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Angebliche Attentatspläne: Spannungen zwischen Iran und USA verschärfen sich

Es ist ein Mordkomplott wie aus einem Agententhriller. In das Dunkel um mögliche iranische Attentatspläne in Washington kommt nur wenig Licht. Experten äußern Zweifel an der Geschichte, die USA drohen Teheran - und fürchten zugleich Anschläge.

Dramatische Konfrontation zwischen den USA und dem Iran: Die angeblichen iranischen Attentatspläne auf den saudischen Botschafter in den USA haben die Spannungen zwischen beiden Staaten verschärft. In den Vereinigten Staaten wächst die Furcht vor neuen Terrorattacken. Zugleich verkündet Washington weitere Sanktionen - und will gemeinsam mit den Verbündeten das Regime in Teheran tiefer in die Isolation treiben.

Der Iran nannte die Vorwürfe haltlos. Das US-Außenministerium rief alle Bürger zu erhöhter Wachsamkeit auf. Nach dem aufgedeckten Komplott gebe es Hinweise auf einen "aggressiveren Fokus der iranischen Regierung bei terroristischen Aktivitäten gegen Diplomaten aus verschiedenen Staaten", hieß es in einer am Dienstag (Ortszeit) veröffentlichten Warnung. Außenministerin Hillary Clinton forderte schärfste Maßnahmen gegen Teheran.

Nach Erkenntnissen der US-Ermittler sollen "Elemente der iranischen Regierung" einen Bombenanschlag auf den saudischen Botschafter in Washington geplant und finanziert haben. Auch Hintermänner lateinamerikanischer Drogenkartelle sollen verwickelt sein, sagte Justizminister Eric Holder. Ihnen sollen 1,5 Millionen Dollar für den Botschafter-Mord angeboten worden sein. Drahtzieher seien Al-Kuds-Kämpfer gewesen, eine Spezialeinheit der iranischen Revolutionsgarden. Das Komplott sei durch US-Undercover-Agenten aufgeflogen.

Iran weist Vorwürfe zurück

Irans Parlamentspräsident Ali Laridschani bezichtigte die USA, eine künstliche Krise herbeiführen zu wollen. Außenminister Ali-Akbar Salehi sagte der amtlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna am Mittwoch, die Amerikaner wollten lediglich von zahlreichen eigenen Problemen ablenken.

Der iranische UN-Gesandte legte offiziell Beschwerde bei UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und beim UN-Sicherheitsrat ein. Der Außenminister von Saudi-Arabien, Prinz Saud al-Faisal, dankte dagegen den US-Behörden für ihre Ermittlungen.

Wie die "New York Times" am Mittwoch unter Berufung auf Sicherheitsbeamte berichtetet, soll das lateinamerikanische Los- Zetas-Kartell in das Komplott verwickelt sein. Neben der Ermordung des saudischen US-Botschafters Adel al-Dschubair soll es Pläne über Bombenanschläge auf die saudische Botschaft in Washington und die israelische Botschaft in Argentinien gegeben haben.

"Komplott liest sich wie ein Hollywood-Drehbuch"

Allerdings äußerten Experten auch Zweifel an den Anschuldigungen. "Warum sollte der Iran den saudischen Botschafter in Washington ermorden wollen?", fragte Iran-Experte Alireza Nader von der Rand Corp., einem US-Think Tank, in der "Washington Post". Andere Experten meinten, ein solches Komplott sei völlig untypisch für den Iran. US-Medien zitierten FBI-Chef Robert Mueller mit den Worten, das Komplott "liest sich wie ein Hollywood-Drehbuch".

Außenministerin Clinton rief die internationale Gemeinschaft zu scharfen Maßnahmen gegen den Iran auf. Die USA wollten sich mit ihren Freunden und Partnern in der Welt beraten, "wie wir eine starke Botschaft" an den Iran richten können. In einer ersten Reaktion verhängte das Finanzministerium Sanktionen gegen fünf iranische Hintermänner und Mitglieder der Al-Kuds. Ihre Konten in den USA wurden eingefroren, US-Banken und amerikanische Staatsbürger dürfen keine Geschäfte mit ihnen machen.

Verdächtiger Iraner in Haft

"Die USA beabsichtigen, den Iran für seine Handlungen zur Verantwortung zu ziehen", sagte Holder. Allerdings nannte er keine konkreten Pläne. Elemente der iranischen Regierung stünden hinter den vereitelten Attentatsplänen. Ein verdächtiger Iraner mit US-Pass sei bereits Ende September in New York festgenommen worden, teilten die US-Behörden mit. Der Verdächtige, der 56-jährige Manssor Arbabsiar, erschien noch am Dienstagabend vor einem New Yorker Gericht. Er bleibe in Haft. Ein Verfahren solle am 25. Oktober anlaufen.

Er habe die Taten mutmaßlich mit dem Al-Kuds-Mitglied Gholam Shakuri geplant, der als Unterstützer des internationalen Terrorismus bekannt sei, hieß es. Shakuri befinde sich gegenwärtig im Iran. Die USA werfen den Beiden zahlreiche schwere Straftaten vor, darunter Pläne, "eine Massenvernichtungswaffe zu benutzen". Die Pläne seien von der Bundespolizei FBI und der Drogenfahndung DEA aufgedeckt worden.

Peer Meinert, DPA / DPA