VG-Wort Pixel

Bürgerkrieg in Syrien Assad spricht von einer "Säuberung des Staates"


Er scherzt und lacht, wenn er über den Krieg gegen das eigene Volk spricht. In einem TV-Interview redet Assad gar von einer "Säuberung des Staates". Schutzzonen für Flüchtlinge lehnt der Despot ab.

Syriens Präsident Baschar al Assad hat seine Landsleute aufgefordert, sich aktiv am Kampf gegen die Revolutionäre zu beteiligen. In einem Interview des regimetreuen syrischen TV-Senders al Dunja spottete er über die Flucht von ranghohen Militärangehörigen und Führungskräften in den vergangenen Monaten: "Wer ein echter Nationalist ist, der läuft jetzt nicht weg." Jeder müsse die "Helden" der Armee in dieser "Schlacht des Willens" unterstützen. Ausschnitte des Interviews, das am Mittwochabend in voller Länge ausgestrahlt werden sollte, wurden vorab veröffentlicht. Assad, der während der Aufzeichnung scherzte und lachte, sprach von einer "Säuberung des Staates". Die Überläufer hätten letztlich zur "Selbstreinigung" des Staates beigetragen.

Assad deutete an, dass der Kampf gegen die "Terroristen" noch eine Weile andauern werde. "Wir kommen aber voran", betonte er. Ein Regimegegner in der Provinz Aleppo kommentierte Assads Auftritt mit den Worten: "Man hat das Gefühl, der Mann lebt in einem anderen Universum."

Assad: Schutzzone für Flüchtlinge "unrealistisch"

Assad lehnte die Einrichtung einer Schutzzone für Flüchtlinge ab. Zum einen stehe dies gar nicht zur Debatte, zum anderen sei der Vorschlag des Westens und der Türkei ohnehin "unrealistisch", sagte der Staatschef, der den Mitte März 2011 begonnenen Aufstand blutig niederschlagen lässt. "Ich denke, die Gespräche über eine Sicherheitszone sind nicht umsetzbar, selbst für solche Länder, die eine feindliche Rolle (gegen Syriens) spielen", sagte der Despot. Die Lage im Land sei bereits besser geworden. Es sei aber noch mehr Zeit nötig, um den Kampf gegen die Rebellen zu gewinnen. In dem Konflikt zwischen Aufständischen und Regierungstruppen kamen nach Angaben von Aktivisten seither rund 25.000 Menschen ums Leben.

Die in Frankreich ansässige Oppositionelle Basma Kadhmani erklärte unterdessen ihren Austritt aus dem Syrischen Nationalrat (SNC). Das Oppositionsbündnis habe die Hoffnungen und berechtigten Erwartungen der Revolutionäre in Syrien enttäuscht, erklärte sie. Kadhmani hatte das Gesicht des SNC als Sprecherin und Mitglied des SNC-Exekutivkomitees stark geprägt.

Aktivisten meldeten, eine Revolutionsbrigade habe am Mittwoch den Militärflughafen Taftanas in der Provinz Idlib mit Granaten angegriffen. Am Morgen sollen landesweit zwölf Kämpfer und Zivilisten getötet worden sein. Am Vortag hatte die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter mehr als 200 Tote gezählt.

mlr/DPA/AFP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker