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Bürgerkrieg in Syrien: Vier Jahre Grausamkeit - warum Dschihadisten die Gewinner sind

Vor vier Jahren begann in Syrien der Aufstand gegen das Assad-Regime. Größter Gewinner in dem Chaos sind die Dschihadisten. Die USA wollen nun mit Assad verhandeln.

Die Demonstrationen im März 2011 gegen Präsident Baschar al-Assad lösten den blutigen Konflikt aus

Die Demonstrationen im März 2011 gegen Präsident Baschar al-Assad lösten den blutigen Konflikt aus

Vier Jahre ist der Beginn des Aufstandes gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad in Syrien her - mindestens 220.000 Menschen kamen seither um. Heute kämpft in dem Bürgerkrieg neben dem Assad-Regime und den Rebellen auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) um die Macht im Land. Inzwischen hält selbst der Vatikan eine militärische Intervention gegen die Dschihadisten für legitim, wenn alle anderen Wege zur Lösung des verheerenden Konflikts ausgeschöpft sind.

Der Vatikan-Vertreter bei den Vereinten Nationen in Genf, Erzbischof Silvano Tomasi, sagte dem katholischen US-Portal Cruxnow.com, "eine koordinierte und gut durchdachte Koalition" sei notwendig, um eine politische Lösung ohne Gewalt zu finden. "Aber wenn das nicht möglich ist, dann wird die Anwendung von Gewalt notwendig sein." Angesichts der Gräueltaten des IS unter anderem gegen Christen sagte Tomasi, diese "Art von Völkermord" müsse gestoppt werden.

USA wollen mit Assad verhandeln

Trotz der scharfen Kritik an Assad werden die USA nach Ansicht von Außenminister John Kerry mit dem syrischen Präsidenten verhandeln müssen. Möglicherweise müsse der Druck auf den Machthaber erhöht werden, um ihn zu Gesprächen über einen politischen Übergang in Syrien zu zwingen, sagte Kerry am Sonntag in einem Interview des Fernsehsenders CBS. Den üblichen US-Standpunkt, wonach Assad keine Legitimität mehr besitzt und zurücktreten muss, wiederholte Kerry nicht. "Letztendlich müssen wir verhandeln." Die USA seien dazu im Rahmen der Genfer Friedensgespräche immer bereit gewesen. Westliche Staaten fordern schon lange den Rücktritt Assads. Inzwischen gibt es aber mit der Extremistenmiliz Islamischer Staat in Syrien einen gemeinsamen Gegner.

Tausende Tote in Assads Gefängnissen

Am 15. März 2011 hatten Demonstranten in der Hauptstadt Damaskus mehr Freiheiten gefordert, Sicherheitskräfte gingen damals mit Gewalt gegen die Proteste vor. Inzwischen hat sich daraus einer der blutigsten Konflikte der jüngeren Geschichte entwickelt. Große Teile im Norden und Osten Syriens stehen heute unter der Kontrolle der Terrormiliz IS. Sie beherrscht auch weite Teile des Nachbarstaates Irak.

Nach Schätzungen des US-Geheimdienstes CIA kämpfen inzwischen rund 20.000 Kämpfer aus 90 Ländern für den IS. Mehrere Tausend seien aus westlichen Ländern angereist, sagte CIA-Direktor John Brennan am Freitag in Washington.

Nach Angaben von Menschenrechtlern steht das Assad-Regime der Terrormiliz in nichts nach. Seit Ausbruch des Aufstands seien fast 13.000 Menschen in Gefängnissen des Regimes zu Tode gefoltert worden, erklärte die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in einem Bericht vom Freitag. Hinzu kämen mehr als 20.000 Menschen, die in den Gefängnissen der Sicherheitskräfte verschwunden seien.

fin/DPA/Reuters / DPA / Reuters