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Ausland: Schiitenführer Ajatollah Bakr el Hakim

Schiitenführer Ajatollah Bakr el Hakim

Als sich die schiitische Bevölkerungsmehrheit im Südirak nach dem Ende des Golfkrieges 1991 gegen Saddam Hussein erhob, zogen die Aufständischen mit Bildern von Ajatollah Mohammed Bakr el Hakim auf die Straße. Der Aufstand wurde niedergeschlagen, aber seitdem sah sich Bakr el Hakim in der Nachfolge seines Vaters als Führer der schätzungsweise knapp 15 Millionen Schiiten im Irak. Am 10. Mai kehrte er nach 23 Jahren im Exil in den Südirak zurück. Dreieinhalb Monate später kam er jetzt bei einem Autobombenanschlag ums Leben. Bakr el Hakim ist der bislang ranghöchste Religionsführer im Irak, der der eskalierenden Gewalt im Irak zum Opfer gefallen ist.

Nach Saddams Sturz in den Irak zurückgekehrt

Fünf seiner Brüder waren vom Saddam-Regime ermordet worden. Hakim selbst floh 1980 nach Teheran, wo ihm seine iranischen Glaubensbrüder Asyl gewährten. Dort bildete er die Oppositionsgruppe "Hoher Rat für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI)". Nach dem Sturz Saddams kehrte der 64-jährige Geistliche in seine Geburtsstadt Nadschaf zurück, in der sein Vater, Großajatollah Mohsen el Hakim, bis 1970 als Führer der Schiiten tätig war.

Widerstand gegen Saddams Regime

In dieser heiligen Stadt der Schiiten, von wo aus Ajatollah Ruhollah Khomeini die iranische Revolution vorbereitete, wurde Hakim zum Geistlichen ausgebildet. Zusammen mit Ajatollah Mohammed Bakr el Sadr leistete er den Widerstand gegen das Saddam-Regime und wurde deshalb mehrmals inhaftiert und nach eigenem Bekunden auch gefoltert. Nach der Ermordung von Ajatollah Sadr floh Hakim 1980 zunächst nach Syrien und dann nach Iran.

Kritisiert wegen Zusammenarbeit mit den USA

Hakim wurde unter Schiiten häufig mit Ajatollah Khomeini verglichen, als einer, der im Irak in der Nach-Saddam-Ära ebenfalls ein religiös orientiertes politisches System verwirklichen wollte. Hakim und sein SCIRI galten als pragmatisch. In der von den USA dominierten Nachkriegsordnung arbeitete der Rat mit der Zivilverwaltung zusammen. SCIRI hatte einen Sitz im provisorischen Übergangsrat und wurde deshalb von radikalen Schiitengruppen der Kollaboration mit den amerikanischen Besatzern beschuldigt.

Schon seit Wochen hatte es Todesdrohungen gegen die Familie von Bakr el Hakim gegeben: Erst am vergangenen Sonntag war Saijid Mohammed Said Hakim, ein Onkel des SCIRI-Vorsitzenden, bei einem Bombenanschlag gegen die Schiitengruppe in Nadschaf leicht verletzt worden.

Farshid Motahari / DPA