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Bürgerkrieg in Syrien Hoffnung auf Assad-Rücktritt verpufft


Die Hoffnung währte nur kurz: Ein russischer Botschafter hatte angedeutet, dass Syriens Diktator Baschar al Assad zum Rücktritt bereit sei. Doch das Außenministerium in Moskau ruderte schnell zurück. In Damaskus starten Regierungstruppen unterdessen eine Gegenoffensive.

Überraschende Botschaft mit kurzer Haltbarkeit: Der syrische Präsident Baschar al Assad ist sich nach Einschätzung des russischen Botschafters in Paris der Ausweglosigkeit seiner Lage bewusst. "Er hat akzeptiert, sich zurückzuziehen", sagte Alexander Orlow dem Radiosender RFI. Voraussetzung sei allerdings, dass der Übergang geordnet verlaufe. Als Beleg für seine Einschätzung verwies Orlow auf die Genfer Syrien-Konferenz Ende des vergangenen Monats. Assad habe dort über seine Vertreter die Einwilligung zu einem politischen Übergangsprozess gegeben, sagte der Diplomat.

Das Regime in Damaskus wies die Interpretation Orlows umgehend zurück. Ein Rücktritt sei kein Thema, hieß es. Auch die Botschaft ruderte kurze Zeit später zurück. Orlows Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden, sagte ein Sprecher nach Angaben der Agentur Interfax. Russland beharrt auf einer innersyrischen Lösung.

Regierung startet Gegenoffensive in Damaskus

Ungerührt von diesem diplomatischen Geplänkel sind die Regierungstruppen in die Offensive gegangen. Nach heftigen Gefechten gelang es der Armee die Kontrolle über das Damaszener Viertel Midan zu übernehmen, berichtete ein AFP-Reporter am Freitag, während auch aus den Vierteln Dschobar und Kabun Kämpfe gemeldet wurden.

Ein AFP-Reporter sah in Midan zerschossene Gebäude, geplünderte Läden und Munitionsreste auf der Straße. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder gefesselter Kämpfer und beschlagnahmter Waffen. Die der Opposition nahestehende Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London erklärte, die Armee sei mit sieben Panzern in das Viertel vorgedrungen. Auch das im Osten gelegene Viertel Kabun sei mit 15 Panzern angegriffen worden.

Blutiger Donnerstag

Ein Vertreter der Sicherheitskräfte sagte AFP, die Armee habe am Donnerstag eine Generaloffensive in Damaskus gestartet, um die Kontrolle über die Viertel zurückzugewinnen, in die sich "Terroristen infiltriert haben". Laut den Rebellen wurde Dschobar mit Artillerie und Mörsern beschossen. Auch aus den Vierteln Kafar Susse im Südwesten, Hadschar al Aswad im Süden und Barse im Nord-Osten wurden heftige Gefechte gemeldet.

Nach Angaben der Beobachtungsstelle wurden am Donnerstag landesweit mehr als 300 Menschen getötet. Damit war es der blutigste Tag seit Beginn des Aufstands gegen Präsident Baschar al Assad im März 2011. Unter den Toten waren 139 Zivilisten, 98 Soldaten und 65 Rebellen. Laut dem UN-Flüchtlingskommissariat flohen während der vergangenen 48 Stunden bis zu 30.000 Syrer über die Grenze in den Libanon.

Alle Grenzübergänge zum Irak in Rebellenhand

Ein AFP-Fotograf berichtete, rund 150 schwer bewaffnete Aufständische hätten nach heftigen Kämpfen die Kontrolle über den Grenzübergang Bab al Hawa zur Türkei übernommen. Davor lägen die ausgebrannten Wracks türkischer Lastwagen. Zuvor hatte die irakische Regierung bereits erklärt, syrische Rebellen hätten die Kontrolle über sämtliche Grenzübergänge zum Irak übernommen.

Unterdessen erlag der bei dem Anschlag auf den Krisenstab am Mittwoch verletzte Leiter der Behörde für Nationale Sicherheit, Hischam Ichtiar, seinen schweren Verletzungen, wie das Staatsfernsehen meldete. Demnach wurde für die anderen Opfer für den Selbstmordanschlag vom Mittwoch in Damaskus ein Staatsbegräbnis abgehalten. Bei dem Anschlag waren Verteidigungsminister Daud Radschha, sein Stellvertreter Assef Schaukat, ein Schwager Assads, und der Leiter des Krisenstabs Hassan Turkmani getötet worden.

nik/AFP/DPA DPA

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