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Bahrain, Jemen, Libyen Die Angst vor der eigenen Bevölkerung


Springt der Funke von Ägypten und Tunesien auf andere Länder Arabiens über? In Bahrain, Jemen und Libyen fürchtet die Führung das schlimmste - und versucht, jeden Protest mit Gewalt zu unterdrücken.

Auf den Tag genau zwei Monate nach der Selbstverbrennung des jungen Tunesiers Mohamed Bouazizi steht die arabische Welt vor immer mehr Umwälzungen: Im Königreich Bahrain am Golf bangt die Führung um ihre Macht und ließ am Donnerstag die Polizei massiv gegen Demonstranten vorgehen. Im Jemen gingen Anhänger und Gegner der Regierung mit Messern und Knüppeln aufeinander los. In Tripolis zeigten Anhänger des libyschen Machthabers Muammar Gaddafi Flagge - gegen die Opposition, die Reformen fordert. Die Ägypter zwangen bereits Staatschef Husni Mubarak zum Rücktritt, die Tunesier vertrieben Präsident Zine al-Abidine Ben Ali ins Exil. Aus dem "Tag des Zorns" der Tunesier, der der Verzweiflungstat Bouazizis folgte, wurden Wochen der Proteste, die die ganze Region verändern, Sorgen vor Instabilität nähren und den Ölpreis in die Höhe treiben.

In Manama, der Hauptstadt Bahrains, stürmte die Polizei ein Zeltlager regierungskritischer Demonstranten, die mehr Mitspracherechte verlangten. Drei Menschen seien getötet und mehr als 230 verletzt worden, teilte die Regierung mit. Dutzende gepanzerte Fahrzeuge fuhren am Morgen am Perlen-Platz auf. "Das ist wahrer Terrorismus", sagte Abdul Dschalil Chalil von der oppositionellen Wefak-Partei. "Wer immer die Entscheidung zum Angriff getroffen hat, wollte töten."

Noch am Abend sollten die Außenminister der arabischen Golf-Staaten in einer Dringlichkeitssitzung über die Unruhen in Bahrain und ihre Konsequenzen beraten. Ermutigt vom Machtwechsel in Tunesien und Ägypten hatten Tausende Demonstranten in den vergangenen Tagen den Rücktritt der regierenden sunnitischen Königsfamilie gefordert. Die schiitische Bevölkerungsmehrheit beklagt, dass sie in dem vor Saudi-Arabien gelegenen Inselstaat vom Wohnungsmarkt, Gesundheitswesen und von Jobs im öffentlichen Dienst ausgeschlossen werde. Gestützt wird die Führung in Bahrain von Saudi-Arabien und den USA, die in der Herrscherfamilie ein Bollwerk gegen den schiitischen Iran sehen. Die USA haben in Bahrain auch ihre 5. Flotte stationiert. Die US-Regierung kündigte an, sie werde die Regierung Bahrains zur Zurückhaltung mahnen.

Gaddafi-Anhänger zeigen Flagge gegen Opposition

Nach dem Vorbild Tunesiens und Ägyptens rief auch in Libyen die Opposition zum "Tag des Zorns" auf. Anzeichen für Proteste gegen Gaddafi, der seit mehr als 40 Jahren an der Macht ist, gab es zunächst aber nicht. Stattdessen versammelten sich Hunderte Gaddafi-Getreue auf dem Grünen Platz in der Nähe der Altstadt und riefen: "Wir verteidigen Gaddafi und die Revolution." Der Machthaber selbst hatte die Regierungsgegner als Marionetten der USA und des Zionismus beschimpft. "Nieder mit den Feinden", zitierte die BBC Gaddafi. "Nieder mit ihnen, wo immer sie sind! Nieder mit den Marionetten!"

In der Nacht zu Mittwoch war es in der Hafenstadt Benghasi zu Auseinandersetzungen zwischen Hunderten Regierungsgegnern und Sicherheitskräften sowie Gaddafi-Anhängern gekommen. Der Fernsehsender Al-Dschasira berichtete, im östlich von Benghasi gelegenen Al-Baida seien bei Demonstrationen zwei Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wurden 14 Demonstranten, Aktivisten und Schriftsteller festgenommen, die die Proteste gegen die Regierung organisiert hatten.

Viele Libyer beklagen Arbeitslosigkeit, Ungerechtigkeit und begrenzte politische Freiheiten. Gleichwohl halten Beobachter einen Volksaufstand wie im Nachbarland Ägypten für unwahrscheinlich: Denn die libysche Führung kann den Öl- und damit auch den Geldhahn aufdrehen und die meisten sozialen Probleme mildern.

Straßenschlachten in Jemen

Diese Möglichkeit hat der autokratische Präsident des Jemen, Ali Abdullah Saleh, nicht: Das Land ist eines der ärmsten der arabischen Welt. Ein Drittel der Bevölkerung hungert, 40 Prozent leben von weniger als zwei Dollar pro Tag. In der Hauptstadt Sanaa lieferten sich Anhänger und Gegner der Regierung den siebten Tag in Folge heftige Auseinandersetzungen. Mehr als Tausend Menschen forderten ein Ende der seit 32 Jahren währenden Herrschaft Salehs. "Das Volk will den Sturz des Präsidenten, das Volk will den Sturz des Regimes", rief die aufgebrachte Menge. Augenzeugen berichteten, die Polizei habe die Kontrolle über aufeinander losgehenden Gruppen verloren und sich zurückgezogen. Gegen Armut, Korruption und Polizeiwillkür in seinem Land wollte auch der Tunesier Bouazizi ein Zeichen setzen. Aus Verzweiflung verbrannte er sich am 17. Dezember vor einem Regierungsgebäude.

Reuters Reuters

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