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Arktis-Konferenz Territorialstreit mit Russland um Öl und Gas


In der Arktis lagern gewaltige Öl- und Gasvorkommen. Russlands Politiker und staatstreue Wissenschaftler untermauern auf einer Tagung erneut den Anspruch des Riesenreichs darauf. Unabhängige Experten warnen aber vor schweren Folgen für die Umwelt.

Drei Jahre nach dem spektakulären Setzen einer russischen Flagge in 4000 Metern Tiefe des Eismeers legt Moskau im Rennen um Rohstoffe mit einer großen Arktis-Konferenz nach. Zwar steht die internationale Tagung unter dem Motto "Territorium für Dialog". In Wahrheit geht es aber vor allem um einen handfesten Territorialstreit mit den USA, Kanada sowie anderen Arktis-Anrainern um gigantische Öl- und Gasvorräte - und damit um Milliardensummen.

In den hellen Marmorsälen des Lehrgebäudes 1 der Lomonossow- Universität ist vor allem die russische Führung stark vertreten - samt einem Heer staatstreuer Wissenschaftler, die vor allem eine Aufgabe haben: Sie sollen möglichst bald handfeste Belege an die Vereinten Nationen liefern - darüber, dass der russische Festlandsockel so weit in die Arktis reicht, dass das Riesenreich auch noch den Nordpol beanspruchen kann. Die genaue Aufteilung des Meeresbodens, der wegen der schmelzenden Eismassen zunehmend leichter zugänglich wird, ist bis heute nicht hinreichend geklärt.

Zwar behandelt die Konferenz auch die Probleme des Klimawandels in der Arktis und die Gefahren etwa einer Ölförderung für die Umwelt. Naturschützer dürfen hier davor warnen, das Gebiet auszubeuten. Eine Jurte aus Tierfellen im Foyer sowie großflächige Fotos vom Leben der Arktis-Völker und der Tierwelt zeigen die Schönheiten des Kältepunkts der Erde. Doch wie ernst es Russland mit der geplanten Ausbeutung der Bodenschätze in der Region ist, zeigt auch der mit großem Aufwand inszenierte Auftritt von Regierungschef Wladimir Putin auf dem zweitägigen Forum an diesem Donnerstag.

Die russische Führung hat immer wieder deutlich gemacht, ihre Ansprüche in der Arktis notfalls mit militärischer Gewalt durchzusetzen. Nach einer Schwächephase in den 1990ern Jahren nimmt das Land heute wieder viel Geld in die Hand, um die Erforschung des Nordpolarmeers voranzutreiben. An eine Militarisierung sei zwar zunächst nicht gedacht, betont der russische Botschafter im zwischenstaatlichen Arktischen Rat, Anton Wassilijew. Allerdings räumt der Vertreter in dem Gremium aus acht Staaten ein, dass die "materielle" Ausstattung in dem strategisch bedeutsamen Gebiet gefestigt werde.

Auf ihrer Tagung betonen die Russen vor ihren Gästen - darunter auch Monacos Fürst Albert II. -, dass sie an einer "konfliktfreien" Zusammenarbeit in der Arktis interessiert seien. Allerdings macht nicht nur der Arktis-Beauftragte des Kreml, Artur Tschilingarow, seit langem mit seinen vielen Eisbrecher-Expeditionen deutlich, dass Russland seine Einflusszone erweitern will. "Um die wirtschaftliche Sicherheit Russlands auch in Zukunft zu gewährleisten, müssen wir klarstellen, dass der Festlandsockel uns gehört."

In seinem Schlusswort ruft Tschilingarow den handverlesenen Studenten zu, sich in der Polarforschung zu engagieren. Russland brauche diesen Nachwuchs. Wer die jungen Männer und Frauen fragt, bekommt oft zu hören, dass die Bodenschätze in der Arktis doch ohne Frage Russland gehörten - und das Land seine nationalen Interessen dort verteidigen müsse.

Ulf Mauder, DPA DPA

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