Attentat auf Bundeswehr Tod am Marktstand


Es war der schwerste Anschlag auf die Bundeswehr seit vier Jahren: Bei einem Selbstmordattentat in Nordafghanistan sind drei deutschen Soldaten sowie sieben Zivilisten ums Leben gekommen. Angela Merkel ist "erschüttert über den perfiden Mord".

Bei einem Taliban-Anschlag im nordafghanischen Kundus sind drei Bundeswehr-Soldaten getötet und zwei weitere verletzt worden. Zudem riss der Selbstmordattentäter auf einem belebten Markt sieben Zivilisten in den Tod, 15 weitere wurden verletzt, wie das afghanische Innenministerium mitteilte. Bei einem zweiten Anschlag gegen die Bundeswehr außerhalb von Kundus kam offenbar niemand zu Schaden.

Das Verteidigungsministerium bestätigte die Zahl der deutschen Toten und Verletzten. Einzelheiten wird Verteidigungsminister Franz Josef Jung am Samstagabend auf einer Pressekonferenz mitteilen. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich erschüttert über den "perfiden Mord". Auch Jung und Außenminister Frank-Walter Steinmeier sowie alle Parteien im Bundestag zeigten sich bestürzt und verurteilten die "feigen Anschläge".

"Mudschaheddin-Held" greift deutsche Patrouille an

In Afghanistan bekannte sich ein Taliban-Sprecher, Zabiullah Mudschahid, zu dem Anschlag. Der militante Taliban-Anhänger Mullah Jawad aus Baghlan habe ihn ausgeführt. Ein "Mudschaheddin-Held" habe die deutsche Patrouille in Kundus-Stadt angegriffen, teilten die Taliban auf ihrer Webseite mit. Der Attentäter sei aus der Provinz Kundus gewesen. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Der bislang schlimmste Anschlag gegen die Bundeswehr hatte sich am 7. Juni 2003 in der Nähe von Kabul ereignet, als ein Selbstmordkommando einen deutschen Truppenkonvoi angriff und vier Soldaten tötete. 29 Soldaten wurden damals verletzt. Der Norden Afghanistans, wo inzwischen mehr als 3000 deutsche Soldaten stationiert sind, gilt im Vergleich zum umkämpften Süden als ruhig. Allerdings häufen sich auch dort die Zwischenfälle. Seit April starten von dort auch sechs deutsche Tornados zu Aufklärungseinsätzen im Süden.

Patrouillenfahrt auf den Markt

Zu dem Anschlag auf dem Markt in Kundus sagte der Polizeichef der Provinz, General Ajub Salangi, zwei Fahrzeuge der Bundeswehr hätten bei einer Patrouillenfahrt gehalten, um etwas an den Ständen zu kaufen. Als die Soldaten mit ihrem Übersetzer ausgestiegen seien, habe der Attentäter seinen Sprengsatz gezündet. Der Übersetzer ist unter den Verletzten. Trotz ihrer Empörung bekannte sich Bundeskanzlerin Merkel zur Fortsetzung des Bundeswehreinsatzes. Die internationale Gemeinschaft sei fest entschlossen, "den Menschen in Afghanistan beim Aufbau einer guten Zukunft ihres Landes weiter zu helfen". Auch Jung (CDU) sagte: "Wir werden weiter unseren Auftrag erfüllen."

Obwohl von Union, SPD, Grünen und FDP grundsätzlich Unterstützung für diese Linie kam, gibt es in der SPD offenbar auch Widerstände. Er erwarte Schwierigkeiten bei der Verlängerung des Einsatzmandats im Oktober, sagte der Außenpolitiker Rolf Mützenich der "Welt am Sonntag". Den Abzug der deutschen Soldaten forderte die Linke. Der Außenpolitiker Wolfgang Gehrke sagte: "Aus diesem Krieg gibt es nur einen Ausweg: Die Kriegsteilnahme Schritt für Schritt zu beenden." Die Fraktionschefs Oskar Lafontaine und Gregor Gysi äußerten sich ähnlich.

Bereits am Freitag hatten sich rund 120 Kilometer nordöstlich von Kabul Aufständische mit afghanischen und Nato-Truppen ein heftiges Feuergefecht geliefert, wie die ISAF mitteilte. Dabei seien rund 20 Aufständische getötet worden. Bei einem weiteren Gefecht in der Nähe der Grenze zu Pakistan sollen bis zu 60 aufständische Kämpfer getötet worden sein. Beweise dafür gab es aber nicht.

AP AP

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