HOME

Bani Walid und Sirte: Schwere Gefechte in Gaddafis letzten Bastionen

In Libyen haben möglicherweise die entscheidenden Kämpfe begonnen. Nahe der beiden letzten Hochburgen der Gaddafi-Getreuen, Bani Walid und Sirte, soll es zu schweren Gefechten gekommen sein. Damit scheint ausgeschlossen, dass die Gaddafi-Truppen die Städte kampflos übergeben.

In der Nähe der wichtigsten verbliebenen Bastionen des langjährigen libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi ist es am Freitag zu schweren Gefechten gekommen. Aus zwei Städten feuerten Gaddafi-Getreue Raketen auf Kämpfer der Übergangsregierung. Anti-Gaddafi-Einheiten rückten nach eigenen Angaben mit Artillerie in die Wüstenstadt Bani Walid vor, wo es seither zu Straßenkämpfen komme. Der Übergangsrat hat den Gefolgsleuten Gaddafis eine Frist bis Samstag gegeben, Bani Walid und den Geburtsort Gaddafis, Sirte, freiwillig zu übergeben oder angegriffen zu werden. Auf Bitten des Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag schrieb Interpol Gaddafi, seinen Sohn Saif al Islam und Geheimdienstchef Abdullah al Senussi zur Fahndung aus.

Nach Angaben des Kommandeurs der Rebellentruppen handelt es sich bei dem Vorrücken auf Bani Walid noch nicht um den Sturm der rund 150 Kilometer südlich von Tripolis gelegenen Stadt. Die Gaddafi-Streitkräfte hätten die Milizen der Aufständischen mit Raketen beschossen und damit eine Antwort provoziert, begründete der Kommandeur die Kämpfe vor Ablauf des Ultimatums.

Merkel will Schlussstrich unter Libyen-Debatte

Gaddafis Aufenthaltsort ist nach dem Fall der Hauptstadt Tripolis weiter unbekannt. Zwar versicherte er am Donnerstag erneut, das Land nicht zu verlassen und bis zum Sieg zu kämpfen. Allerdings habe sich eine weitere Gruppe von Gefolgsleuten in den Niger abgesetzt, berichteten Vertreter der dortigen Behörden. Unter den 14 Geflüchteten sei auch General Ali Kana, der die südlichen Truppen des Ex-Machthabers befehligt habe. Die Gruppe halte sich derzeit in Agadez im Norden des Landes auf. Unter den Flüchtigen seien vier führende Vertreter des Gaddafi-Regimes, darunter zwei Generäle. Am Montag waren bereits andere Gefolgsleute Gaddafis nach Niger geflüchtet. Das Land grenzt an Burkina Faso, das Gaddafi und seiner Familie Asyl angeboten hatte.

Nach der wochenlangen Debatte um die deutsche Enthaltung zum Nato-Militäreinsatz betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) demonstrativ die Westbindung Deutschlands. Zugleich dankte sie den Nato-Partnern für ihren Militär-Einsatz, der die Wende im sechs Monate langen Bürgerkrieg in dem nordafrikanischen Staat gebracht habe. Merkel reagierte mit ihrem Bekenntnis zum Westen und zur Nato auf anhaltende Kritik an der deutschen Libyen-Politik und an Kritik etwa von Altkanzler Helmut Kohl an einer außenpolitischen Orientierungslosigkeit.

dho/DPA/Reuters / DPA / Reuters