bekenntnis ausrief, ist die deutsch-amerikanische Bande an der Spree etwas Besonderes. Viele der Älteren bekommen noch immer leuchtende Augen, wenn von den Alliierten die Rede ist und das Wort "Luftbrücke" fällt. In der Stadt hat eine Fülle von amerikanischen Einrichtungen ihren Sitz, darunter das Aspen Institut, die American Academy und das Amerika Haus. Für Studenten und junge Akademiker ist Berlin ein begehrtes Ziel, sie mögen den Charme der Stadt. In Mitte ist an fast jeder Straßenecke Amerikanisch zu hören.

Bill Clinton erinnert an einen "Ex-Boyfriend"

Inmitten des bunten Lebens hat sich jetzt der Widerstand gegen den Krieg formiert. Die "Americans against the War" (Amerikaner gegen den Krieg) sind jetzt auch bei der wöchentlichen Montagsdemo an der Humboldt-Universität mit dabei. "Wir stellen uns hinter die Bemühungen der deutschen Bundesregierung und des französischen Staates, welche nicht sofort zur Waffe greifen, sondern völkerrechtliche Lösungen suchen", heißt es in ihrem Aufruf.

Auch die amerikanische Kabarettistin Gayle Tufts, langjährige Berlinerin und Expertin für "Denglish"-Kauderwelsch, möchte bei der nächsten großen Demonstration mitlaufen. "Ich habe George Bush nicht gewählt", sagt sie. "Ich habe Angst vor diesem Mann." Bald fliegt sie nach Boston und ist gespannt, wie das Geschehen aus amerikanischer Sicht aussieht.

In ihrer Familie und ihrem Freundeskreis werde viel diskutiert, wie sie erzählt. Und der Republikaner aus Texas trägt demnach nicht unbedingt dazu bei, dass die "Amis" bei den ohnehin US-kritischen deutschen Intellektuellen ernster genommen werden. "Neulich habe ich Bill Clinton gesehen. Das war ein bisschen wie bei einem Ex-Boyfriend", erzählt die Kabarettistin. "Oh, das war doch so good. Bitte gebt ihn uns zurück."

Caroline Bock DPA

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