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Bangladesch: Polizei feuert Tränengas auf Textilarbeiter

Knapp zwei Monate nach dem verheerenden Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch gehen die Menschen weiter für höhere Löhne auf die Straße. Die Polizei antwortete am Montag mit Tränengas.

Mehr als Tausend Menschen starben, als am 24. April ein Textil-Fabrikkomplex in Bangladesch in sich zusammenstürzte. Knapp zwei Monate später hat die Polizei eine Demonstration für höhere Löhne in den Kleiderfabriken in der Hauptstadt Dhaka gewaltsam aufgelöst. Am Montag feuerte sie Tränengas und Gummigeschosse auf rund 5000 Arbeiter, die sich in einem Gewerbegebiet versammelt hatten. Mehrere Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt. Die Demonstranten hätten eine Straße blockiert und dann Autos und Fenster demoliert, sagte der örtliche Polizeichef Monir Uz Zaman der Nachrichtenagentur AFP, um den Einsatz zu rechtfertigen.

Auch nördlich der Hauptstadt gerieten Arbeiter und die Polizei aneinander. Rund 2000 Arbeiter protestierten gegen die Schließung ihrer Fabrik. Der Eigentümer habe die Fabrik dichtgemacht, nachdem die Arbeiter tagelang für höhere Löhne gestreikt hatten, sagte ein Vertreter der Polizei dort.

Die Regierung lässt derzeit eine Anhebung des Mindestlohns prüfen. Seit November gab es mehrere Unglücke in Textilfabriken. Am folgenschwersten war der Einsturz einer Fabrik im April, bei dem mehr als 1100 Menschen getötet wurden.

Billigtextilkette kündigt Kontrolle von Zulieferern an

Die irische Billigtextilkette Primark hat nun in Aussicht gestellt, alle ihre Zulieferer in Bangladesch zu kontrollieren. Primark arbeite in Bangladesch mit 100 Fabriken zusammen, sagte der Chefjurist der Firma, Paul Lister, dem "Tagesspiegel" vom Montag. "Wir kontrollieren jetzt in all diesen Fabriken die Bausicherheit." Primark beginne mit den größten Standorten, werde aber jede einzelne Fabrik unter die Lupe nehmen.

Der Textil-Discounter bietet Kleidung günstiger als H&M oder Zara an und hat in Deutschland mittlerweile zehn Filialen. T-Shirts kosten teilweise 2,50 Euro. Lister sagte, wie teuer eine Ware im Laden sei, sagte nichts darüber aus, unter welchen ethischen Umständen sie produziert worden sei. In denselben Fabriken, in denen Primark nähen lasse, ließen Konkurrenten T-Shirts für zehn oder sogar 30 Euro herstellen.

Die Verkäufe der Textilkette seien nach dem Unglück in Bangladesch "überhaupt nicht" eingebrochen, sagte Lister dem Blatt. "Aber wir wissen, dass die Kunden sicher sein wollen, dass wir uns um unsere Arbeiter in den Zulieferbetrieben kümmern." Das Fabrikgebäude war am 24. April in Savar nahe der Hauptstadt Dhaka eingestürzt. Insgesamt wurden inzwischen mehr als 1100 Leichen geborgen. Zum Zeitpunkt des Unglücks sollen etwa 3000 Menschen in den Textilfabriken in dem Gebäude gearbeitet haben. Zwölf mutmaßliche Verantwortliche wurden nach dem Unglück festgenommen.

jwi/AFP / AFP