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Arabische Liga greift in Syrien ein Kämpfe in Homs ruhen


Erfolg für die Arabische Liga: Mit der Ankunft einer Delegation in der syrischen Protesthochburg Homs hörten dort die Kämpfe auf. Am Morgen hatte es in der Stadt noch Tote gegeben.

Erster Erfolg für die Delegation der Arabischen Liga: Nachdem Beobachter in der seit Wochen umkämpften syrischen Protesthochburg Homs eingetroffen sind, wurden die Kämpfe in der Stadt zunächst eingestellt. Oppositionsaktivist Omar Homsi sagte der Nachrichtenagentur DPA in einem Telefonat: "Es ist jetzt ruhig, keine Maschinengewehrsalven, keine Raketeneinschläge." Noch in den Morgenstunden waren bei heftigen Gefechten im Stadtteil Baba Amro sechs Menschen getötet worden. Kurz vor dem Besuch der Beobachtermission wurden nach Angaben von Aktivisten dann einige Panzer aus dem Gebiet abgezogen.

Inzwischen haben sich in der Stadt Tausende von Demonstranten versammelt. Sie nutzen die Ankunft der Delegation offenbar für einen Massenprotest gegen Syriens Präsidenten Baschar al Assad. 30.000 Menschen sollen in Homs mit einem Sit-in gegen ihn protestieren, berichtete die in London sitzende syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Zuvor hatte die arabische Delegation unter Führung des sudanesischen Generals Mustafa al Dabi am Vormittag die drittgrößte Stadt des Landes erreicht. Dort wurden sie vom örtlichen Gouverneur Ghassan Abdel Al empfangen. Aal Dabi sagte der Nachrichtenagentur AFP, die syrischen Behörden seien bislang "sehr kooperativ".

In der Metropole mit rund 1,6 Millionen Einwohnern liefern sich Regierungstruppen und Gegner von al Assad seit Wochen heftige Gefechte. Bis Ende des Monats sollen insgesamt 150 arabische Beobachter in Syrien sein. Ihre Aufgabe ist es, den Abzug der syrischen Armee aus den Städten und die Freilassung politischer Gefangener zu überwachen.

Konflikt mit mehr als 5000 Toten

Dadurch soll das seit Monaten währende Blutvergießen beendet werden. Nach UN-Schätzungen sind seit Beginn des Aufstands gegen Assad mehr als 5000 Menschen getötet worden. Auch Papst Benedikt XVI. hatte in seiner Weihnachtsbotschaft die anhaltende Gewalt verurteilt.

Kurz vor dem Eintreffen der Beobachter in Homs waren Regierungstruppen unbeeindruckt von der nahenden Mission mit massiver Gewalt gegen die Opposition vorgegangen. Seit Montag soll es in der Stadt insgesamt etwa 60 Tote gegeben haben. Weitere 40 Menschen seien verletzt worden, vor allem Frauen und Kinder, hieß es. Wegen der gefährlichen Situation könnten sie nicht in Krankenhäuser gebracht werden. Wegen der Medienblockade sind Meldungen aus Syrien von unabhängiger Seite nur schwer nachzuprüfen.

Am Freitag hatte der Konflikt eine neue Eskalationsstufe erreicht: Bei zwei zeitgleichen Selbstmordanschlägen auf Gebäude der Sicherheitskräfte in Damaskus starben nach offiziellen Angaben 44 Menschen. Die Regierung machte das Terrornetzwerk al Kaida für das Blutbad verantwortlich. Oppositionelle mutmaßten hingegen, dass die Regierung die Bombenattacken selbst inszeniert habe, um die Gewalt gegen die Demokratiebewegung zu rechtfertigen. Ein gefälschtes Bekennerschreiben der syrischen Muslimbrüder im Internet heizte diese Spekulationen noch weiter an.

ben/swd/AFP/DPA DPA

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