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ARGENTINIEN: Der Kapitän verlässt das sinkende Schiff

Nach nur zweijähriger Amtszeit ist der argentinische Präsident Fernando de la Rua zurückgetreten. Er reagierte damit auf die Ausschreitungen der vergangenen Tage, bei denen 22 Menschen ums Leben kamen.

Nach tagelangen Ausschreitungen in Argentinien und Massenprotesten gegen die Regierung ist der argentinische Präsident Fernando de la Rua zurückgetreten. Er zog damit am Donnerstag die Konsequenzen aus den Krawallen, bei denen mindestens 22 Menschen ums Leben kamen und hunderte verletzt wurden. Die Massenproteste richteten sich gegen den Sparkurs der Regierung. Das Rücktrittsgesuch De la Ruas muss vom Parlament noch formell angenommen werden; am Freitag sollte eine Übergangsregierung eingesetzt werden.

Argentinier jubelten

De la Rua verließ den Präsidentenpalast per Hubschrauber und ließ sich in seine Residenz in einem Vorort fliegen. Viele der tausende Demonstranten auf den Straßen Argentiniens jubelten, als sie vom Rücktritt des Präsidenten erfuhren. Vereinzelt gab es weitere Ausschreitungen, im Großen und Ganzen flauten aber die Proteste ab. Die Polizei war zuvor unter massivem Einsatz von Gewalt gegen Demonstranten vorgegangen.

Ein Berater De la Ruas erklärte, der Präsident habe vergeblich versucht, angesichts der Krise zusammen mit den oppositionellen Peronisten eine Regierung der nationalen Einheit zu bilden. Der Vorschlag sei abgelehnt worden, daraufhin habe der 64-Jährige sein Rücktrittsgesuch verfasst. Vermutlich übernimmt nun der peronistische Senatspräsident Ramon

Puerta übergangsweise die Amtsgeschäfte. Aus Puertas Umgebung verlautete, der Politiker sei bereits damit beschäftigt, eine Übergangsregierung zu bilden.

Seit vier Jahren in der Rezession

De la Rua hatte am Mittwochabend den Ausnahmezustand verhängt und so versucht, die Proteste einzudämmen. Es gelang ihm nicht. Sein Wirtschaftsminister Domingo Cavallo trat am Donnerstag zurück. Ihn machten die Demonstranten maßgeblich für den Sparkurs verantwortlich. Der Politiker hatte versucht, mit einem Sparhaushalt die Krise zu überwinden und damit vor allem einen eingefrorenen Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) frei bekommen. Argentinien befindet sich mittlerweile seit vier Jahren in der Rezession.