BESTECHUNG Betrugsbekämpfer versucht sich als Gerüchtekoch


Der Chef des EU-Betrugsbekämpfungsamtes hat Journalisten öffentlich vorgeworfen, Beamte seiner Behörde bestochen zu haben. Eine interne E-Mail zeigt nun: Die Vorwürfe beruhten nur auf Gerüchten.

Der Chef des EU-Betrugsbekämpfungsamtes Olaf, Franz-Hermann Brüner, muss den Vorwurf ertragen, mit Gerüchten Politik zu machen. Kurz vor Ostern hatte er das gesamte Brüsseler Meldecorps informiert, es gebe »Vorwürfe«, dass Journalisten womöglich Olaf-Beamte bestochen hätten, um an Geheimpapiere zu kommen. Der frühere bayerische Staatsanwalt kündigte zugleich eine förmliche Untersuchung an, um den Anschuldigungen auf den Grund zu gehen.

Keinerlei Belege

Jetzt macht sein Pressesprecher Alessandro Buttice in einer als »vertraulich« gekennzeichneten internen E-Mail ein für Brüner peinliches Eingeständnis: Dem Amt lägen keinerlei Belege für den Bestechungsverdacht vor. »Gesicherte Tatsache« sei nur, dass im Umfeld von EU-Kommission und Olaf »Gerüchte kursierten«, wonach Beamte bezahlt worden seien. Hätte man bereits Beweise, müsste man ja keine Untersuchung beginnen, argumentiert der Sprecher in dem Brief vom 11.April, der stern.de vorliegt. Warum Olaf Hinterzimmergerede per Presseerklärung aufwertete, lässt der Brüner-Mann dabei offen. Zugleich vertritt er die Auffassung, dass sich die von Olaf in dieser Sache verfolgte »Linie der Transparenz und Klarheit bezahlt gemacht« habe.

Der stern hatte mehrfach auf Basis von Olaf-Geheimdokumenten über neue Betrugsvorwürfe in Brüssel berichtete. Er hat für diese Papiere keinen Cent bezahlt ? auch nicht für den zitierten Buttice-Brief.

Hans-Martin Tillack


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